Als Lafontaine SPD-Chef wurde

Donnerstag, 7. Dezember 2017

SPD-Lobpreisung für Ex-Nazi-Journalist Höfer, Bundeswehr-Saufgelage mit Hakenkreuzen und Hitlerbild In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 20 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 7. Dezember 1997.

In „Presseclub" am Sonntag sagte ARD-Moderator Pleitgen über seinen verstorbenen Vorgänger Höfer ("Der internationale Frühschoppen"): "Er hat mit sicherem Instinkt ein gutes, ein  demokratisches Gesprächsformat entwickelt. Kundige Menschen, die nicht für eine Partei oder eine Interessengruppe sprechen, sondern aus unterschiedlichen Erkenntnissen unterschiedliche Meinungen haben, diskutieren über wichtige Ereignisse, Entwicklungen und Sachverhalte."

Parteizugehörigkeit Pleitgens: SPD.  

Robert Lembke: "Auf den wärmsten Plätzen sitzen die Unverfrorensten."     

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In "Frontal" am Dienstag sagten

ZDF-Moderator Hauser: „In Hannover gibt es ab heute beim SPD-Parteitag Innovation und Gerechtigkeit - aber nur für drei Tage."

Kienzle: „In Bonn dagegen gibt es nichts Neues und wenig Gerechtigkeit, und das schon seit mehr als 15 Jahren."              

Hauser: „Parteitagsreden sind das eine, praktische Politik das andere. Fragen Sie doch mal die Saarländer und Niedersachsen."

Horaz: "Doch was verbietet, lächelnd die Wahrheit zu sagen?"                              *   

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In „heute-journal" am Mittwoch sagte ZDF-Moderator Reitze; „Am besten kann man den Tag vielleicht so beschreiben: Innovation und Gerechtigkeit ist das Motto. Lafontaine und Schröder sind die Kandidaten. Gestern war es der Tag von Lafontaine, morgen ist es der Tag von Schröder. Heute nun war es der Tag des ‚und'."

Humor ist...

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"Kennzeichen D“ (ZDF) berichtete am Mittwoch über die Bonner Amnestie-Pläne für Steuersünder. Kostproben:  

"Die gut trainierten Steuerfahndungsbrigaden schulen um auf Sozialdetektiv. Da können sie den unverschämten Sozialstaatsbetrügern endlich das Handwerk legen."

„Kostenlose Premierenkarten für Reiche. Staatlich gegenfinanzierte Rabatte auf Goldschmuck und Brillanten. Monatliche Essengutscheine für Austern und Hummer."

„Viele spekulieren darauf, dass Deutschland per Gesetz nun ein, Einwanderungsland für Multimillionäre wird."                

 Einer geht noch...

In „Tagesthemen" am Donnerstag sagte ARD-Kommentatorin Herrmann: „Der Enkel hat’s geschafft: Oskar Lafontaine. Er ist der starke Mann in der SPD. Wenn er will, tritt er an, und Schröder   wird akzeptieren. Selbst Willy Brandt hätte ihn mit Wohlwollen registriert, den Reifeprozess: Vom einst frechen Oskar zum Enkel mit Format. Aufbruchstimmung also."

Heimatsender der Kommentatorin: Saarländischer Rundfunk.

Was die Fürsten geigen, müssen die Untertanen tanzen" (deutsches Sprichwort).                         

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In „Privat-Fernsehen" am Freitag sagte ARD-Moderator Küppersbusch: „Altenstadt. Der Bundeswehr-Orden. Hundertster Einzelfall des Tages geht diesmal an die Hitlerjugend der Strauß-Kaserne in Schongau. Selbstverteidigungsminister Rühe tadelte das Saufgelage mit Hakenkreuzen und Hitlerbild mit dem Hinweis, der Führer habe Alkohol verabscheut."

Goethe: "Sich in seiner Beschränktheit gefallen ist ein elender Zustand.“

Anmerkungen

SPD-Mitglied Fritz Pleitgen war 1970-1977 ARD-Auslandskorrespondent in Moskau. 1977 ging er nach Ostberlin, nachdem ARD-Korrespondent Lothar Loewe wegen seiner unverblümt kritischen Berichterstattung am SED-Regime des Landes verwiesen worden war. Bei Pleitgen hatte die ARD Ähnliches nicht zu befürchten, er blieb fünf Jahre auf diesem Posten. 1982 wechselte Pleitgen nach Washington, wo er ganz im Sinne seiner Partei die Politik US-Präsident Ronald Reagans scharf kritisierte. 1987 kehrte er zum WDR nach Köln zurück. 1988 wurde er Chefredakteur des WDR-Fernsehprogrammbereichs „Politik und Zeitgeschehen“. Besonders seine ARD-Kommentare gefielen den Genossen, und 1995 wurde er zum WDR-Intendanten gewählt. Später entzweite er sich mit seiner Partei und näherte sich den Positionen der CDU an, was ihn prompt die Wiederwahl kostete. Seitdem ist er wieder stramm auf Parteilinie.

Bodo M. Hauser (1946-2004) moderierte seit 1993 mit Ulrich Kienzle das ZDF-Magazin „Frontal“. 2000 wurde er für das ZDF Programmgeschäftsführer des Nachrichten- und Dokumentationssenders PHOENIX, für den er auch die Talkshow „Unter den Linden“ moderierte. Außerdem leitete er das ZDF-„Nachtduell“.

Der SPD-Journalist Ulrich Kienzle wurde 1980 Fernseh-Chefredakteur bei Radio Bremen („Radio Hanoi“), 1990 Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik beim ZDF („auslandsjournal“) und 1993 Co-Moderator des ZDF-Politmagazins „Frontal“. Seit 2003 trat er in der ZDF-Sendung „Wiso“ in der Rubrik „Fahren mit Kienzle“ auf.

Helmut Reitze wurde 1995 Zweiter Chefredakteur von ARD-Aktuell in Hamburg, noch im gleichen Jahr stellvertretender ZDF-Chefredakteur und 1997 Leiter der Hauptredaktion „Aktuelles“ wie Moderator des „heute Journal“. Seit 2003 ist der Intendant des Hessischen Rundfunks.

Elke Herrmann (1942-2009) wurde 1964 Fernseh-Ansagerin und 1984 Moderatorin der ARD-„Tagesthemen“. Seit 1991 leitete sie die SR-Hauptabteilung Politik und Zeitgeschehen wurde Chefredakteurin Fernsehen und damit auch „Tagesthemen“-Kommentatorin. 2000-2002 war sie auch Stellvertreterin des Programmdirektors.

 

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