„Staunenerregendes Wissen auf allen Gebieten“

Montag, 12. November 2012

Das Wort vom Sonntag

Am Donnerstag feiert die katholische Christenheit das Gedenken des hl. Albertus Magnus, der am 16.November 1280 in Köln starb. Seine Gebeine ruhen dort in der Andreaskirche, die Hirnschale wird in der Stadtpfarrkirche zu Lauingen an der Donau aufbewahrt. Albert wird wohl 1193 als Sohn eines Ritters von Bollstadt geboren, das ungefähr zwanzig Kilometer nördlich des Stromes im bayerischen Teil der Schwäbischen Alb liegt. Aus dieser bäuerlichen Gegend bricht ein junger Geist auf, sich zu einem großen zu formen. 1223 wird Albert in Padua Dominikaner, bald danach kommt er nach Köln, lehrt seit 1228 an den Ordensschulen zu Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg und Straßburg, wird etwa 1242/43 nach Paris geschickt und dort spätestens 1247 Magister der Theologie. 1248-54 lehrt er in Köln, wo Thomas von Aquin sein berühmtester Schüler wird. Weitere Stationen: 1260 Bischof in Regensburg, 1263/64 päpstlicher Kreuzzugsprediger in Deutschland und Böhmen, 1274 führender Theologe des 2.Konzils von Lyon. Das "Lexikon der Namen und Heiligen" von Wimmer/Melzer schreibt: "Als Reformator der Wissenschaft seiner Zeit besaß er ein staunenerregendes Wissen auf allen Gebieten der Theologie, Philosophie, Naturwissenschaften, der Botanik, Zoologie. Er integrierte in das abendländische Denken das seit dem 12.Jh. neuerschlossene aristotelische, arabische und jüdische Gedankengut. Mit dieser umfassenden Kenntnis verband er ein klares kritisches Urteil und eine eigene systematische Beobachtung, was ihn weit über einen bloßen Enzyklopädisten hinaushebt." Der "Doctor universalis" übt auch "einen starken Einfluss aus auf die spekulative Mystik etwa eines Meister Ekkehard oder eines Nikolaus von Kues." Legenden, die sich bis in die moderne Esoterik des New Age erhielten, schreiben ihm sogar die Erschaffung eines künstlichen Menschen zu, den er jedoch auf Bitten seines Schülers Thomas von Aquin wieder zerstört habe. Joachim Fernau in "Die Genies der Deutschen": "Die Menschen des 13. Jahrhunderts konnten ihre Seele vom Verstand 'loslassen'. Das war eine Gefahr, aber auch eine Kraft, von deren Größe wir uns keine Vorstellung machen. Wir, heute, haben diese Fähigkeit verloren." Aktueller denn je scheinen uns heute zwei seiner Grundeinsichten: Das Wissen um die Grenzen des Menschen, um sein Eingebundensein in die ganze Schöpfung, und das Verantwortungsbewusstsein für die Welt und ihre Kreaturen. Sein schönstes Zitat: "Wer sich mit göttlichen Dingen beschäftigt, wird nach ihrem Bild umgestaltet."

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Im Sonntagsevangelium erzählt Markus (12,38-44) von der armen Frau, die von Jesus dabei beobachtet wird, wie sie zwei kleine Münzen in den Opferkasten wirft: „Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle anderen. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, ihren ganzen Lebensunterhalt.“ Heute: Kopfschütteln. Früher: Bewunderung. Der Theologe Eugen Biser in „Magnificat“ über die Einschätzung der Witwenspende in kirchlicher Frühzeit: „In dem christologischen Zyklus, der sich aus der Zeit Theoderichs des Großen in dessen Palastkirche in Ravenna erhalten hat, steht sie groß, fast wie eine Königin neben dem Opferkasten, in den sie ihre bescheidene Gabe hineinlegt. Das kann nur damit zusammenhängen, dass man sich damals, wohl angesichts der weithin herrschenden Armut, von dieser Szene ganz anders angesprochen fühlte als wir Heutigen.“

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Gertrud von le Fort: „Herr, es liegt ein Traum von dir in meiner Seele, aber ich kann nicht zu dir kommen.“

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Dostojewski, "Die Brüder Karamasoff": "Nicht Wunder führen den Realisten zum Glauben. Wenn der echte Realist ungläubig ist, wird er immer die Kraft und die Fähigkeit in sich finden, an Wunder nicht zu glauben; wenn aber das Wunder vor ihm zur unabweisbaren Tatsache wird, so wird er eher seinen Sinnen nicht trauen, als dass er die Tatsache zugäbe." - "Der Sozialismus ist nicht nur eine Arbeiterfrage, sondern hauptsächlich eine atheistische Frage, die Frage der gegenwärtigen Inkarnation des Atheismus, die Frage des babylonischen Turmes, der ausdrücklich ohne Gott gebaut wird, nicht zur Erreichung des Himmels von der Erde aus, sondern zur Niederführung des Himmels auf die Erde." - "Iwan Fjodorowitsch fügte bei der Gelegenheit noch en paranthèse hinzu, dass gerade darin das ganze Naturgesetz bestünde, sodass, wenn man im Menschen den Glauben an seine Unsterblichkeit vernichtete, in ihm nicht nur die Liebe, sondern überhaupt jede lebendige Kraft zur Fortsetzung des irdischen Lebens versiegen würde. Und nicht nur das: es würde dann auch kein Schamgefühl mehr geben, sagte er, alles würde dann erlaubt sein, sogar die Menschenfresserei." Der Staretz sagt: "Denn zum Glück sind die Menschen geschaffen, und wer vollkommen glücklich ist, der ist gewürdigt, sich selbst sagen zu dürfen: 'Ich habe das Gebot Gottes auf dieser Erde erfüllt.' Alle Gerechten, alle Heiligen, alle heiligen Märtyrer sind glücklich gewesen." Und: "Bemühen Sie sich, Ihre Nächsten tätig und unermüdlich zu lieben. In dem Maße, wie Sie in der Liebe fortschreiten, werden Sie sich auch vom Dasein Gottes und von der Unsterblichkeit Ihrer Seele überzeugen. Wenn Sie aber in der Liebe zum Nächsten bis zur vollen Selbstverleugnung gekommen sind, dann werden Sie auch den vollen Glauben errungen haben, und dann wird sich kein Zweifel mehr in Ihre Seele einschleichen können. Das ist eine alterprobte Wahrheit."

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Berlioz, Te Deum op.22: Gewaltiges Gotteslob im Zusammenklang der vielen Stimmen, die in Geist, Herz und Seele tönen. Der Choral der guten Kräfte huldigt dem Herrn aller Güte, aller Macht.

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Hebbel: „Die Seelenwanderung – ein Dieb könnte ehemals Herr der Sachen gewesen sein, die er jetzt stiehlt.“

 

 

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