Nach den Doktor- nun auch Predigtplagiate?

Montag, 19. November 2012

Das Wort vom Sonntag

Heute feiert die katholische Christenheit das Gedächtnis der hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231). In Erinnerung an sie singen Gläubige das schöne Lied „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“. Es entsteht 1981 in der DDR. Elisabeth ist das Idealbild einer Nächstenliebe, die sich bis zur Selbstaufopferung verzehrt. Ihr Gedenktag zählt zu den wichtigsten Vorboten der Adventszeit: Weihnachten ist auch ein Fest der Mildtätigkeit. Die ungarische Königstochter ist schon als Vierjährige mit dem elfjährigen Ludwig IV. von Thüringen verlobt. Sie wird auf der Wartburg erzogen, heiratet  mit 14 Jahren, schenkt ihrem Mann drei Kinder. Im Hungerjahr 1226 rettet sie viele Arme vor dem Tod. Nach der Legende gibt sie heimlich mehr, als ihr Mann billigt. Als der Landgraf sie mit einem Korb sieht und zur Rede stellt, sind die Brote in Rosen verwandelt. Ein Jahr später kommt Ludwig auf einem Kreuzzug um. Verwandte plündern die junge Witwe bis aufs Hemd aus. Sie lebt in bitterster Not, bis sich eine Tante erbarmt. Elisabeth tritt in einen Büßerorden ein, gründet in Marburg ein Hospital und sorgt dort in selbstloser Liebe für Kranke, bis sie mit 24 Jahren an Entkräftung stirbt. Ihre Reliquien gelten als wirksame Hilfe in Geburtsnöten: Becher, Gürtel und Löffel reisen oft zu Frauen an Fürstenhöfen, die Nachwuchs erhoffen. Feuer in der Elisabethnacht künden Krieg und Unheil an. Papst Benedikt XVI. sagt über die Heilige: „Sie wusste die Fähigkeiten einer vorbildlichen Ehefrau und Mutter mit der Übung der evangelischen Tugenden zu vereinen. Auch Personen aus der Politik haben sich von ihr inspirieren lassen.“   

*

Im ARD-„Wort zum Sonntag“ sagt Pfarrer Stefan Claß: „Die klassischen Bilder vom Jenseits lassen mich allesamt kalt. Weder höllische noch paradiesische Bilder lösen in mir irgendwelche Empfindungen aus. Was uns nach dem Tod erwartet, können wir uns eh nicht vorstellen. Viel entscheidender finde ich, wer uns erwartet. Die Bibel ist sehr zurückhaltend mit Bildern, aber eines aus dem Lukasevangelium trage ich in mir mit: Es werden kommen von Osten und Westen, von Norden und Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lukas 13, 29) Jesus Christus wird da sein als Gastgeber. Und kein Tod kann uns die Sehnsucht nehmen, mit dabei zu sein. Ich habe von einer alten Dame gelesen, die sich gewünscht hat, mit einem kleinen Dessertlöffel begraben zu werden. Wie bei einem guten Essen, hat sie gesagt, das Beste kommt noch." Römer 12,15: Freuet euch mit den Fröhlichen.“

*

Leben ist Reisen durch die Zeit. Wir starten zu unterschiedlicher Stunde, aber zum selben Ziel. Entscheidend ist allein die Ankunft bei Gott.

*

Bachs h-Moll-Messe in der Aufzeichnung einer Aufführung in der Leipziger Thomaskirche zum 250.Geburtstag des Komponisten. Besonders bewegend: „Kyrie“, "Gloria in excelsis deo", "Laudamus te", "Qui tollis peccata mundi" und Chor Nr.11 "Cum sancto spiritu", "Et incarnatus est" und natürlich das Agnus Dei mit dem machtvollen Finale des "Dona nobis pacem". Aus einem Kommentar: "Die Aufteilung des Messetextes stammt von Bach selbst; sie zeugt von ganz persönlicher, inniger Versenkung in das heilige Wort. Aus ihr erwächst die innere Gewalt und Überzeugungskraft der Chöre. Klage der Menschheit tönt aus dem ersten Kyrie, das wie das Dahinwallen der sündenbeladenen Kreatur anmutet; stille Gefasstheit spricht aus dem zweiten. Überweltlicher Jubel webt im Gloria, im hellen Lobpreis des 'Cum sancto spiritu' und im mächtigen Klanggewoge des 'Sanctus'. Dem Credo-Chor aber hat Bach in tiefsinniger Symbolik das Thema der altkirchlichen Intonation des Glaubensbekenntnisses zugrunde gelegt. 'In dem Et incarnatus schwebt der himmlische Geist suchend über die Welt und sehnt sich nach einem Wesen, in das er eingehen könnte.“ Goethe über das Werk: „Ich sprach mir's aus: als wenn die ewige Harmonie sich mit sich selbst unterhielte, wie sich's in Gottes Busen, kurz vor der Weltschöpfung, möchte zugetragen haben. So bewegte sich's auch in meinem Innern, und es war mir, als wenn ich weder Ohren, am wenigsten Augen und weiter keine übrigen Sinne besäße noch brauchte."

*

Johannes XXIII.: "Es kommt darauf an, sich immer zu bewegen, sich nicht in eingefahrenen Gewohnheiten auszuruhen, vielmehr immer auf der Suche nach neuen Kontakten zu bleiben, immer aufgeschlossen zu sein für die berechtigten Forderungen der Zeit, in der wir zu leben haben, damit Christus auf jede Weise verkündet und erkannt werde."

*

Am Donnerstag ehrt die katholische Christenheit das Andenken der hl. Cäcilia. Nach den Märtyrerakten wird sie im 3.Jh. enthauptet. Sie hat Keuschheit gelobt und am Hochzeitstag auch ihren Verlobten zu dieser besonderen Form frühchristlicher Frömmigkeit bewogen: „Während die Musikinstrumente erklangen, bat Cäcilia den Herrn, er möge ihr Herz und ihren Leib unbefleckt erhalten“, vermerken die Akten. Der Satz macht Cäcilia zur Patronin der Kirchenmusik – eine wundersame Entwicklung, da sie ja von den Reizen der Musik nicht verführen lässt, sondern ihren Sinn auf Höheres richtet. Auch Raffael versteht und malt sie so. Der Musikwissenschaftler Willibald Gurlitt (1889-1963) schreibt über das berühmte Bild: „Indem die Heilige die Orgel senkt, zu den übrigen, am Boden liegenden, verworfenen Instrumenten fallen lässt, anerkennt sie die Ohnmacht aller sinnlich wahrnehmbaren Musik vor jener absoluten Musik, die keines Menschen Ohr je vernommen, die im Musizieren nur Engeln, im Hören nur Heiligen zugänglich ist.“ Wahrscheinlich ist keine Schutzpatronin unschuldiger zu ihrem Amt gekommen.  

*

Immer mehr Geistliche kupfern offenbar unter Zeitdruck ihre Kanzelvorträge aus Online-Predigt-Datenbanken ab. In „Neue Kirchen-Zeitung“ fragt Redakteur Daniel Gerber: „Kommen nach den Doktorarbeiten nun auch die Predigtplagiate?“ Zwar habe es Predigtsammlungen schon immer gegeben, doch sei es noch nie so einfach gewesen, an sie heranzukommen und sie zu kopieren. Gerber sieht eine moralisch-rechtliche Frage berührt: „Sagt der Pfarrer, wenn er eine fremde Predigt vorträgt, dass er diese von einem anderen übernommen hat?“ In Baden-Württemberg etwa habe ein Pfarrer auf seine Homepage zahlreiche Predigten veröffentlicht, die gar nicht von ihm stammten. Sich Anregungen zu holen sei freilich legitim. Der Würzburger Pastoraltheologe Prof. Erich Garhammer sagt dazu: „Vorlagen können einen bei der Vorbereitung auf eine Gedankenreise mitnehmen, bei der man Entdeckungen machen kann.“ Mit Predigtplagiaten habe sich, so Gerber, im Übrigen auch schon Augustinus auseinandergesetzt: „Im 4.Buch seiner „De doctrina christiana“ stellt er klar: Das Wichtigste bei einem Prediger ist, dass sein Leben mit seiner verkündeten Botschaft übereinstimmt. Wenn demnach ein Prediger die Predigt eines anderen übernimmt und danach lebt, sei er glaubwürdiger als ein womöglich rhetorisch Begabter, der zwar eine eigene Predigt verfasst hat, aber sich selbst nicht danach richtet. Ein Plagiator ist also nur der, der seine Botschaft nicht selber lebt.“ Wenn das auch für Politiker gilt – o weh!

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt