Die sehr enge Tür der Tugend

Donnerstag, 15. November 2012

Das Wort zum Freitag

Morgen feiert die katholische Christenheit das Andenken der hl. Margareta von Schottland (um 1046-1093). Ihr Vater König Eduard Atheling von England wird von dänischen Eroberern 1016 aus seiner Heimat vertrieben und lebt in der Verbannung erst in Kiew und dann in Ungarn. Dort heiratet er die Prinzessin Agathe, deren Schwester mit König Stephan verheiratet ist. 1056 wird er nach England zurückgerufen, und König Edward der Bekenner setzt ihn zu seinem Erben ein. Als er eines frühen Todes stirbt, ist Margareta elf Jahre alt. Nach der Schlacht von Hastings 1066 flieht sie mit ihrer Familie vor den Normannen. Auf der Fahrt nach Ungarn wird ihr Schiff an die Küste Schottlands verschlagen. König Malcolm III. nimmt die Flüchtlinge auf. Die große Frömmigkeit der jungen Frau gewinnt sein Herz, und um 1070 heiratet er sie. Erna und Hans Melchers in „Das große Buch der Heiligen“: Ihr gottgefälliges Leben aber wirkte nicht nur auf den König, sondern auch auf sein Volk wie eine lebendig gelebte Predigt.“ Mit seiner Hilfe reformiert Margareta das kirchliche Leben, fördert Kultur und Erziehung, gründet die berühmte Abtei Dumferline, widmet sich den Armen und zeigt großen Buß- und Gebetseifer. Die alten keltischen Bräuche schwinden. Höflinge, die keinen einwandfreien Ruf besitzen, werden entlassen. Melchers: „Die Schotten waren zu dieser Zeit ein rohes und ungebildetes Volk, weshalb sie mehrere Schulen errichtete.“ Vor jeder Mahlzeit erhalten erst die Armen einen Anteil, die Königin bedient die Frauen, der König die Männer. Die Königin schenkt ihrem Mann sechs Söhne und zwei Töchter. Das Ende ist traurig: Margareta erkrankt an einem schmerzhaften Leiden. Der verzweifelte König stürzt sich gegen ihren Wunsch in einen Kriegszug und fällt zusammen mit einem der Söhne. Sterbend erhält Margareta die Todesbotschaft. Ihre letzten Worte: „Herr Jesus, der du durch deinen Tod der Welt das Leben gegeben hast, befreie mich von allem Übel.“

*

Kann der Glaube die Zweifel nicht überwinden, muss es die Liebe tun.

*

Zum heutigen Gedenktag des hl. Albertus Magnus (um 1200-1280) seine Auslegung zum Evangelium Lukas 13,22-30 mit dem Jesuswort „Ringt danach, durch die enge Pforte einzugehen; denn viele, sage ich euch, werden einzugehen suchen und werden es nicht vermögen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein.“ Der große Theologe schreibt:

„Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen: Es handelt sich um die Tür der Kirche, um die Tür der Gnade und um die Tür der Herrlichkeit.

Durch die Tür der Kirche tritt man in die Kirche ein. Es ist eine doppelte Tür, nämlich Christus, aus dem die Sakramente der Kirche hervorgeflossen sind, und die Sakramente selbst, durch die man in die Kirche eingeführt wird.

Über die Tür, die Christus ist, sagt Johannes: Ich bin die Tür; wer durch mich hindurchgeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden (Joh.10,9). In diesem Sinn ist die Tür die Öffnung der Seite, aus der das hervorfließt, woraus die Sakramente der Kirche ihre Kraft ziehen.

Und jene Tür ist deshalb eng, weil wir sehen, dass Christus am Kreuz ganz und gar arm und völlig erniedrigt war und bitterste Qualen litt: Und doch steht nur durch das Kreuz die Tür zur Kirche offen. Das Kreuz ist also die Tür, um von Christus her in die Kirche zu treten…

Von Seiten der Kirche besteht die Tür in der Öffnung, die die Sakramente sind. Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken (Ps 118,19), denn die Türen zur Gerechtigkeit sind die Sakramente, die zur Rechtfertigung führen. Und wer die Sakramente so empfängt, tritt durch die Türen in die Kirche ein. Diese Tür ist ebenfalls eng. Denn wenn auch in den Sakramenten aus Gnade die Vergebung der Sünden gewährt wird, so gehört es sich dennoch, dass man sich vorbereitet, um nicht heuchlerisch zum Empfang der Sakramente zu kommen.

Es gibt aber auch die Tür zum Weg der Gnade. Diese Tür ist die sehr enge Tür der Tugend, weil es nach dem Wort Ciceros jeder Tugend um etwas Schwieriges und Gutes geht. Aber dennoch hat diese Tür die Eigenschaft, dass sie sich durch Gewohnheit und Freude immer mehr weitet, je mehr ein Mensch in ihr wandelt.

Schließlich gibt es die Tür zur himmlischen Herrlichkeit. Sie ist die beschwerlichste, weil ihre Enge in der Beharrlichkeit besteht. Sie ist die Pforte, deren Schlüssel der Herr Petrus, dem Felsen, anvertraut hat, gegen den die Pforten der Unterwelt nichts vermögen. 

Durch all diese Pforten muss man sich mühen einzutreten.“

*

Adolf Sommerauer: "Ein Glaube, der nicht täglich das Leben prägt, wird hilflos sein, wenn es um Entscheidendes geht."

*

Ein wild gewordener Islamist fordert den Abriss der Pyramiden. Das ist noch nicht mal dem fanatischsten Kalifen der Kreuzzugszeit eigefallen. Indes kennt auch die Geschichte des Christentums Beispiele barbarischer Bilderstürmerei. Nach der Sprengung der Buddha-Figuren in Afghanistan herrschte weltweit Empörung. Im Vergleich eher lau wirkt die öffentliche Erregung, wenn in unseren Städten Kirchen verfallen, sakrale Gebäude beschmiert werden oder Heiligenfiguren im Smog zerbröseln.

*

Am Samstag ist der Gedenktag der hl. Gertrud von Helfta (1256-1302), einer der größten deutschen Mystikerinnen. Mit fünf Jahren kommt sie in das Kloster Helfta bei Eisleben. Ihre erste Vision Christi hat sie mit 25 Jahren; seither lebte die "Patronin der Innerlichkeit" bis zu ihrem Tod in inniger Verbundenheit mit Christus; für sie war "die dichte Wand, die dem Christen dieser Welt die allzeit gegenwärtige Herrlichkeit Gottes noch verbirgt, schon durchsichtig geworden."

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt