Assauer-Tochter: „Das letzte halbe Jahr war nicht mehr so schön…“

Freitag, 25. Mai 2018

„Maybrit Illner Special: „Ist die Pflege noch zu retten?“ ZDF, Donnerstag, 24.Mai 2018, 22.15 Uhr.

Die Hotelfachfrau Bettina Michel, Tochter des legendären „Schalke“-Managers Rudi Assauer, hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag über eine deutliche Verschlechterung im Gesundheitszustand ihres an Alzheimer erkrankten Vaters berichtet.

„Hätte ich meinen Vater ins Heim gegeben, würde er nicht mehr leben“, sagte die 52-jährige, die ihren Beruf aufgab, um ihren Vater zu Hause pflegen zu können. Allerdings: „Das letzte halbe Jahr war nicht mehr so schön wie die sechs Jahre zuvor.“

Denn: „Wir haben versucht, so normal wie möglich zu leben. Wir sind zum Fußball gegangen, zusammen in den Urlaub gefahren, bekommen sehr viel Besuch.“ Doch inzwischen fällt dem an Alzheimer erkrankten Manager das Sprechen schwer.

Der Pflegenotstand war eins der großen Wahlkampfthemen. Jetzt wollen die Betroffenen wissen, was aus den Versprechungen der Politiker wird.

„Der Riesen-Pflegedschungel ist undurchschaubar!“ kritisierte etwa Kornelia Schmid. Die Bundeswehrangestellte und Mutter von drei Kindern versorgt seit fast 25 Jahren ihren MSK-kranken Ehemann und gründete den Verein „Pflegende Angehörige“. Jetzt sagte sie: „Alle Pflegenden sind Einzelkämpfer, die sich alleingelassen fühlen!“

Die „Linke“-Parteichefin Katja Kipping forderte Lohnersatzleistungen für Menschen, die Angehörige zu Hause versorgen und deshalb nicht arbeiten können. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wies lieber auf die Zahlungen der Pflegeversicherung in die Rentenkasse hin: Bei Pflegegrad 5 seien es 500 Euro, und „das ist so, als ob man 3000 Euro brutto verdient.“

Abmahnung des Abends

Dafür kassierte der Minister prompt einen Ordnungsruf: „Hören Sie auf mit den 3000 Euro!“ sagte Schmid sauer. „Wir Angehörige werden mittlerweile blöd angesprochen: Was wollt‘s denn, ihr kriegt‘s doch so viel!“ Dabei bekämen nur ein „Mini-Mini-Bruchteil“ solche Summen.

Schmids Vorwurf: „Das ist ein falsches Bild, das Sie den Menschen vermitteln“, sagt sie dem Minister, „und dadurch sorgen die Menschen auch nicht vor!“

Schönste Klarstellung

„Ich habe nicht gesagt: Ich pflege meine Eltern, sondern ich habe gesagt: Ich lebe mit meinen Eltern“, erklärte die Regisseurin Ilse Biberty (u.a. „Tatort“). „Man sagt ja auch nicht, wenn man sein Baby wickelt: Ich pflege mein Kind!“

Ratschlag der Frau, die für die Pflege ihrer Eltern zeitweilig den Beruf aufgab: „Einfach machen! Und das Leben feiern! Denn alles vor dem Tod ist Leben! Ich fand das eine heilige, kostbare Zeit. Und ich bin ein anderer Mensch geworden.“

Attacke des Abends

Kipping wollte Zwietracht in die GroKo säen: „Herr Spahn, Sie sind doch sonst sehr forsch und angriffslustig, wenn es um Hartz IV oder um Flüchtlinge geht“, sagte sie. „Sie müssen jetzt angriffslustig werden, um die pflegenden Angehörigen zu entlasten, und da müssen Sie sich auch mal mit dem Finanzminister anlegen!“

Dafür gab’s Beifall, doch der Minister fuhr kühl einen Konter:  „Ich habe lieber verlässliche Zusagen als haltlose Versprechen. Ich mache lieber die Dinge, die realistisch sind!“

Das beste Plädoyer

„Bleibt wehrhaft und fordert eure Rechte ein!“ appellierte Kipping an die Pflegekräfte in Krankenhaus und Seniorenheim, „nur dann passiert was in der Politik!“

Der Pflege-Azubi Alexander Jorde, der als populärer Systemkritiker immer tüchtig Gas gibt (erst Turbo-Kritik an Angela Merkel im TV, dann öffentliche Brief-Schelte für Jens Spahn), setzte noch einen drauf: „Wir Pfleger stehen auf einer Stufe mit den Ärzten. Das ist kein kleiner, helfender Beruf, der jetzt um Hilfe schreit. Wir sind eine eigene Profession!“

Der staubigste Klassenkampf-Spruch

Die gebürtige Polin Renata Föry, die seit 14 Jahren Pflegekräfte aus Osteuropa nach Deutschland vermittelt, erklärte, dass es dabei nicht nur um Versorgung geht: „Unsere Pflegerinnen sind Ersatztöchter! Beide Seiten müssen glücklich sein!“

Der Linke-Chefin fiel dazu ein: „Mir ist wichtig, dass es nicht wieder so eine Refeudalisierung gibt, quasi eine neue Dienstmädchenkultur, wo es dann wieder eine Abhängigkeit gibt.“

Die Warnung folgte guten Gründen: Karl Marx etwa hatte einst sein Dienstmädchen sogar geschwängert…

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