Wer sich am Martinstag einen Rausch antrinkt…

Donnerstag, 8. November 2012

Millionen Kinder ziehen heute mit Laternen durch die Straßen, viele Familien essen den ersten Gänsebraten des Jahres: Es ist Martinstag. An ihm gedenkt die Kirche eines ungewöhnlichen Heiligen: Sohn eines römischen Tribuns (Oberst) aus Pavia (Norditalien), geboren 316 in Steinamanger (Provinzhauptstadt von Pannonien, heute Ungarn). Schon mit 15 Jahren Reiter in der kaiserlichen Garde. Vor dem Stadttor von Amiens (Frankreich) sieht Martin einen frierenden Bettler, teilt mit dem Schwert seinen Soldatenmantel.

Mit 18 lässt er sich taufen. Er quittiert den Dienst, wird Schüler des hl. Hilarius, dann Missionar auf dem Balkan, Einsiedler auf einer Insel bei Genua und Mönch in Frankreich. Als ihn die Christen von Tours zum Bischof wählen wollen, versteckt er sich im Stall, doch schnatternde Gänse verraten ihn. Er gründet Klöster, heilt in Paris Leprakranke, stirbt  mit 81 Jahren und ist der erste Heilige, dem die Kirche öffentliche Verehrung erweist, nur 70 Jahre nach seinem Tod.

 Aus dem wundersamen Leben wachsen fromme Legenden. Fränkische Könige wappnen sich mit seinem Mantel in der Schlacht, Karl der Große trägt Martins Kappe. Im Mittelalter kommen Martinsfeuer, Martinsspiele, Martinsritte und Laternenumzüge mit Lichtern in Kürbissen dazu.

 Mit dem Martinstag beginnen damals die 40-tägige Fastenzeit vor Weihnachten und das bäuerliche Wirtschaftsjahr. Das Vieh, das nicht durch den Winter gefüttert werden soll, wird geschlachtet. Bauern zahlen ihre Pacht mit Gänsen. Mägde und Knechte dürfen den Dienst wechseln und erhalten zum Abschied ebenfalls einen der gemästeten Vögel.

 Wetterregeln prophezeien: Ist es an Martini nass, wird der Winter wechselhaft; scheint die Sonne, fällt viel Schnee.

Abergläubisches kommt hinzu: Wer in der Martinsnacht träumt, wird glücklich. Wer sich am Martinstag einen Rausch antrinkt, bleibt das ganze Jahr von Kopfweh und Magenschmerzen verschont, und wer Rüben isst, pinkelt ins Bett. 

 Dem Heiligen der Gänse sind besonders viele Kirchen geweiht, auch St.Martin in München-Moosach – dort trat Papst Benedikt XVI. 1951 seine erste Priesterstelle an.

 

 

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