Wenn man nicht mehr schräg im Bett liegen kann

Freitag, 30. November 2012

Laurence Sterne in "Tristram Shandy": "Die alten Goten … hatten alle die weise Gewohnheit, jede Angelegenheit von einiger Wichtigkeit in zwei entgegengesetzten Gemütsverfassungen durchzusprechen: zuerst betrunken und dann nüchtern. Betrunken, damit die Ratschläge nicht der Kraft, und nüchtern, damit sie nicht der Vorsicht ermangelten." - "Mein Vater war … eben in Gedanken mit den Leiden eines jeden Ehelebens beschäftigt, als meine Mutter das Schweigen also brach: Bruder Toby, sagte sie, wird Frau Wadman heiraten. Dann wird er also nie mehr in seinem Leben diagonal im Bett liegen können, sagte mein Vater." - "Von all den Manieren, ein Buch zu beginnen, die heute im Schwange sind, ist meine, glaube ich, die beste. Sie ist sicherlich auch die frömmste - denn ich beginne damit, den ersten Satz niederzuschreiben, während ich dabei auf Gott vertraue, dass er mir auch den zweiten schenkt."

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Alkohol verstärkt banale Empfindungen, bis sie bedeutend scheinen. Gedanken, die im Weinglas funkeln, entlarvt der Morgen als abgeschmackt und schal.

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Tschaikowskis "Nussknacker-Suite" erinnert an Kindertage des fröhlichen Drauflosmarschierens, das sich nicht um Hindernisse noch um Folgen scherte. E.T.A. Hoffmanns "Nußknacker und Mausekönig" war in Russland damals sehr beliebt. Der "Tanz der Rohrflöten" und mehr noch der Trepak erinnern an die Faschingsbälle der 50er Jahre, als die Kapelle am liebsten Polka spielte, bei der es uns Kindern weniger auf den Schritt als auf den Schwung ankam.

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Dialog an einer Hamburger Theaterkasse. Junge Mutter mit zwei Kindern: „Guten Tag, ich hab‘ Karten reserviert, möchte sie gern abholen.” Kassierer: „Welcher Tag, welches Stück?” - “21. Dezember, ‚Cinderella‘.” – „Da sind Sie hier total falsch.” – „Wie bitte? Wieso denn?“ – „Weil’s da kein ‚Cinderella‘ gibt.“ „Das kann nicht sein, ich weiß doch ganz genau, am 21. gibt’s hier ‚Cinderella!‘“ – „Nee, bei uns nicht.“ – „Hm. Moment mal: Gibt es dann vielleicht ‚Aschenputtel‘?“ Kassierer: „Doch, das gibt es. Ja, und Ihre Karten sind auch da.“

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Virginia Woolf, "Orlando": "Die Erinnerung ist eine Näherin, und eine kapriziöse noch dazu. Die Erinnerung führt ihre Nadel ein und aus, auf und nieder, hierhin und dorthin. Wir wissen nicht, was als nächstes kommt oder was darauf folgt."

 

 

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