Maischberger: Wie Knackis mit Pfefferspray trainieren

Donnerstag, 12. April 2018

„Maischberger: Angst auf der Straße: Muss der Staat härter durchgreifen?“ ARD, Mittwoch, 22.45 Uhr.

Der Berliner Polizeigewerkschafter Bodo Pfalzgraf hat in der ARD Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch eindringlich davon abgeraten, auf Pfefferspray zum Schutz vor Kriminellen zu vertrauen.

„Man kann sich damit leicht selber aus dem Gefecht setzen“, warnte er. „Man kann immer auf Straftäter treffen, die besser trainiert sind. Ich kenne Leute, die trainieren im Knast jeden Tag mit zwei Stößen Pfefferspray. Die sind dann immunisiert. Und bei Leuten, die Drogen nehmen oder ständig scharf essen, wirkt das auch nicht.“

In der Sendung hatte die Kölner Werbeagentin Emitis Pohl ("Deutschsein für Anfänger“) berichtet, dass sie seit den Vorfällen zu Silvester aus Angst um sich und ihre Töchter Pfefferspray angeschafft habe.

„Die Aufgabe des Staates ist es, für Recht und Ordnung zu sorgen. Diese Handlungsfähigkeit war in den letzten Jahren oft nicht mehr ausreichend gegeben“, hatte Spahn gesagt. Der frühere Innenminister Gerhart Baum (FDP) kritisierte den CDU-Politiker dafür heftig: „Das ist eine übertrieben Feststellung von einem Mann, der von der Situation nichts weiß!“ schimpfte er.

Beim Versuch, die Ängste der Bürger mit Statistik zu vertreiben, wurde Baum von dem Bochumer Kriminologen Thomas Feltes unterstützt. Die Kriminalitätsrate sei sogar gesunken, sagte der Experte. Wirkliche Ursachen für die trotzdem spürbaren Ängste der Bürger vor Verbrechen seien die Furcht vor „Globalisierung, Altersarmut, Krankheit, den Entwicklungen in Ungarn oder Polen…“

Das alles beunruhige die Menschen und werde dann auf die Kriminalität fokussiert, erklärte Feltes und weckte damit Staunen im Publikum: Wie - Frauen haben abends Angst, durch den Park zu gehen, weil Orbán die Wahl gewonnen hat?

Der CDU-Abgeordnete Philipp Amthor, jüngstes Mitglied des Bundestages, hielt dagegen: „Es gibt ein gesellschaftliches Bedürfnis für einen härteren Vollzug unseres Rechtsstaates“, stellte er fest. „Wir haben einen Anstieg ungleicher Sicherheit.“

Wenn Bürger sich an Kriminalitätsschwerpunkten bedroht fühlen, hilft es ihnen nicht, wenn Experten ihnen erklären, dass die Verbrechen ansonsten im Lande zurückgehen. Hayko Migirdicyan, Familienvater mit armenischen Wurzeln, hat in seinen Kiosk an der gefährlichsten Ecke Kölns immer mehr Stress. „Heute gehe ich nur noch mit meinem Nothammer hin“, berichtete er. „Die Dealer sind meistens Westafrikaner. Einer benutzte sogar die Eistruhe vor keinem Laden als Drogendepot!“

Mit guten Worten geht inzwischen offenbar gar nichts mehr. „Einer von diesen Junkies hat neulich zwei elfjährige türkische Mädchen unsittlich berührt“, berichtet der Büdchen-Boss. „Diese Leute lassen sich bestimmt nicht von einem Sozialarbeiter auf den rechten Weg bringen!“

Auch Polizist Pfalzgraf kratzte am Lack der schönen Statistik: Die Zahlen seien nur deshalb besser geworden, weil viele Delikte inzwischen gar nicht mehr angezeigt würden. Denn: „Wenn Sie keine Polizei mehr in den Görlitzer Park schicken, dann sinkt dort die Drogenkriminalität“ – auf dem Papier.  In Wirklichkeit sei alles viel schlimmer, denn: „Die Gesellschaft ist viel brutaler geworden! Jeden Tag gibt es 16 verletzte Polizisten in Berlin!“

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