Christa Wolf und ihre Stasi-Akte: „Schuldgefühle habe ich nicht“

Mittwoch, 7. März 2018

Kanzler Kohl in Asien, Witze zum Thema „Politikverdrossenheit“: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 20 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 7. März 1993.

In der SAT.l-Sendung "News & Stories" am Montag interviewte Moderator Gaus die Schriftstellerin und zeitweilige Stasi-Denunziantin Christa Wolf. Auszug:

Gaus: "Selbstvorwürfe können ja auch billig sein. Wenn sie Ihnen nun so sehr abverlangt werden von der herrschenden Öffentlichkeit, riskieren Sie dann noch den Widerspruch zu sagen, es war so kompliziert, was vorging, es ging nach meinem Verständnis um eine gute Sache, also würden blanke, einschichtige Vorwürfe und Selbstvorwürfe der damaligen Verstrickung nicht gerecht. Riskieren Sie, den Geßlerhut, den die tonangebende Öffentlichkeit errichtet hat, nicht zu grüßen?"

Wolf: "Mir ist natürlich völlig klar, dass ich meine Lage in einer bestimmten Öffentlichkeit erleichtern könnte, wenn ich zerknirscht mich zeigen und Schuldgefühle ausstellen würde. Aber die habe ich nicht. Als klar wurde, dass es diese Akte gibt, da ging etwas ganz anderes in mir vor: Ein fremder Mensch tritt mir entgegen. Das bin ich nicht. Schuldgefühle sind oft etwas, das man vor die tieferen Einsichten schiebt. Und ich bemühe mich jetzt um die tieferen Einsichten."

Sicherlich mit gutem Erfolg.

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Aus "Klipp-klapp" am Dienstag mit SAT.I-Komiker Hallervorden:

"Windjacken sind tragbar, aber in einer Windhose kann es ganz schön rundgehen."

"Sie haben uns ein Band mit dem Sturz ihres Mannes in die

Rübenwaschanlage geschickt. Mir ist nur eins nicht klar: Hat er denn nun die Rübe gewaschen bekommen?"

"Es gibt Windhunde und Windbeutel, aber die letzteren schmecken besser."

Alles Geschmackssache.

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In "Nachschlag" am Mittwoch befasste sich Kabarettistin Lodermeier mit der Kanzler-Reise nach Asien. Kostprobe:

"Er war ja dort mutterseelenallein. Die Hannelore liegt ja mit Grippe, wahrscheinlich asiatischer, auf der Nase. Und die über hundert Begleitpersonen machen den Kohl auch nicht fett."

"Deshalb haben sie ihm in Tokio den 16. Ehrendoktor aufgenötigt - Nippes aus Nippon."

Kappes aus dem 1. Kanal.

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In den "Tagesthemen" vom Donnerstag sagte ARD-Kommentator Engert: "Die Krise der Union, das könnte die Stunde der Opposition sein. Könnte, ist es aber nicht. Engholm hat seinen Jansen, bei Lafontaine blinkt das Rotlicht und Klose ist in schwerem Wasser. Bei den Genossen ist es wie bei der Union: Der Kompass kreiselt ..."

James Freeman Clarke (1810-1888): „Der Staatsmann ist einer, der das Steuer führt, während der Politiker zufrieden ist, wenn er dahintreibt.“

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In einem Zeichentrickfilm des ARD-Mitarbeiters Woschek und des ARD-Kabarettisten Wald am Freitag in "Bericht aus Bonn" wurden Politiker gezeigt, die beim Augenarzt das Wort "Politikverdrossenheit" lesen sollten. Auszug:

„Waigel“: "Politik erdrosselt die Einheit. Das ist doch Blödsinn!“

„Engholm“: "Politik lässt die Drossel heiter singen! Und ich dachte immer, ich wäre weitsichtig ... "

Jeder Spaß findet seine Lacher(deutsches Sprichwort).

Anmerkungen

Günter Gaus (1929-2004) wurde 1969 „Spiegel“-Chefredakteur, 1973 Staatssekretär im Bundeskanzleramt, 1974-1981 Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in Ost-Berlin und 1976 SPD-Mitglied. Als Journalist und Politiker versuchte er unermüdlich, die Unterschiede zwischen dem Stasi-Staat und der Bundesrepublik zu relativieren. Auch nach der Wende, der Wiedervereinigung und der Aufarbeitung der Stasi-Akten konnte er sich zumindest öffentlich nicht zu der Einsicht durchringen, dass die „DDR“ ein Unrechtsstaat war, sondern blieb seiner Linie der Gleichmacherei und Beschönigung treu.

Die Schriftstellerin Christa Wolf (1929-2011) verschwieg nach der Wende, dass sie 1959-1962 als „IM Margarete“ Spitzeldienste für die Stasi verrichtet hatte. Später wurde sie selbst überwacht.

Die SAT.1-Sendung „Klipp-Klapp, der Clip-Club“ mit Komiker Didi Hallervorden zeigte „lustige Zuschauer-Videos“ und „witzige Spielszenen“. Sie lief 1992–1993.

Jürgen Engert wurde beim SFB 1983 Leiter der Hauptabteilung Politik und 1987 Chefredakteur Fernsehen. Außerdem moderierte er von 1984 bis 1998 das Polit-Magazin „Kontraste“ in der ARD. An der Gründung des ARD-Hauptstadtstudios war Engert als Gründungsdirektor beteiligt. Er blieb dessen Leiter bis zu seiner Pensionierung 2001.

Der Kabarettist Stephan Wald wurde vor allem als Imitator von Helmut Kohl und Gerhard Schröder bekannt.

 

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