Fake-Trick: Die ARD verbreitet Fake News, und schuld sind die Betroffenen

Mittwoch, 24. Januar 2018

Lob für Nazi-Autor Werner Höfer, Kritik an Nazi-Opfer Löwenthal: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 30 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 24. Januar 1988.

Letzte Woche verbreitete die ARD Meldungen über einen angeblichen Bruch des Atomwaffensperrvertrages durch die Hanauer "Nukem". Der Chefredakteur des Hessischen Rundfunks Buchwald moderierte eine Sondersendung. Titel: "Die Bombe aus Hanau".

Diese Woche stellte sich heraus: Die ARD war einer Fehlinformation aufgesessen. "Tagesthemen "-Moderator Friedrichs dazu am Montag: "Dass ein großer Teil der Öffentlichkeit Ende letzter Woche offenbar bereit war, zunächst mal zu glauben, dass aus der Bundesrepublik spaltbares Material zur Herstellung von Atombomben nach Pakistan und Libyen verschoben worden sei, das haben sich die Hanauer Atombetriebe und ihre diversen Geschäftspartner selbst zuzuschreiben."

Das ist neu: Schuld an Falschmeldungen trägt nicht mehr, wer sie verbreitet, sondern wer durch sie denunziert wird.

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Aus der ARD-Unterhaltungssendung "Wortschätzchen" am Dienstag:

Moderatorin Schreinemakers zu zwei Kandidatinnen: "Das ist die Mutter, 36 Jahre alt, die Tochter genau die Hälfte, 18. (Zur Mutter:) Da hast du schon früh produziert!"

Mutter: "Na klar."

Schreinemakers: "Erzähl' doch mal, wie das so war, als du deinen Mann kennenlerntest. "

Mutter: „Es war schlimm. Meine Mutter ließ mich so zwischen 3 und 5 'raus, es war schon ziemlich streng."

Schreinemakers (zeigt auf Tochter): "Und wann habt ihr sie gemacht?"

Mutter: .. Zwischen 3 und 5!"

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Am Dienstag sagte ARD-Moderator Bednarz in "Monitor" zu dem über seine Nazi-Vergangenheit gestürzten ARD-Moderator Höfer: „Es geht um einen Mann, bei dem ganze Generationen von Journalisten in die Lehre gegangen sind: Hans-Joachim Friedrichs und Dieter Kronzucker, Gerd Ruge, Walter Erasmy, Hans-Jürgen Rosenbauer und auch ich ... Vielleicht hat mich nur die so vielberufene Gnade der späten Geburt davor bewahrt, Dinge zu schreiben, wie sie jetzt Werner Höfer zur Last gelegt werden."

Regelmäßige "Monitor"-Zuschauer können dem unschwer zustimmen.

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Unter den Gästen der Talkshow "III nach Neun" bei Radio Bremen am Freitag befand sich auch der frühere ZDF-Moderator Löwenthal. 65. Es sagten zu ihm:

Moderator Geyer, 38: "Ich würde mich gern vergewissern, ob Sie unbewaffnet sind. Wenn einer 19 Jahre eine Position vertritt, heißt das, dass er nichts dazulernen kann?"

Moderatorin Schüller, 36: "Ich muss nochmal auf Ihre mangelnde Lernfähigkeit eingehen ... Können wir es vielleicht mal ein kleines bisschen vernünftig versuchen?"

Schauspieler Tukur, 30: "Herr Löwenthal, das ist doch albern!“  

Löwenthal: „Ich werde trotzdem weitermachen."

Auf einen Weisen kommen viel Narren (deutsches Sprichwort).

Anmerkungen

SPD-Mitglied Manfred Buchwald (1936-2012) war 1981-1983 Chefredakteur der ARD-„Tagesthemen“, 1983-1988 Chefredakteur Fernsehen des HR und 1989-1996 Intendant des Saarländischen Rundfunks.

Der SPD-nahe „Tagesthemen“-Moderator Hanns Joachim Friedrichs (1927-1995), ein früherer ZDF-Sportchef, bewährte sich in den Jahren von 1985 bis 1991 als besonders eifriger Propagandist rot-grüner Meinungen. Sein Nachfolger Ulrich Wickert und andere Gleichgesinnte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dankten ihm durch die Stiftung eines Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus. Den Vorsitz übernahm Wickert, der dann prompt einer der ersten Preisträger wurde.

Der TV-Journalist Klaus Bednarz (1942-2015) trat als Moderator der ARD-„Tagesthemen“ (1983) und des ARD-Magazins „Monitor“ (1983-2001) nachhaltig für die politischen Ziele der SPD ein, der er als 68er nahestand. Nach seiner Pensionierung drehte er für die ARD Reportagen aus aller Welt.

„Frühschöppner“ Werner Höfer (1913-1997) wurde 1941 Pressereferent der „Organisation Todt“ und danach im Rüstungsministerium des später wegen Kriegsverbrechen verurteilten Albert Speer. Am 3. September 1943 wurde der junge Pianist Karlrobert Kreiten vom NS-„Volksgerichtshof“ wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt, weil er gegenüber einer Freundin seiner Mutter Zweifel an Hitlers „Endsieg“ geäußert hatte. Am 20. September kommentierte Höfer, damals 30 Jahre alt, das Urteil im „12-Uhr-Blatt“ so: „Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen.“ Nach dem Krieg heuerte Höfer beim WDR an. Über seine NS-Vergangenheit schwieg er. Als der „Spiegel“ den Skandal 1987 aufdeckte, bestritt Höfer, den Text in dieser Form selbst verfasst zu haben. Er könne sich auch nicht mehr erinnern, welche Passagen von ihm stammten und welche nicht. Die damalige SPD-Bundesgeschäftsführerin Anke Fuchs nannte die Kritik an Höfer einen „empörenden Vorgang“ und unterstellte den Kritikern „fragwürdige und leicht durchschaubare Methoden“ aus politischer Gegnerschaft zu dem eifrig linkelnden Moderator. Dennoch musste Höfer seine Sendung „Der Internationale Frühschoppen“ aufgeben. Die ARD wiederum musste sich für die Sendung einen neuen Titel suchen, weil Höfer an dem alten die Rechte beanspruchte.

Hansjürgen Rosenbauer brachte es 1991 als ARD-Moderator („Weltspiegel“) und Talkmaster zum Intendanten des neuen ORB und blieb es bis zur Fusion mit dem Sender Freies Berlin (SFB) im Mai 2003. Im September 2003 wählte ihn der Brandenburger Landtag in den Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg gewählt, allerdings erst im zweiten Wahlgang und nach massivem Druck der SPD auf ihren Koalitionspartner CDU.

Der renommierte Publizist Gerhard Löwenthal (1922-2002), Sohn eines jüdischen Kaufmanns aus Berlin, überlebte den Nazi-Terror und begann seine journalistische Laufbahn 1946 beim RIAS. Von 1969 bis 1987 leitete er das legendäre „ZDF-Magazin“. Sein engagierter Einsatz für die Wiedervereinigung Deutschlands und seine ständigen Entlarvung kommunistischer Propagandalügen jener Jahre trugen ihm die lebenslange erbitterte Feindschaft sozialdemokratisch und sozialistisch orientierter Journalisten vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein. Anders als viele von ihnen wurde Löwenthal nach seiner Pensionierung nicht mehr auf Honorarbasis weiterbeschäftigt, sondern umgehend kaltgestellt. Die Geschichte gab ihm schallend Recht: Der Fall der Mauer 1989 widerlegte seine vielen Gegner, von denen freilich kein einziger seine Irrtümer jemals zugab. Als in der Vorwendezeit immer mehr Informationen in den Westen drangen, die bewiesen, dass Löwenthal stets richtig gelegen hatte, konnten seine erbitterten Gegner in der Mainzer Sendezentrale nichts mehr entgegensetzen, sich aber auch nicht – ebenso wenig wie ihre Kollegen in der ARD - zu einer Rehabilitierung des Verfemten durchringen. Ein leitender ZDF-Journalist erklärte damals hilf- und fassungslos: „Aber das würde ja bedeuten, dass Löwenthal Recht gehabt hat!“

Der SPD-nahe Fernsehjournalist Michael Geyer (1940-2003) wurde 1970 Nachrichtenredakteur bei Radio Bremen. 1990-1998 war er Chefredakteur Fernsehen, danach bis zum Vorruhestand Ende 2000 Abteilungsleiter "Kultur und Gesellschaft".

Die Leichtathletin Heidi Schüller war Rekordhalterin und Deutsche Meisterin im 100-Meter-Hürdenlauf. 1972 sprach sie als erste Frau überhaupt den Olympischen Eid Später wurde sie Fachärztin für Anästhesie und Oberärztin an der Universitätsklinik in Köln. Als Fernsehmoderatorin führte sie durch Sendungen wie „Drei nach Neun“, „Talk im Turm“ (SAT.1), „Club 2“ (ORF) oder „Themenabende“ (ARTE). 1994 gehörte sie als Gesundheitsexpertin dem Schattenkabinett von SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping an.

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