Maischberger-Talk: Will die Union Merkel loswerden?

Donnerstag, 1. Februar 2018

„Maischberger: Der GroKo-Poker: Letzte Chance für Merkel & Co.?“. ARD, Mittwoch, 31.Januar 2018, 22.45 Uhr.

Der CSU-Vize und bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch auf einen schnellen Abschluss der Koalitionsverhandlungen gedrängt.

„Es wird jetzt höchste Zeit, dass endlich eine Regierung für Deutschland gebildet wird!“ sagte Herrmann („Es geht nicht um die Selbstverwirklichung der SPD!“) Die heftig umstrittene Frage des Familiennachzugs für subsidiäre Geschützte sei geklärt, und der Bundestag werde diesen Donnerstag die entsprechende Regelung beschließen.

Der SPD-Vize Ralf Stegner („Ohne die SPD läuft in Deutschland nach wie vor nichts!") legte mit Blick auf den bevorstehenden Mitgliederentscheid seiner Partei allerdings noch einmal nach: Herrmanns Erklärung sei „juristische Wortklauberei“, ätzte und gab vor, sich zu wundern, dass eine Partei, „die sich christlich nennt“, den Familien solche Schwierigkeiten mache.

Hitzig wurde die Debatte, als sich AfD-Chef Alexander Gauland über Blockaden gegen seine Kandidaten für den Vorsitz in den Bundestagsausschüssen ärgerte: „Wir könnten Albert Schweitzer aufstellen, oder Mutter Teresa, und die würden auch nicht gewählt!“ Doch Herrmann konterte ihn aus: „Die wären bestimmt nicht in die AfD gegangen!“

Schmuddelstunde vor Mitternacht 

Warum die anderen Parteien mauern, machte Talkmasterin Sandra Maischberger mit einem Einspieler über den neuen Rechtsausschussvorsitzenden Stefan Brandner (AfD) klar. Der sagte über Linksaktivisten: „Man liest ja, dass eure Eltern meistens Geschwister waren, und wenn ich mir die Gesichter näher anschaue, habe ich den Eindruck, als wären die Haustiere auch nicht weit gewesen.“

Bei den Grünen ortete der AfD-Populist „die drei K‘s: Klimawandel, Koksnasen, Kinderschänder.“ Und Stegner sei für ihn „der Hetzer und die Hackfresse der Nation.“

Flaue Ausreden

„Das ist eben Wahlkampf gewesen“, urteilte der Parteiwürdebold Gauland („Wenn man Krieg im Bundestag haben will, kann man Krieg haben!“) „Da kann man unterschiedlicher Meinung sein.“ Nein, Herr Vorsitzender, hier kann man das nicht!

Herrmann nannte die AfD „eine schlimme Partei“, die sie sich jetzt wieder mit der Pegida verbünde, einer „Organisation mit jeder Menge Rassismus und ausländerfeindlicher Hetze“.

Sahra Wagenknecht (Linke) versuchte ihre Partei als die eigentliche Opposition vor allem in sozialen Fragen darzustellen. Dabei bejammerte die Fraktionschefin mal wieder eine „Krise der Demokratie, weil viele von der Politik gar nichts mehr erwarten“.

Passend zu ihrem Kleid setzte die Faktionschefin auf die Ketchup-Taktik: Erst kam lange nichts, dann alles auf einmal. „Wir haben eine handfeste Krise der Demokratie, weil sich die großen Parteien immer mehr angenähert haben“, behauptete sie. „Demokratie heißt, dass man zwischen verschiedenen Regierungsprogrammen wählen kann!“ Deshalb seien jetzt immer mehr Leute  mit der Politik durch.

Für den Fall des Scheiterns der Koalitionsverhandlungen sagte Gauland: „Wir setzen nicht auf Neuwahlen, obwohl wir wahrscheinlich davon profitieren würden. Wir sind der Stachel im Fleisch der CSU. Der Stachel im Fleisch der Regierung, die seit 2015 eine völlig falsche Politik gemacht hat!“

„Wir haben unseren Wählern in Teilen das Gegenteil versprochen“, sagt Stegner über die Kompromisse mit der Union. Dass sein Parteichef nach der gescheiterten Jamaika-Sondierung der GroKo gleich wieder eine Absage erteilte, sei eine „Montagsproduktion“ gewesen.

Christoph Schwennicke, Chefredakteur der Zeitschrift "Cicero", meinte, „dass es ganz viele in der CDU gibt, die die Daumen drücken, dass die SPD so agiert, dass Frau Merkel am Ende nicht mehr Kanzlerin ist.“

Die „taz“-Journalistin Bettina Gaus orakelte sogar, dass „die SPD die Koalitionsverhandlungen doch noch platzen lässt“.

„Das sagen die uns ziemlich offen“, behauptete Stegner locker. Maischberger wollte es nicht glauben: „Die sagen Ihnen ganz offen, lasst die Große Koalition krachen, damit wir die Merkel loswerden?“ Stegner genüsslich: „Es gibt doch den einen oder anderen, der erkennbar eher gegen die eigene Führung arbeitet als gegen die SPD“. Manchem sehe man das schon „körpersprachlich“ an.

 

 

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