Zoff um das ARD-Interview mit den Geiselnehmern von Gladbeck

Donnerstag, 8. März 2018

„Maischberger: Das Gladbecker Geiseldrama: ein ewiges Trauma?“ ARD, Mittwoch, 7.März 2018, 22.45 Uhr.

Der frühere Radio-Bremen-Fernsehchefredakteur Ulrich Kienzle ist in der ARD-Talkshow hart für ein TV-Interview kritisiert worden, das ein Mitarbeiter 1988 in seinem Auftrag mit den Geiselgangstern von Gladbeck drehten.

In dem „Tagesthemen“-Beitrag hatte der später wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Bankräuber Hans-Jürgen Rösner mit einer Pistole in die Kamera gedroht und gesagt: „Wenn unsere Forderungen nicht erfüllt werden, dann knallt’s!“  

„Sie haben den Verbrechern eine Bühne gegeben!“

In der ARD-Ankündigung der Sendung hieß es dazu: „Als damaliger Chefredakteur von Radio Bremen verantwortete Kienzle 1988 das berühmte Interview eines Reporters mit dem Täter Hans-Jürgen Rösner, das in den ARD-Tagesthemen ausgestrahlt wurde.“

In der Talkshow aber blieb von den Lorbeeren nichts übrig, im Gegenteil: Die anderen Teilnehmer der Runde verurteilten den „Coup“ einhellig als schweren Fehler.

„Sie haben den Verbrechern eine Bühne gegeben!“ urteilte die renommierte Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen.

Faulste Ausrede des Abends

Prompt schaltet Kienzle um. „Wir haben damals in einer sehr angestrengten Situation gelebt“, sagte er nun. „Die Privaten tauchten zum ersten Mal auf. Es gab die Unsicherheit: Wie reagieren wir? Werden die jedes Verbrechen zeigen? Zeigen wir’s?“

Größte Peinlichkeit

„Das Interview haben wir, weil es damals aus Sparsamkeitsgründen keine Direktleitung von Bremen nach Hamburg zur Tagesschau gab, über den Stern (Verteiler) in Frankfurt überspielt“, plauderte der TV-Oldie weiter. „Und dort hat es das ZDF abgegriffen. Ohne uns zu fragen!“

So kam es, dass die umstrittene Szene zuerst im ZDF gezeigt wurde, die Prügel dafür aber voll auf den Buckel der ARD gingen.

Die neuen Medien waren schuld…

Maischberger ließ dem Kollegen die Ausrede nicht durchgehen: „Dann hätten Sie ja sagen können: Schande, dass die das senden, wir senden es nicht!“

 

„Die neuen Medien haben alles durcheinandergebracht“, jammerte Kienzle daraufhin und schob flugs die Verantwortung weiter: „Wir haben es der ‚Tageschau’ überspielt und gesagt: Macht damit, was ihr wollt!“

„So kenne ich Sie ja gar nicht!“ feixte die Talkmasterin. : „Muss ich in einer solchen Situation überhaupt ein Interview machen?“

Bernd Heinen, ranghöchster Polizist in NRW („Wir haben unsere Lehren gezogen!“) fragt den Fernsehmann kühl, ob man den bei solchen Verbrechen unbedingt Live-Interviews machen müsse.

Journalisten warnten die Verbrecher

Als das Fluchtfahrzeug in Köln von Passanten umringt war, hätten, so Heinen, Reporter die Verbrecher sogar vor Zivilfahndern gewarnt: „Hier steht Polizei, seid vorsichtig!“

Johnny Bastiampillai, heute Arzt, damals Geisel, fand dagegen auch Piritives an dem beutegierigen Rudeljournalismus: „Die Presse hat durch diese Inszenierung viel Druck von den Geiseln genommen.“ Die Gangster seien dadurch erst einmal abgelenkt worden.

 

 

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