Der Nobelclub und die Drecksblagen

Montag, 3. Dezember 2012

Grillparzer, "Des Meeres und der Liebe Wellen": Das Trauerspiel entspricht ganz den besonderen Forderungen, die der Autor an ein Kunstwerk stellt, wenn er in "Über den Gebrauch des Ausdrucks 'Romantisch' in der neueren Kunstkritik" (1819) schreibt: "Alle großen Meister aller Zeiten von Shakespeare und Milton bis Goethe waren mehr oder weniger plastisch, weil dieses plastische, gesonderte Hinstellen mit scharfen Konturen, als das Schwerste in der Kunst, nur dem kräftigen Meister gelingt und deshalb auch seines Strebens Hauptziel ist. Die Formlosigkeit, welche ein Hauptingrediens der sogenannten Romantik ist, war von jeder ein Zeichen eines schwachen kränkelnden Geistes, der sich selbst und seinen Stoff zu beherrschen nicht vermag." Deshalb Grillparzers Vorbehalte gegen die deutsche Romantik: "Da fehlt es weder an Empfänglichkeit noch an Liebe für das Schöne, aber an Kraft, es zu gestalten und außer sich hinzustellen." Grillparzers Version des Mythos von Hero und Leander arbeitet die Gegensätze zwischen Liebe und Pflicht, Freiheit und Verantwortung, Natur und Ritus besonders scharf heraus. Als das Stück bei der Uraufführung 1831 am Wiener Burgtheater vom Publikum dennoch abgelehnt wird, schreibt der Autor: "Traurig, dass die Stimme des Publikums mit meinem eigenen Zweifel so sehr zusammentrifft." Erst nach einer Neuinszenierung zwanzig Jahre später erhielt das Werk den gebührenden Rang. Die Aufzeichnung einer Aufführung des Burgtheaters aus dem Jahr 1968 atmet dank ihrer Werktreue ganz den strengen Geist des Dichters:  Es zählt zu den großen Vorzügen des Fernsehens, dass seine Technik die Konservierung schauspielerischer Glanzleistungen für die nachfolgenden Generationen ermöglicht. Weil es erst spät erfunden wurde, können wir heute die Werke Rembrandts bewundern, nicht aber, wie Richard Burbage als erster den "Hamlet" spielte.

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Träume sind Wirklichkeit in Verkleidung.

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Wieder einmal die 9.Sinfonie e-Moll "Aus der Neuen Welt". Antonín Dvorák wird vom Vater erst in eine Metzgerlehre gesteckt, bevor er 1857 an die Prager Orgelschule darf. 1857 erhält er das erste Künstlerstipendium; in der Jury sitzt Johannes Brahms. Seine beste Sinfonie ist eine Auftragsarbeit: "Die Amerikaner erwarten große Dinge von mir. Vor allem soll ich ihnen den Weg ins Gelobte Land und in das Reich der neuen, selbständigen Kunst weisen, kurz, eine nationale Musik schaffen! Wenn das kleine tschechische Volk solche Musiker habe, warum sollten sie sie dann nicht auch haben, wenn ihr Land und Volk so riesig groß ist!" Die Uraufführung 1893 in New York rechtfertigt die großen Erwartungen, jeder Takt atmet Weite und Würde, auch Neugier und Abenteuer, vor allem aber das typische amerikanische Freiheitsgefühl. Nach dem zweiten Satz ist die Begeisterung so groß, dass der Komponist vor sein Publikum treten muss.

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Vorweihnachtliches Kinderfest in einem noblen Hamburger Club. Beim Eintreten erhalten die Eltern einen Flyer mit dem Programm. Eine Mutter liest den Zettel bis zu Ende durch und stößt am Ende auf Kleingedrucktes: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus Platzgründen nicht allen Drecksblagen Einlass gewähren können.“ Der Direktor, damit konfrontiert, läuft rot an und lässt sofort alle Flyer einsammeln. Später stellt sich heraus: Ein Mitarbeiter der Agentur, die mit der Organisation beauftragt war, hatte sich einen Spaß erlaubt, und bei der Korrektur hatte es niemand bemerkt. Humor ist…

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Hebbel: „Mit wem das Pferd nie durchgeht, der reitet einen hölzernen Gaul.“

 

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