"Was du auch tust, du wirst es bereuen"

Mittwoch, 28. November 2012

Diogenes Laertius schreibt über Sokrates, er habe auch als Bildhauer gearbeitet wie sein Vater Sophroniskos. Außerdem soll der Philosoph dem berühmten Euripides bei seinen Dichtungen geholfen haben. Mnesimachos spottet darüber: "Euripides, durch Sokrates zurechtgezimmert." Timon fasst zusammen: "Steinmetz ward er sodann und weltverbessernder Schwätzer, Zauberfürst der Hellenen, spitzfindiger Rede Erfinder, Nasenrümpfer, Rhetorenverspotter, halbattischer Heuchler."

Die Kritik der Mitwelt, die so drastisch von der Bewunderung der Nachwelt absticht, hat Sokrates kaum aus der Ruhe gebracht. Als er von einem Gegner einmal durch einen Fußtritt beleidigt wird, antwortet er auf die Frage, warum er sich das gefallen lasse: "Hätte mich ein Esel getreten, hätte ich diesen etwa gerichtlich belangt?"

In der Schlacht bei Delion rettet Sokrates dem Xenophon das Leben, als der Feldherr und berühmte Chronist des „Zugs der Zehntausend“ im Getümmel vom Pferd fällt. Diogenes Laertius weiter über den Philosophen: "Auch schritt er beim Rückzug inmitten der wilden Flucht aller Athener ganz gelassen einher, ruhig sich umblickend und zur Abwehr bereit, falls einer an ihn sich heranwagte."

Von sokratischen Weisheiten überliefert der Biograph: "Oft sagte er beim Anblick der massenhaften Verkaufsartikel zu sich selbst: 'Wie zahlreich sind doch die Dinge, deren ich nicht bedarf!' Und immer wieder hörte man ihn die Jamben zitieren: Die silbernen Gefäße und das Purpurkleid / Sind fürs Theater gut, fürs Leben nicht.“

Vor den Großen dieser Erde hatte Sokrates wenig Respekt „und nahm weder ihre Geldgeschenke an, noch ließ er sich zu einem Besuche bei ihnen bewegen. In seiner Lebensweise war er so einfach und streng, dass er allein in Athen von den zahlreichen Seuchen, die dort wüteten, verschont blieb. Er pflegte zu sagen: Wer am wenigsten bedarf, ist den Göttern am nächsten."

Außerdem: "Er hatte die Gabe, seine Worte aus den Tatsachen gleichsam herauswachsen zu lassen." - "Für sonderbar erklärte er, dass ein jeder leicht angeben könne, wie viel er besitze, aber nicht sagen könne, wie viele Freunde er habe; so wenig kümmere man sich um sie." - "Nur eines, pflegte er zu sagen, sei ein wirkliches Gut, das Wissen, nur eines ein wirkliches Übel, die Unwissenheit; Reichtum und hohe Geburt hätten keine Würde in sich, sondern im Gegenteil nur Unheil." - Auf die Frage, ob man heiraten solle oder nicht, antwortete er: "Was du auch tust, du wirst es bereuen." - Als ihm einer sagte: "Die Athener haben dich zum Tode verurteilt", erwiderte er: "Und die Natur hat sie zum Tode verurteilt." - "Als jemand zu ihm bemerkte, es führe einer üble Reden gegen ihn, erwiderte er: 'Recht so, den von guten Reden versteht er nichts.'" - "Er vertrat auch die Meinung, man müsse sich den Komikern recht geflissentlich preisgeben; denn wenn sie auf uns wirklich anhaftende Fehler hinweisen, so werden sie dadurch auf unsere Besserung hinwirken; wo nicht, so geht uns die Sache nichts an." - Und als seine Frau ihm schrieb: "Du stirbst ungerechterweise", antwortete er: "Wünschtest du dir etwa, dass ich gerechterweise stürbe?"

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Von manchem Wichtigtuer bleiben bei näherer Betrachtung nur die ersten fünf Buchstaben übrig.

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Pablo de Sarasate, "Zigeunerweisen", op.20: Der Zigeuner, verkannt, verachtet und verfemt, schenkte dem christlichen Abendland neue Formen der Musik, des Glaubens und der Schicksalskunde. Asien ist vor allem ungeheure Weite. In Wüste und Steppe empfangen die Menschen ihre Grenzen nicht von der Topographie, sondern setzen sie sich beim Umherziehen Jahr für Jahr neu. Pablo de Sarasate (1844-1908), in Pamplona geboren, tritt schon als Achtjähriger auf. Zwei Jahre später schenkt Königin Isabella von Spanien dem Wunderkind eine Stradivari. Zu seinen "Zigeunerweisen" schreibt der Komponist: "Es ist nicht gut möglich, die Art und Weise der Ausführung dieses Stückes genau vorzuschreiben. Dasselbe soll ganz frei wiedergegeben werden, um dem Charakter einer improvisierten Zigeunermusik möglichst nahezukommen."

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Ein Kioskbesitzer im vornehmen Hamburg-Uhlenhorst wundert sich darüber, dass ihm seit Monaten immer wieder Rubbellose abhanden kommen. Erst sind es nur wenige, doch dann werden es immer mehr. Eines Morgens ertappt er den Dieb: Es ist ein Stammkunde, der schon seit Jahren bei ihm kauft und inzwischen mit ihm sogar befreundet ist. Als er sich unbeobachtet glaubte, hat er rasch wieder eine Handvoll Lose eingesteckt. Nun stellt ihn der Bestohlene zur Rede. Der Dieb streitet erst alles ab, dann aber erhebt er seinerseits Vorwürfe: "Wieso hast Du die Lostrommel auch nicht abgeschlossen?!" Zu einer Entschuldigung oder gar Wiedergutmachung kann er sich nicht durchringen – nur zu der Frage: "Aber wir bleiben doch Freunde, oder?"

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Jean Paul in seinem letzten Buch „Selina“: "Manche Irrtümer erscheinen, wie der Mond, aus der Ferne in milder Gestalt und Dämmerung; tritt man aber nahe vor sie, so zeigen sie wie der Mond vor dem Sternseher, ihre Abgründe und Feuerberge."

 

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