Milch, Honig und Blut

Samstag, 17. November 2012

Die Hamas-Raketen auf Tel Aviv erneuern eine Bedrohung, unter der Israel seit seiner Staatsgründung leidet – jetzt schon 64 Jahre lang.

„Im Lande Israel entstand das jüdische Volk“, sagt Israels Staatgründer David Ben Gurion in der Unabhängigkeitserklärung am 14.Mai 1948 in Tel Aviv unter einem Bild des große Zionisten Theodor Herzl. „Hier prägte sich sein geistiges, religiöses und politisches Wesen. Hier schuf es eine nationale und universelle Kultur und schenkte der Welt das Ewige Buch der Bücher…“

Der historische Augenblick vereint die beiden wichtigsten Männer und die beiden entscheidenden Motive: Israel ist eine Schöpfung aus Politik und Religion, aus der Sehnsucht nach der einen Heimat und dem Glauben an den einen Gott.

Herzls Buch „Der Judenstaat“ ist damals schon über ein halbes Jahrhundert alt, doch das Verlangen nach einer Heimat in und um Jerusalem wurzelt viel tiefer in die Vergangenheit: Schon seit vier Jahrtausenden lebt im Volk der Tora der unerschütterliche Glaube, ihm seien die fruchtbaren Täler und Ebenen am östlichen Mittelmeer für immer zugesprochen.

Aus dieser Verheißung, laut Tora und Bibel heiliges Gotteswort, speisen sich bis heute Anspruch und Recht der Juden auf Jerusalem und Juda, auf die heilige Stadt und das Heilige Land. Immer wieder erneuert der Gott der Juden und später auch der Christen sein Versprechen, immer wieder rettet er sein kleines Volk aus der Hand stärkerer Nachbarn „wie ein Adler, der sein Junges ergreift und flügelschlagend davonträgt“.

Immer wieder aber auch wendet er sich im Zorn über Untreue und heidnische Vielgötterei von seinem Volk ab und überlässt es der Willkür seiner Feinde. Aus der historischen Erfahrung unablässiger Kriege mit praktisch allen Nachbarn ringsum entsteht der wohl tiefste, stärkste, strengste und opferwilligste Glaube, der je Menschen beseelte.

Am Anfang steht ein Bund mit dem Schöpfer: „Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom, den Eufrat“, sagt der Gott im Bibel-Buch „Genesis“ zu Abraham, dessen Zeit historisch wohl der Epoche des frühen 2.Jahrtausends v. Chr. entspricht. Diese Ankündigung schließt große Teile Syriens ein, doch gilt der Patriarch als Urvater auch der Araber, die daraus ebenfalls Rechte ableiten. 

Im Buch „Exodus“ rettet Gott die Israeliten unter Moses aus Ägypten ins „Gelobte Land“, in dem „Milch und Honig“ fließen, aber auch kriegerische Völker leben. Um das Jahr 1000 erobert David Jerusalem, doch spätere Könige verlieren das Erbe an die Großmächte des Orients, Assyrien und Babylon.

Im Buch „Esra“ erlaubt der Perserkönig Kyros den Verbannten die Heimkehr aus dem babylonischen Exil. Damit reift, um 538 v.Chr., die rettende Religion endgültig zum Kern, Hort und Quell jüdischer Identität: Israel wird ein Gottesstaat, den Priester regieren und Krieger im Namen des Höchsten verteidigen.

Als die haushoch überlegenen römischen Legionen das Land besetzen und die Juden nach vielen Aufständen im Jahr 70 endgültig vertreiben, verlieren die Juden das Land, nicht aber den Glauben. Schon bald wandern die ersten wieder nach Palästina ein, doch die Eroberung durch den Islam macht sie zu Bürgern zweiter Klasse.

1897 fordert Theodor Herzl auf dem ersten Zionistischen Weltkongress in Basel das „Recht des jüdischen Volkes auf nationale Erneuerung in seinem Lande“ und gibt der Rückkehr ins Gelobte Land den entscheidenden Impuls. Nach der entsetzlichen Katastrophe des Holocaust lassen viele europäische Juden die alte Heimat zurück, um eine neue zu bauen. Doch wieder weckt das Verlangen nach einem eigenen Staat die unversöhnliche Feindschaft mächtiger Nachbarn. In drei Kriegen 1948, 1967 und 1973 erkämpft Israels Armee Gebiete und Waffenstillstände, aber keine Versöhnung.

„Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und zu guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem souveränen jüdischen Volk in seiner Heimat auf“, hat Ben Gurion vor sechzig Jahren gesagt, und: „Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“ Doch die Antwort sind Schüsse und Raketen – bis heute.

 

 

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