Vor 20 Jahren: Die Sprüche des Machers der „Wehrmachtsausstellung“

Donnerstag, 3. Mai 2018

Kienzle und Gott, Hallervorden über den Zölibat: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 20 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 3. Mai 1998.

Am Montag zeigte 3sat den Film "Mein 68 - Ein verspäteter Brief an meinen Vater" des SDS-Mitbegründers Hans-Georg Heer. der die umstrittene Wehrmachts-Ausstellung verantwortet. Kostproben:   

Heer über seinen Vater, einen Förster: "NSDAP-Mitglied und Soldat, nach dem Krieg CDU-Wähler - für mich eine Linie!"

Über US-Präsident Johnson und andere Staatsmänner beim Begräbnis Adenauers: "Eine internationale Kanaille!"

Über den aufgrund von der Stasi gefälschter Dokumente im „Stern" erhobenen Vorwurf, der damalige Bundespräsident Lübke habe Pläne für KZ-Baracken entworfen: "... sorgten wir dafür, dass Lübkes korrekte Berufsbezeichnung erschien: KZ-Baumeister."

Über die RAF: "Ihr habt Rache genommen an euren verlorenen Kindern, mit Isolationshaft und Schauprozessen, mit Berufsverboten und Polizeigesetzen."

Über die Bonner Notstandsgesetze: „... die neuen Ermächtigungsgesetze."

Über sich selbst: "Wenn man den Marx im Keller gelesen hat, kann man nicht einfach zurück zu den Grünen im Bundestag. So lebe ich im Wartestand, ohne Glauben an Revolutionen, aber in der Hoffnung auf Aufruhr."  

Wieland: "Solange es noch Fanatiker in der Welt geben wird, ist kein Bubenstück so grässlich, das nicht irgendein betrogener Wahnsinniger zu verüben fähig sein sollte.“

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In "Frontal" am Dienstag sprachen ZDF-Moderator Kienzle (SPD) und Co-Moderator Hauser über die 200ste Ausgabe ihrer Sendung. Kostprobe:   

Kienzle: "Wann ist eigentlich Schluss?"

Hauser: "Wieso, wir machen das doch erst fünf Jahre."

Kienzle: „Aber Hauser, wir können doch nicht einfach so weitermachen, Woche für Woche! Grauenhaft! Ich stelle mir vor, dass ich eines Tages vor meinen Schöpfer trete, und er fragt mich: Kienzle, was haben Sie mit Ihren wertvollsten Jahren gemacht?"

Hauser: „Ich bezweifle schon mal, dass der liebe Gott Sie siezt."

Kienzle: „Wieso nicht? Ich habe weder mit ihm, Schweine gehütet, noch sind wir beide in der SPD."  

Amen.

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In „Hallervordens Spott-Light" am Dienstag sagten

ARD-Kabarettist Scheibner: „Maria ist Mutter geworden und trotzdem Jungfrau dabei geblieben."

ARD-Kabarettist Hallervorden: "Solche Sachen können sich auch nur Leute ausdenken, die im Zölibat leben und vom Kinderkriegen genauso wenig Ahnung haben wie vom Kindermachen."

Tolstoi: Spott erweckt den Eindruck, der Spottende stünde, über dem, was er verspottet; meist aber ist Spott ein untrügliches Anzeichen dafür, dass der Betreffende den Gegenstand, über den er sich lustig macht, nicht verstanden hat."

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In "Panorama" am Donnerstag sagte ARD-Moderatorin Schlesinger: "Der Mechanismus ist immer derselbe: Am Ende fehlt der Mut, Kritik an Helmut Kohl von unten nach oben durchzureichen und den Kanzler der Einheit in die Wüste zu schicken. Die Ikone Kohl bleibt, und in hehrer Vasallentreue folgen ihm seine Parteifreunde bis zum Ende ..."

Deutsches Sprichwort: "Wo die Ziege angebunden ist, da muss sie grasen."

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In „heute-journal“ am Freitag sagte ZDF-Moderator von Lojewski über den Euro: "Ist es nicht so, als wenn ein Haus zwar eine Heizung hat, aber für alle elf Zimmer nur einen Knopf, um es wärmer oder kälter zu stellen?"  

Eleonore Rozanek: „Der Zweifel ist das Wartezimmer der Erkenntnis."

Anmerkungen

Der SPD-Journalist Ulrich Kienzle wurde 1980 Fernseh-Chefredakteur bei Radio Bremen („Radio Hanoi“), 1990 Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik beim ZDF („auslandsjournal“) und 1993 Co-Moderator des ZDF-Politmagazins „Frontal“. Seit 2003 trat er in der ZDF-Sendung „Wiso“ in der Rubrik „Fahren mit Kienzle“ auf.

Bodo M. Hauser (1946-2004) moderierte seit 1993 mit Ulrich Kienzle das ZDF-Magazin „Frontal“. 2000 wurde er für das ZDF Programmgeschäftsführer des Nachrichten- und Dokumentationssenders PHOENIX, für den er auch die Talkshow „Unter den Linden“ moderierte. Außerdem leitete er das ZDF-„Nachtduell“.

Hans Scheibner ist ein Hamburger Satiriker, Liedermacher und Kabarettist.

Patricia Schlesinger wurde 1990 Reporterin beim ARD-Magazin „Panorama“. 1995-1997 leitete sie das ARD-Auslandsstudios in Singapur. 1997 kehrte sie nach Hamburg zurück und moderierte bis 2001 „Panorama“. Danach wechselte sie ins ARD-Studio Washington. 2004 kehrte sie erneut zurück. Seit 2007 leitet sie den NDR-Programmbereich Kultur und Dokumentation.

Wolf von Lojewski war 1992-2003 Leiter und Moderator des ZDF-„heute-Journal“.

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