„Rülpsen, Rotzen, Spucken und Furzen“

Montag, 15. Oktober 2012

In „Anna Karenina“ schreibt Tolstoi über Graf Wronskij: „In seinem Petersburger Kreis gab es nur Menschen zweier einander ganz entgegengesetzter Gruppen. Die eine bestand aus hausbackenen, stumpfsinnigen und vor allem lächerlichen Leuten. Sie waren der Ansicht, jeder Mann dürfe nur mit einer Frau, und zwar mit der ihm angetrauten Frau, zusammenleben, jedes Mädchen müsse unschuldig, jede Frau züchtig und jeder Mann tapfer, enthaltsam und charakterfest sein; und sie hielten daran fest, dass man verpflichtet sei, seine Kinder zu erziehen, seinen Unterhalt selbst zu verdienen, seine Schulden zu bezahlen und zu dergleichen Torheiten mehr. Das war die Gruppe der altmodischen und lächerlichen Leute. Aber es gab noch eine andere - die Gruppe, die allein in Betracht kam. Zu ihr zählten er selbst und alle seine Freunde; hier musste man vor allem elegant, großzügig, frech und immer guter Dinge sein, sich, ohne rot zu werden, jeder Leidenschaft hingeben und sich über alles, was es sonst noch gab, lustig machen.“ Nur eine Romanfigur…

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Die Jugend büßt ihre Grausamkeiten im Alter.

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Tschaikowski, 1.Klavierkonzert b-Moll. 3. Allegro con fuoco. Erst perlen Töne wie Tau, dann beginnt eine lustige Schlittenfahrt durch verschneite Birkenwälder. Die Melodie steigt auf und fliegt über die Wipfel, bevor sie sich in Kaskaden wieder auf die Erde niederlässt. Am Schluss vereinen sich Bächlein zu einem mächtigen Strom. Das ist der Mut des wahren Künstlers. Das Hauptthema ist einem ukrainischen Volkslied entnommen. Der große Rubinstein nannte das Konzert schlecht, trivial, vulgär, wertlos und „völlig unspielbar“. Er verlangte eine Umarbeitung, aber Tschaikowski weigerte sich. Heute verzichtet kein Virtuose auf das grandiose Konzert. Swjatoslaw Richter spielte es mit Herbert von Karajan, Horowitz sogar mit drei Dirigenten: George Szell, Arturo Toscanini und Bruno Walter.

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Vor Neuschwanstein stauen sich die Touristen auch um diese Jahrestag jeden Tag. Zwei Gruppen stechen besonders ins Auge: Japaner und Chinesen. Die Sympathien der Einheimischen sind ungleich verteilt: Japaner gelten als wohlerzogen, höflich und rücksichtsvoll, von den Chinesen wird anderes behauptet. Eine Verkäuferin in einem Souvenirshop ungewöhnlich deutlich: „Andauernd dieses Rülpsen, Rotzen, Spucken und Furzen. Wenn Chinesen in den Laden kommen, suchen die Japaner sofort das Weite. Neulich hat ein Chinese direkt neben mir einen Koffer abgestellt (umgangssprachlich für ‚flatulieren‘), das hat so gestunken, dass ich gedacht habe, er hat in die Hosen geschissen. Es klang auch so.“ Der Erbauer der berühmten Immobilie pflegte täglich zu baden, doch die märchenkönigliche  Nasszelle bleibt den Besuchern verborgen – auch in hygienischer Hinsicht sehr schade.

   

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