„Ich soll Satan in den Seelen verfolgen“

Sonntag, 2. Dezember 2012

George Bernanos starb, nachdem er seine Gesundheit durch übermäßige Mengen Nikotin und Kaffee ruiniert hatte; Angina-pectoris-Anfälle und Tuberkulose kamen hinzu, und nach einem schweren Motorradunfall konnte er nur noch an Krücken gehen. Dazu Existenzängste und Todesvisionen - sein "Tagebuch eines Landpfarrers" entstand auf Mallorca, wohin er mit Ehefrau und fünf Kindern emigriert war, auf der "Flucht vor den Hunden der Angst". Sein erschütterndes Bekenntnis kurz vor seinem Tod: "Ich habe ein Hundeleben geführt, das steht fest, ich bedaure nicht, es gelebt zu haben, aber es hat wirklich zuviel hergeben müssen, zuviel gelitten, allzuoft hat es hineingeregnet, als daß man es noch zu verriegeln brauchte; ich habe das gute Recht, die Vorübergehenden dort eintreten zu lassen, es bleibt kein Ansehen übrig, das noch zerstört werden könnte." Der häusliche Familienvater kann wohl durch ebenso viel Abenteuer, Gefahr, Entbehrungen und Leid geprüft werden wie der Krieger, der Entdecker oder der besessene Künstler. Bernanos‘ Debutroman "Unter der Sonne Satans" ist das Drama der menschlichen Seele in der großen Auseinandersetzung zwischen Gott und seinem Gegenspieler: „Von Gott stammt der Gedanke, dass ich mit der Berufung gezeichnet bin“, sagt darin der in die nordfranzösische Provinz abgeschobene Abbé Menou-Segrais. „Ich soll Satan in den Seelen verfolgen, und wenn ich auch meine Ruhe, meine Priesterehre und selbst mein Heil aufs Spiel setzen müsste.“ Die Seele kennt schlimmere und schwerwiegendere Kämpfe als die Welt. Von ihrem Sieg hängt nicht Sterbliches, sondern Ewiges ab.

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Die Wahrheit muss den Beweis nicht suchen: Er stellt sich, gehorsamer Diener, stets von selber ein.

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Tschaikowski, 6.Sinfonie h-Moll. Die "Pathetique" erzählt auch von der Einsamkeit ungetrösteter Herzen. In keinem anderen Werk kommen die Depressionen des Komponisten stärker zum Ausdruck. Magyaren, Slawen, auch Türken lieben sentimentale Melodien; diese Völker verbindet die Herkunft aus der Steppe, in der sich der Horizont nicht zum Himmel erhebt, sondern die Wolken zu Boden zieht. Die endlose Weite, die Freiheit verheißt, wird zur psychischen Last. Die tiefsten Töne kommen dort aus der Brust der Erde, wo keine Berge sie verhüllen. Für Tschaikowski sollte die grandiose Sinfonie "den Schlußstein meines ganzen Schaffens" bilden; einer Freundin schrieb er: "Nur jene Musik kann rühren, welche der Tiefe einer durch Inspiration bewegten Künstlerseele entströmt." Besonders erschütternd die Klage über die Vergänglichkeit alles Irdischen im Finale des vierten Satzes. Nach der Uraufführung schrieb der Komponist enttäuscht: "Ich konnte weder das Orchester noch das Publikum davon überzeugen, dass dies mein bestes Werk ist und ich nie mehr etwas Besseres als diese Sinfonie werde schreiben können." Zehn Tage später war er tot.

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Stoßseufzer der Ehefrau im Gedränge und Geschubse des vorweihnachtlichen Kaufrummels: „Man muss die Menschen lieben, sonst hält man es nicht aus.“

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Rosseau, „Bekenntnisse“: „Ich war stets über die Leichtigkeit erstaunt, mit der sie mich durch einige klingende Redensarten widerlegten, ohne mich verstanden zu haben.“

 

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