„Das Teufelspack – es fragt nach keiner Regel!“

Samstag, 4. August 2012
„Schwalbenflugverbot“: Bayern-Star Arjen Robben am 11.April im Spiel gegen Dortmund. © imago/MIS

Bei Olympia ist noch kein rechter Reformeifer erkennbar, denn dafür fehlt es wohl (noch) an Fehlentscheidungen. Anders im Fußball. Da passieren Sachen, dass sich Fachleute die Haare raufen. Jetzt soll immerhin Technik dafür sorgen, dass Tore wirklich welche sind bzw. auch nur dann. Lang genug hat es gedauert. Aber wird es wirklich was bringen?

 

Regeländerungen sind kein Allheilmittel. Schon vor 200 Jahren poltert der Publizist und Patriot Justus Möser, „dass zu viele Regeln gemacht und zu wenige befolgt werden.“ Vor gut 100 Jahren warnt Preußen-Dichter Theodor Fontane: „In welche Wirrnis geraten wir, wenn wir die Straße des Hergebrachten verlassen und abweichen von Regel und Gesetz?“ Und vor zehn Jahren schimpft der einst berüchtigte Buden-Zauberer und spätere Glücklos-Coach Marco van Basten: „Nie zuvor hat der Fußball so unter seinen Regeln gelitten!“ Experten ist dazu inzwischen einiges eingefallen, z.B. Netto-Spielzeit von 70 Minuten mit Uhrenstopp bei jeder Unterbrechung statt wie bisher eineinhalb Stunden mit pausenlos Pausen, Zeitschinderei und Fünf-Minuten-Zuschlägen nach Schiri-Ermessen. Außerdem Video-Revision bei falschen Pfiffen, Treter nach fünf Fouls vom Platz usw. Aber reicht das? Vermutlich nicht – viel dringender sind schon für die neue Bundesliga-Saison folgende Änderungen:

 

§ 1 „Schwalbenflugverbot“. Wer im Strafraum über die eigenen Quanten stolpert oder auf andere Weise ohne erkennbare Feindberührung abhebt, läuft zur Übung des Gleichgewichts für den Rest der Spielzeit auf Stelzen; fällt er dann noch mal um: Rot! 

 

§ 2 Stoff-Strafe. Wer dem Gegner chronisch an die Textilien geht, kriegt eine Zwangsjacke verpasst. Das gleiche gilt bei absichtlichem Handspiel. Achtung: Solche Spieler fallen für Einwürfe dann weitgehend aus!

 

§ 3 „Anti-Beton-Paragraph“. Stellen sich Auswärtsteams mit elf Mann gnadenlos hinten rein, gilt die Traditionsregel „Drei Ecken - ein Elfmeter“. Im Wiederholungsfall wird bei der Ausführung der Keeper rausgenommen und der Präsident ins Tor gestellt.

 

§ 4 Mecker-Regel. Zweifeln Spieler eine Schiri-Entscheidung verbal oder mit abfälligen Gesten an, werden sie für zehn Minuten zur Intensivbelehrung in den gegnerischen Fanblock überstellt.

 

§ 5 Tomaten-Verordnung. Trifft ein Schiedsrichter eine eklatante Fehlentscheidung, wird er umgehend ausgewechselt. Den Rest der Spielzeit pfeift dann der Schatzmeister des benachteiligten Vereins.

 

§ 6 „Distanz-Gebot“. Wirft sich ein Spieler bei einem Freistoß hindernd in den Schuss, ohne zuvor den Abstand von neun Metern eingehalten zu haben, wird die Aktion wiederholt – doch statt des Balles kommt ein Katzenklo geflogen!

 

§ 7 „Beleidigungsordnung“: Wer Gegenspieler oder Schiedsrichter beschimpft, muss dieselben Ausdrücke nach dem Spiel vor Zeugen wortgleich gegenüber seiner Ehefrau verwenden – und im Wiederholungsfall gegenüber der Schwiegermutter!

 

§ 8 Anti-Langeweile-Paragraph. Steht es zur Halbzeit 0:0, wird ohne Torhüter weitergespielt. Abseits entfällt, bei Rückpass in die eigene Hälfte gibt es Elfmeter.

 

§ 9 Härtefall-Regelung. Spielen beide Mannschaften zu lau und zweikampfschwach, können sich die Trainer auf eine Regel-Auszeit („Outlaw-Time“) von zehn Minuten verständigen. Für diese Zeit werden dem Schiedsrichter die Augen verbunden, und er pfeift nur noch nach Gehör.

 

§ 10 „Overtime“. Steht es nach 90 Minuten torlos, werden die Kicker vom Platz geholt. Statt ihrer spielen Vereinssprecher, Konditionstrainer, Sekretärinnen, Masseure, Platz- und Zeugwarte, Busfahrer und Maskottchen weiter.

 

§ 11 „Notverordnung“: Hilft das alles nichts, darf künftig jeder Club nach seinen eigenen Gesetzen spielen, auch in anderen Sportarten – die Verbände bestimmen dann nur noch das möglichst spannende Spielgerät, z.B. Tischtennis mit Medizinbällen, Stabhochsprung am Hockeyschläger oder Rhönräder mit Ferrari-Motor. Dem Publikum dürfte wohl auch das willkommen sein – schon der große Goethe grantelte (im „Faust“): „Das Teufelspack, es fragt nach keiner Regel!“

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