„Was stehst du da, blutige Bestie?“

Donnerstag, 8. November 2012

Das Wort zum Freitag

Am Samstag feiert die katholische Christenheit den Gedenktag Leo des Großen, der im Jahr 452 den Hunnenkönig Attila in Mantua zur Umkehr und drei Jahre später den Vandalenkönig Geiserich zur Schonung Roms vor Mord und Brand bewegte: „Wäre nicht Christus in diese unsere Niedrigkeit herabgestiegen, so möchte niemand durch irgendwelche eigenen Verdienste zu ihm gelangen.“ So sprach dieser zweifache Retter Roms!

*

In einer Predigt vergleicht ein Pfarrer die Novembernebel mit unserer irdischen Unwissenheit: Wenn eine Welt auf einem fernen Planeten beständig im Nebel läge, wüssten die Bewohner nicht, wie die Sonne, Mond, Sterne oder auch nur der Gipfel eines Berges aussähen; wenn sie dann jemand besuchte und ihnen davon erzählte, würde es ihnen vermutlich schwerfallen, daran zu glauben, dass es so etwas tatsächlich gibt. So geht es auch uns.“ 1 Korinther 13, 12: "Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht" - nach dem Tod verfliegen die Nebel, und die Sicht wird klar.  1 Johannes 34,2. "Wir werden ihn sehen, wie er ist."

*

Missa solemnis: Das Schicksal des Menschen in Gottes Hand. Wer schreiben könnte, was diese Musik empfinden lässt! "Von Herzen - möge es wieder von Herzen gehen", hoffte Beethoven auf die Partitur. Schon das Eleison zeigt die Heilsgeschichte als das, ws sie in Wahrheit ist: das größte Heldenepos aller Zeiten. Dann Gloria, Credo, Sanctus und, als Höhepunkt, das Orchesterzwischenspiel, von dem gesagt wird, der Komponist habe damit die Wandlung darstellen wollen. Schließlich das Bußgebet des Agnus Dei: "...qui tollis peccata mundi" - es lenkt den Sinn in jene Tiefen des Gefühls, die allein der Glaube erreicht.

*

In einem Buch mit Gesprächen langzeitabstinenter Suchtkranker wird als "Gelassenheitsspruch" ein dem württembergischen Theologen Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782) zugeschriebener Satz zitiert: "Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden." In Oetingers theosophischem System stellt der Geist und Leib umfassende Begriff des "Lebens" die Gott und Welt verbindende Grundidee dar. Das pietistische Denken täte der Welt auch heute gut, ist allerdings durch das moderne Sektentum vielfach diskreditiert.

*

Zum Martinstag aus einem Brief des Sulpicius Severus (um 360-420), des Biographen des Heiligen: "Die Priester, die damals bei ihm zusammengekommen waren, wollten ihn anders betten, um so seinem Leib etwas Erleichterung zu verschaffen. Aber er sagte: 'Lasst mich, Brüder, lasst mich doch lieber den Himmel anschauen als die Erde, damit mein Geist, der nun seinen Weg gehen soll, die Richtung zum Herrn findet!' Als er das gesagt hatte, sah er den Teufel in der Nähe stehen. Da sprach er: 'Was stehst du da, blutige Bestie? Du Finsterer, an mir wirst du nichts finden; mich nimmt der Schoß Abrahams auf.' Mit diesen Worten gab er seinen Geist dem Himmel zurück."

*

Zum Gedenktag des hl. Josaphat am Montag, 12.November: Josaphat Kunzewitsch (1580-1623) wird "Seelenräuber" genannt, weil er für die Einheit der orthodoxen und der römischen Kirche kämpft und viele Gläubige zum katholischen Glauben führt. Der einstige Kaufmannsgehilfe wird Mönch, 1614 Archimandrit in Wilna und dann Erzbischof von Polotsk. Bei einer Visitation in Wilna wird er mit einem Beil erschlagen. Seinen Namen trägt er nach dem vierten König der Juden, nach dem auch das Tal heißt, in dem das Jüngste Gericht stattfinden soll, die Bilanz der guten und bösen Werke nach göttlichem Gesetz. Dass Gott dem auf sein Ebenbild hin geschaffenen Menschen die Freiheit der Wahl zwischen Gut und Böse schenkt und abverlangt, wird oft nur als Begründung dafür angeführt, dass Menschen Böses tun können; es ist aber ebenso der Grund dafür, dass Menschen Gutes tun können. Tiere besitzen diese Möglichkeit nicht. Die Liebe Gottes zu allen seinen Geschöpfen lässt sogar vermuten, dass er dem Menschen die Wahlfreiheit schenkte, weil er ihn als sein Ebenbild Gutes tun lassen wollte. Obwohl es oft den Anschein hat, dass zu allen Zeiten mehr Untaten und Verbrechen als gute Werke geschehen, ist doch die übergroße Mehrzahl der Menschen im Grunde des Herzens gut.

*

Der berühmte Kirchenlehrer und Bischof von Mailand Ambrosius: "Denn was ist der Tod anderes als das Begräbnis des Bösen und die Auferweckung der Tugenden?"

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt