ZDF-Spott über die FDP: „Drehen und wenden, das können sie“

Donnerstag, 11. Januar 2018

Spalter-Stimmung im Wahljahr, Hella von Sinnen auf dünnem Eis: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 20 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 11. Januar 1998.

In „halb 12" (ZDF) am Sonntag sagte der Prof. Richard Schröder (SPD) über die Stimmung in der Bundesrepublik: „Sehr viele sind der Meinung, es müsse eine andere Art von Demokratie her, um die Probleme zu lösen. Aber man muss nicht unbedingt die Spielregeln ändern, wenn schlechter Fußball gespielt wird."

Volltreffer.

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In „Presseclub" am Sonntag sagten

ARD-Moderator Pleitgen: „Ich habe im ‚Spiegel‘, in der ‚Woche‘ und in der ‚Zeit‘ immer wieder davon gelesen, dass unser Land zerrissen und gespalten ist. In der Zeitung stand: ‚zerrissen'. Was spüren wir von dieser Spaltung im Land, von der diese Zeitschriften, die ich vorhin erwähnt habe, zu lesen ist…“

„Thüringer Allgemeine"-Chefredakteur Lochthofen: „Es gibt eine Anerkennung für eine große solidarische Leistung des normalen Bundesbürgers West … es gibt genug Dank, und ich glaube, es ist auch mal wieder zu danken dieser großen solidarischen Leistung ... dass im Großen und Ganzen Deutschland nach sieben Jahren eigentlich ganz gut miteinander auskommt: Es gibt natürlich immer eine aufgeregte Schicht, ob die am Stammtisch sich trifft…“

...oder bei ‚Spiegel', ,Woche', Zeit' und ARD.

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In ‚Boulevard Bio' am Dienstag sprach ARD-Moderator Biolek mit der TV-Entertainerin von Sinnen. Auszug:

Biolek: „War dir eigentlich klar, wie dünn das Eis ist, auf dem man da agiert, wenn man durch das Fernsehen so groß wird?'

Von Sinnen: „Ich habe nie so richtig das Gefühl gehabt, wirklich etwas Großartiges zu leisten. Ich habe immer gedacht, was ist es für ein super angenehmer Job, mit Geld wirklich zugeschmissen zu werden, um da mal eine Stunde rauszugehen und Kindergeburtstag mit Erwachsenen zu machen:

Osborne: „Gelegentliche Ehrlichkeit ist das Kontrastprogramm der Schurken.“

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In „Kennzeichen D" am Mittwoch sagte ZDF-Reporter Kramer  

zu Bildern aus dem Film „Titanic": „Titanische Zeilen für die MS Germania!“     

Zu Bildern des auf einem Ball tanzenden Arbeitsministers: „Nur auf dem Luxusdeck ist der Warnruf noch nicht angekommen. Narhalla as usual. Tanz auf der Spitze des Eisbergs: Oben die FDP, deren Chef bei einem Tanzvergnügen mit der Bemerkung zitiert wurde, man müsse „sich ja auch mal ein bisschen drehen können. Sich drehen und wenden, ja, das können sie, die Liberalen.“

Zu Bildern Stoibers bei einem Ball: „Keine Panik bei den Bayern. Sie halten das für einen Hollywoodfilm."

Zu "Titanic"-Untergangsszenen: „In die Rettungsboote. Zuerst die Besserverdienenden, und die Leistungsträger…“

SOS.

Anmerkungen

SPD-Mitglied Fritz Pleitgen war 1970-1977 ARD-Auslandskorrespondent in Moskau. 1977 ging er nach Ostberlin, nachdem ARD-Korrespondent Lothar Loewe wegen seiner unverblümt kritischen Berichterstattung am SED-Regime des Landes verwiesen worden war. Bei Pleitgen hatte die ARD Ähnliches nicht zu befürchten, er blieb fünf Jahre auf diesem Posten. 1982 wechselte Pleitgen nach Washington, wo er ganz im Sinne seiner Partei die Politik US-Präsident Ronald Reagans scharf kritisierte. 1987 kehrte er zum WDR nach Köln zurück. 1988 wurde er Chefredakteur des WDR-Fernsehprogrammbereichs „Politik und Zeitgeschehen“. Besonders seine ARD-Kommentare gefielen den Genossen, und 1995 wurde er zum WDR-Intendanten gewählt. Später entzweite er sich mit seiner Partei und näherte sich den Positionen der CDU an, was ihn prompt die Wiederwahl kostete. Seitdem ist er wieder stramm auf Parteilinie.

Alfred Biolek begann seine TV-Karriere 1974 als Produzent der Rudi-Carrell-Show „Am laufenden Band“ und leitete später vor allem Talkshows in WDR und ARD: 1983–1984 „Bei Bio“, 1985–1991 „Mensch Meier“, 1991–2003 „Boulevard Bio“ und 1994–2006 die Kochsendung „alfredissimo!“

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