Blut – da ist Leben drin!

Samstag, 4. August 2012

Ein Mix aus ein paar Litern Plasma mit Milliarden kleiner Körperchen ist das entscheidende Elixier unserer Existenz. Im Labor wird der ganz besondere Saft zum Verräter.

 

Es ist Hirnschmalz und Herzensangelegenheit. Es geht durch den Magen und uns an die Nieren, dringt durch Mark und Bein. Es nährt und klärt, heizt und heilt, kühlt und schützt. Es ist rotes Gold, flüssiges Organ, Urstoff des Lebens. Es ist Lieferservice, Hausarzt, Polizei und Müllabfuhr. Es ver- und entsorgt, lässt uns denken, treibt den Muskelmotor an, schließt Wunden und bringt Eindringlinge um. Der Mythos kennt es als Quelle magischer Kräfte, die Dichtung nennt es den ganz besonderen Saft, die Wissenschaft spürt seinen tiefsten Geheimnissen nach.

Die viereinhalb bis sechs Liter Blut, die durch die Adern des Erwachsenen pulsieren, sind eine eigene Welt, ein Kosmos der Körperchemie, eine biologische Endlosschleife, die als dicker Strang wunderbar aufeinander abgestimmter Bestandteile durch unseren Körper strömt. Fachleute kennen Hunderte der verschiedensten Teilchen mit Namen, die sich außer ihnen keiner merken kann. Wir anderen wissen wenig über unser Blut, aber das Blut weiß alles über uns: Wo stecken Krankheitskeime? Wo machen Muskeln schlapp? Welches Organ braucht wann wie viel Sauerstoff?

Der Mix aus Plasma und Milliarden Blutkörperchen ist eine große Petze, die im Labor alles über uns ausplaudert: Eine Spritze, ein kurzer Pieks, und wir sind für den Arzt ein offenes Buch. Rauchen wir? Dann findet sich viel Fibrinogen, ein Stoff, der das Blut klumpiger macht. Zu fette Burger? Triglyceride und Cholesterin schwärzen uns an. Einseitiger Veganer? Dann fehlen Vitamine und Mineralstoffe, der Zinkspiegel sinkt. Haben wir einen über den Durst getrunken? Auch wenn die Promille längst wieder auf null sind: Das Alkohol-Abbauprodukt Ethylglucuronid weist die Sünde noch tagelang nach.

Haben wir gar ein Alkoholproblem? Dann zeigt das Mikroskop Enzyme aus Leberzellen, und die roten Blutkörperchen sind extrem klein. Was eingeworfen in letzter Zeit? Ecstasy lässt sich im Blut 24 Stunden, Kokain zwei Tage, Haschisch drei Tage lang nachweisen. Safer Sex? Falls nicht, droht HIV. Die alarmierenden Antikörper zeigen sich erst drei Monate nach der Ansteckung im Blut, der neue PCR-Test aber entlarvt den Virus schon nach ein paar Tagen.  

Sitzen wir gesundheitlich auf dem Pulverfass? Blut ortet den Krebs, lange bevor sich die ersten Symptome wie Abgeschlagenheit oder Fieber zeigen. Das Alpha-Fetoprotein etwa lässt auf Leber-, Lungen-, Magen oder Darmtumore schließen, das Beta-HCG auf Eierstock- und Hoden-Krebs.

Kämpfen wir gegen uns selbst? Das Blut schlägt auch bei Autoimmun-Erkrankungen Alarm. Antikörper warnen vor Darmentzündungen oder Rheuma. Zu wenig geschlafen, zu viel Stress oder doch zu wenig Jod? Unser Blut verrät, ob die Schilddrüse noch funktioniert. Schieben wir grundlos den Blues? Was wie eine Depression aussieht, ist oft nur Vitaminmangel oder ein Ungleichgewicht im Blutbild. Sind wir in unserem Körper nicht mehr allein? Das hCG-Hormon verkündet Schwangerschaft eine Woche eher als der Streifentest. 

Unfall? Das Blut eilt und heilt, schwemmt Fremdkörper fort und gerinnt zum schützenden Panzer. Ist es draußen zu warm oder zu kalt? Das Blut hält unseren Körper konstant auf optimale 36,5 Grad. Bakterien, Viren? Das Blut macht uns mit Fieber heiß, bis die Angreifer kaltgemacht sind.  

Sogar die Partnerwahl lässt sich per Blut perfektionieren. Japanische Forscher wollen herausgefunden haben: Menschen mit Blutgruppe A sind empfindsame, etwas ängstliche Perfektionisten, Typ B tendiert zur exzentrischen und egoistischen Frohnatur. AB-Träger sind geheimnisvoll und unberechenbar, und Blut der Gruppe 0 macht Menschen neugierig, großzügig, aber auch stur. Seitdem ist die erste Frage beim Flirt im Land der aufgehenden Sonne: Welche Blutgruppe bist du?

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