Riesen-Zoff bei Illner: Grüne-Chef Habeck brüllt CSU-Vizin Bär nieder

Freitag, 6. Juli 2018

„Maybrit Illner: Grenzwertiger Asyl-Kompromiss – bleiben nur Verlierer?" ZDF, Donnerstag, 5.Juli 2018, 22.15 Uhr.

Der Grüne-Chef Robert Habeck hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag ein alarmierendes Beispiel für schwerwiegende Verhaltensfehler unter Berufspolitikern geliefert.

Nachdem er schon vorher mehrmals ausfallend geworden war, verlor er gegen Ende der Sendung fast völlig die Selbstkontrolle und brüllte in höchster Erregung immer wieder auf die CSU-Staatsministerin Dorothee Bär ein.

Neuer Tiefpunkt um TV-Tribunal gegen die CSU

Die anderen Teilnehmer der Diskussionsrunde schauten dem Ausraster betreten zu. Talkmasterin Maybrit Illner griff nicht ein, sondern ließ das unwürdige Spektakel einfach laufen.

Es war der Tiefpunkt im jüngsten öffentlich-rechtliche Talk-Tribunal gegen Seehofer und die CSU. Immerhin durfte diesmal, anders als bei „Maischberger“ tags zuvor in der ARD, eine Verteidigerin mit im Gerichtssaal sitzen: Dorothee Bär, im Bundeskanzleramt zuständig für die Digitalisierung der Republik. Prompt wurde sie zur Zielscheibe teils hasserfüllter Kritik.

„Typen wie früher Strauß und Wehner“

Zu Beginn erklärte Bär, sie finde es „gut, dass die CSU zu allem gestanden hat, was sie nach der Bundestagswahl versprochen hat“, und nahm ihren Parteichef in Schutz: „Es heißt immer: Wir brauchen wieder Typen wie früher Strauß und Wehner. Aber wenn es dann mal ein bisschen lauter wird, ist jeder gleich erschrocken!“

Damit kam sie aber nicht weit. „Den Herrn Seehofer nimmt keiner mehr ernst“, behauptete Habeck, diesmal ganz businessbürgerlich im weißen Hemd und nahm gleich den nächsten CSU-Mann auf die Hörner: Den Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag.

„Zentrum der Perfidität war immer Dobrindt“, wetterte der Grüne-Chef in plötzlicher Abkehr von der Anti-Seehofer-Agenda. „Dobrindt hat immer eine Brandbombe mehr reingeworfen! Dobrindt hat eine klare rechte Agenda!“

Heuchel-Anfall des Abends

„Frau Bär, es tut mir Leid für Sie, mit aller Sympathie in Ihrer Partei“, fuhr Habeck dann mit Unschuldsmiene fort, doch die vorgebliche Nettigkeit entpuppte sich sogleich als Abschussrampe für eine noch schlimmere Schimpf-Kanonade: „Wir können nicht zulassen, dass Typen wie Dobrindt alternativlos für die deutsche Politik sind!“

Starke Worte von Laschet

„Die Kanzlerin ernennt Minister und entlässt sie“, stellte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet fest. „Die CDU ist heute vielleicht geschlossener als vor vier Wochen! Für uns steht das Europäische nicht zur Disposition!“

Bär ließ sich aber nicht einschüchtern: Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier habe immerhin gesagt, er sei der CSU dankbar, „weil es ohne uns nicht so weit gegangen wäre“.

Frage des Abends

Illner wollte es lieber wieder martialisch: „Fehlten den Putschisten der Rückhalt der eigenen Truppen?“ fragte sie in Richtung der Merkel-Kritiker aus Bayern.

„Vor zwei Wochen hätte die Kanzlerin noch stürzen können“, antwortete flugs die Journalistin Kristina Dunz („Rheinische Post“) und schaltete ebenfalls in den Bashing-Modus: „Sie nehmen nicht Sorgen der Bevölkerung auf, Sie schüren Ängste!“ warf sie der CSU-Frau vor.

Qualifikationsnachweis des Abends

„Das Klima in der Union ist verdorben“, behauptete die Journalistin noch. Bär wunderte sich: „Das Klima ist überhaupt nicht verdorben“, erwiderte sie und unterstrich die Feststellung mit einer nützlichen Sachinformation: „Ich bin an diesem Tisch das einzige Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion!“

Die SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig aus Schwerin wollte Erfolgswasser auf ihre Parteimühle leiten: Die Einigung mit der Union sei gar kein Kompromiss, sondern es handele sich um einen „völlig neuen Vorschlag“, behauptete sie und meinte damit den Fünf-Punkte-Plan der SPD.

Strafantrag des Abends

Habeck gab wieder Gas: „Wir brauchen eine Politik ohne die CSU“, forderte er. „Die CDU muss sich von der CSU trennen!“ Das wäre die Höchststrafe für Seehofer & Co. - und für die Grünen die Chance, wieder in der Regierung mitzumischen. 

Laschet gefiel die Idee allerdings ganz und gar nicht, er runzelt die Brauen wie ein Lehrer bei der Prügelei auf dem Pausenhof. „Asyl gibt es nur für Schutzbedürftige“, betonte er. „Und wenn ein Krieg zu Ende ist, dann muss man auch zurückkehren.“

Das schönste Eigentor

Bär zitierte aus einer Umfrage vom Tage: Etwa zwei Drittel der Deutschen sind für Seehofers Transitzentren. Illner gönnte ihr das aber nicht: „Ich glaube, die haben nicht verstanden, was die bedeuten!“

Denn, so die Talkmasterin: „Wir haben das in der Redaktion ja auch nicht verstanden.“ Echt jetzt?

Geständnis des Abends

„Ich kenne viele, die sagen: Eigentlich hat der Herr Seehofer recht“, gab Laschet zu, schränkte aber gleich ein: „So kann man in der Union nicht miteinander umgehen!“

Auch Schwesig schob Bär den Schwarzen Peter zu: „Ihre fehlende Selbstkritik macht die AfD groß!“

Listigste Empfehlung

Habeck gab Schwesig vergiftete Ratschläge: „Die SPD darf die Grenze der Würdelosigkeit nicht überschreiten“, warnte er, „sonst haben wir keine Sozialdemokratie mehr!“

Zu Bär sagt der Grüne-Chef: „Das muss doch mal reingehen in den Kopf, dass ihr auf dem falschen Trichter seid!“ Vor allem die angeblichen Verbündeten der CSU sind dem Grünen ein Dorn im Auge: „Orban und die ganzen Heinis haben euch doch alle hängen lassen!“

Der Grüne-Chef dreht durch

„Die CSU ist eine absolut proeuropäische Partei“, sagte Bär. „Das haben wir immer bewiesen!“

„Das stimmt nicht!“ widersprach Habeck erregt. „Ihre Leute sprechen von einem Europa der Vaterländer! Das ist rechter Jargon! Das ist nicht europäisch!“

Brüll-Attacke des Jahres

„Es wird nicht besser, wenn Sie es drei Mal wiederholen“, sagte die Staatsministerin. Da war der nette Herr Habeck auf einmal gar nicht mehr souverän. „Sie vergiften den Diskurs!“ donnerte er die Staatsministerin an. „Sie killen fast Europa! Und dann sagen Sie, Sie sind eine europäische Partei!“

„Das sind wir“, beharrte Bär, und jetzt redet Habeck sich endgültig in Rage: „Bleiben Sie doch bei der Wahrheit!“ brüllte er die CSU-Frau an. „Stehen Sie doch dazu! Sagen Sie, Ihr Ministerpräsident ist nicht Ihr Ministerpräsident!“

Die anderen gucken betreten. Bär blieb trotz des Wutanfalls cool: „Ich möchte das gern ohne Schaum vor dem Mund diskutieren!“

Die Talkmasterin war da schon längst untergegangen, von ihr kam nun gar nichts mehr.

 

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