„Christen – die neue Plage des 21. Jahrhunderts?“

Montag, 26. November 2012

Das Wort vom Sonntag

Heute feiert die katholische Christenheit die Gedenktage des hl. Konrad und des hl. Gebhard II., Bischöfe in Konstanz. Konrad (um 900-975), Sohn eines Welfengrafen, studiert im Kloster St. Gallen und in der Domschule Konstanz, wird Dompropst und im Beisein seines Freundes Ulrich von Augsburg zum Bischof geweiht. Aus dem väterlichen Erbe finanziert er Kirchen und Krankenhäuser. Drei Mal pilgert er ins Heilige Land. Mit Otto I., mit dem er ebenfalls befreundet ist, reist er 962 zur Kaiserkrönung nach Rom. Auf dem Laterankonzil 1123 wird er heiliggesprochen. In den Reformationswirren 1526 reißt unfrommer Pöbel seine Gebeine aus der Gruft im Konstanzer Münster und wirft sie in den Bodensee. Das Haupt wird gerettet und heute im Münsterschatz gehütet.

Gebhard II. (949-995) kommt als Sohn des Grafen Ulrich von Bregenz auf dessen Burg Pfannenberg zur Welt. Die Mutter stirbt bei der Geburt. Der Junge wird von Konrad an der Domschule erzogen und 979 von Kaiser Otto II. zum Bischof gemacht. Erna und Hans Melchers in „Das große Buch der Heiligen“: „Sein vorbildliche und sehr frommes Leben machten ihn bald als guten Hirten im ganzen Alemannenlande bekannt. Er entzog sich den rauen Sitten der Zeit und stellte sich damit in einen auffälligen Gegensatz zu anderen Kirchenfürsten, die meistens das weltliche Leben des übrigen Adels teilten.“ Der Kaiser schätzt ihn so sehr, dass er seinen Sohn, den späteren Otto III., von ihm taufen lässt. Auch die Päpste suchen Gebhards Freundschaft. Als der Bischof auf und mit dem väterlichen Erbe die Benediktinerabtei Petershausen gründet, schenkt ihm Johannes XV. als kostbare Reliquie das Haupt des hl. Gregor. Gebhard trägt das Kleinod selbst über die Alpen zum Bodensee. Gebhards Grab bleibt bis zur Aufhebung des Klosters 1802 über neun Jahrhunderte lang ein vielbesuchter Wallfahrtsort.

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Ernst Jünger, "Siebzig verweht I", 27. Juni 1970: "Der Gedanke, dass Buße innerhalb der Zeit, sei es selbst durch Erleiden des Todes, nicht genüge, lässt sich nicht abweisen. Daher ist die Aussicht auf ein Zwischenreich tröstlich - auf ein Reich, in dem die Zeit nicht mehr regiert, sondern abzuwesen beginnt. Dort begegnen wir noch einmal jenen, denen wir im Leben Unrecht zufügten. Auch wenn sie uns damals verziehen hatten, so fühlten wir doch: Im letzten hat es nicht genügt. Nun aber nahen sie uns mit stärker absolvierender Kraft. Dass wir im Leben immer wieder von solchen Lossprechungen träumen und unsere Schuld den Toten gegenüber wie ein Joch durch die Jahre schleppen - das sind Vorweisungen."

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Eduard Meyer schreibt in seiner "Urgeschichte des Christentums" über die Bekehrung des römischen Hauptmanns Cornelius als Anfang der Heidenmission und zentrales Stück der Apostelgeschichte: "Aber nicht etwa als eine fortschreitende Erkenntnis, die den Handelnden aufgeht, stellt Lukas die Entwicklung dar - eine derartige Auffassung, die dem modernen Historiker ein selbstverständliches Postulat ist, ohne das es eine Geschichtswissenschaft überhaupt nicht geben würde, liegt ihm und allen Gläubigen gänzlich fern -, sondern als eine übernatürliche, von Gott und dem von ihm eingesetzten Weltregenten, dem Messias Jesus, gewirkte Erfüllung der von Anfang an geoffenbarten, aber von den Menschen bisher nicht verstandenen Verheißung. Die Menschen sind dabei lediglich Werkzeuge, die nur insofern berücksichtigt werden, als sie von Gott als solche verwendet werden; sonst sind ihre Person und ihre Schicksale gänzlich gleichgültig, sobald sie die Aufgabe vollführt haben, kommen sie nicht weiter in Betracht."

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Eine Sonntagspredigt weist darauf hin, daß "Taufe" von "Tiefe" komme. Das zeigen u.a. das althochdeutsche "toufen", das altsächsische "dopian", das altfriesische "depa", das altnordische "deypa" und das gotische "daupjan".  Wahrscheinlich wurde der Zusammenhang in der ersten germanischen Bibelübersetzung Wulfilas aus dem 4. Jahrhundert dem griechischen "baptizein" ("taufen") und "baptein" ("untertauchen") nachgebildet; das könnte bedeuten, dass der christliche Terminus vom Gotischen ausging. Aus der Etymologie entwickeln sich schöne Gedanken über das Leben, das ohne Taufe oberflächlich bleibt, und den Erlöser, der nicht in die Länge, sondern in die Tiefe lebte. Neil Postmans "Wir amüsieren uns zu Tode" meint den geistlichen Tod in der Seichtigkeit der modernen Lebensauffassung, deren Egozentrik ans Diesseits fesselt. Dazu auch Augustinus: "Tränen sind das Grundwasser der Seele."

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Bete jedes Gebet so, als wäre es dein letztes.

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Der Digitalsender „ZDF.Kultur“ strahlt eine Folge der Satire-Sendung „Olaf TV“ aus. Im Mittelpunkt steht eine Umfrage des TV-Humoristen Olaf Schubert beim Evangelischen Kirchentag. Kostproben:

Schubert in der Einleitung: „Auf dem Kirchentag trifft man ja die meisten normierten Religionsverbraucher. Wir wollten wissen: Woran wird denn so geglaubt?“

Schubert auf einem Parkplatz: „Sie kommen von überall her. Sie verstopfen die Straßen. Christen – sind sie die neue Plage des 21. Jahrhunderts?“

Schubert zum Betreiber eines Toilettencontainers: „Für Sie ist der Kirchentag eher Scheiße!“

Schubert zu einem katholischen Kirchentagsgast: „Die Katholiken sind ja sowieso die erfolgreichere Religion, weil sie einfach mehr in den Nachwuchs gesteckt haben.“

Schubert über seine Stiefel: „Das Morgenständchen bei der Kirche natürlich nur mit Gummi!“

Schubert zum Schluss: „Jede Menge Menschen da auf dem Kirchentag. Es gibt ja weltweit Millionen von Christen. Weltweit verzweigt sind das ganz fein verästelte Netze, wirklich überall, wie die Heuschrecken … Gott ist tot, das ist seit Jahren bewiesen.“

Kultur à la ZDF.

 

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