Maischberger: Zoff um Flüchtlinge und Obdachlose

Donnerstag, 25. Januar 2018

„Maischberger: Ganz unten: Wie schnell wird man obdachlos?“. ARD, Mittwoch, 24.Januar 2018, 22.45 Uhr.

Die „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch die rigiden Methoden des Hamburger Senats gegenüber Obdachlosen auch aus osteuropäischen Ländern massiv kritisiert.

Die Obdachlosen, so die Journalisten, müssten ihre Unterkünfte in der „Winternothilfe“ jeden Morgen verlassen und dürften erst abends wieder zurückkehren, klagte die gelernte Journalistin.

Das sei sogar dann so gewesen, als der Orkan „Friederike“ tobte und die Hamburger aufgefordert waren, möglichst zu Hause zu bleiben.

„Das versteht kein Bürger, dass ein Flüchtling 24 Stunden im Container bleiben darf, ein Obdachloser aber tagsüber auf die Straße geschickt wird!“ sagte die „Tagesschau“-Sprecherin, die das Thema aus eigenen Erfahrungen beurteilen kann.

Sie habe ihren ersten Obdachlosen schon als 19-jährige Praktikantin einer Zeitung in Paderborn interviewt, berichtete sie. „Ich sollte auf der Kirmes witzige Sprüche von Lebkuchenherzen sammeln, da sah ich ihn sitzen.“

„Ich dachte, das ist doch die schönere Geschichte, und habe angefangen, mit ihm zu sprechen. Er hieß Heinz und war mit seinem Hund da. Ich habe mich zu ihm gesetzt für zwei, drei Stunden, und er hat mir seine Geschichte erzählt. Er mochte dieses Leben.“

Ehrlichstes Geständnis

Vor vier Jahren hatte Rakers für einen ARD-Film einen Selbstversuch unternommen und für 30 Stunden in Hamburg Platte gemacht.

„Ich habe zwei Stunden gebettelt, bevor ich das erste Geld bekommen habe“, erzählte sie nun. „3.50 Euro. Deswegen war ich dann auch so gerührt.“

Zu einer kalten Nacht mit einer Gruppe Obdachloser unter einer Hamburger Brücke sagte sie: „Wenn ich so leben müsste, würde ich auch schon morgens Bier trinken!“

Schlimmste Erfahrung

Talkmasterin Sandra Maischberger erinnerte daran, dass Obdachlose Neulingen raten: „Mach den Schlafsack nicht zu, dann bist du schneller draußen, wenn dich einer anzündet!“

Rakers zeigte sich über Autofahrer erschüttert, die hupen, wenn sie an Obdachlosen vorbeifahren, nur um sie zu stören und zu ärgern. 

Im Vorjahr sind 17 Obdachlose getötet worden, weil, so der Armutsforscher Christoph Butterwegge, „in der Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft alle, die sich nicht anpassen, ausgegrenzt werden.“

In Deutschland haben diesen Winter rund 860.000 Menschen kein richtiges Dach über dem Kopf.

„Es gibt viele Hilfsangebote für Obdachlose“, erklärte die „Welt“-Wirtschaftsjournalistin Dorothea Siems dazu, „Sie werden aber nicht angenommen“, denn die meisten Betroffenen wüssten überhaupt nichts davon.

Forscher Butterwegge reagierte sauer: „Nein, es liegt an den Strukturen!“ widersprach er. „Bei uns werden Wohnungen gehandelt wie Würstchen, wie Wegwerfwindeln, wie Wandteppiche!“

„Der Klimaschutz hat das Bauen enorm verteuert“, kritisierte

Siems. „Wir bauen drei Mal teurer als in anderen Ländern!“

Die Doktorarbeit des Bundespräsidenten

„Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat 1991 seine Doktorarbeit über das Thema ‚Obdachlosigkeit‘ geschrieben“, berichtete Butterwegge, „und dafür plädiert, ein Grundrecht auf Wohnraum ins Grundgesetz aufzunehmen!“

„Aber wenn es doch zu wenig Wohnungen gibt!“ sagte Maischberger. „Angebot und Nachfrage, das funktioniert nicht!“ sagte Rakers. Siems wies auf die vielen Obdachlosen aus osteuropäischen Ländern hin: „Es gibt keine Freizügigkeit in die Sozialsystem“, warnte sie, „sonst wird die EU nicht bestehen bleiben.“

Das deutsche Pfandsystem etwa sei, so die Journalistin, in Bulgarien bestens bekannt: „Die Leute wissen, dass man sich hier mit Flaschensammeln einen Lebensunterhalt organisieren kann.“

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