Mirakel in Myra

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Drei Jungfrauen im Freudenhaus, drei Tote im Pökelfass, drei Generäle im Gefängnis: der hl.Nikolaus als Wundertäter.

Die Lage ist verzweifelt, drei Mädchen weinen sehr: Ihr herzloser Vater hat nicht genug Geld, sie zu verheiraten. Deshalb will er seine Töchter zwingen, sich die Aussteuer selbst zu verdienen – als Liebesmädchen in einem Freudenhaus!

Die schier unglaubliche Geschichte ereignet sich vor 1700 Jahren, aber sie wirkt bis heute nach. Denn der Mann, der die drei armen Mädchen vor Sünde und Schande rettet, ist der Nikolaus.

Der Heilige, auf dessen Besuch sich auch dieses Jahr wieder überall viele Kinder freuten, ist nicht nur eine Legende, er hat wirklich gelebt: als Bischof in der Hafenstadt Myra, dem heutigen Kocademre bei Antalya in der Südtürkei. Als er von der Not der drei Schwestern hört, schleicht er heimlich in ihren Garten und wirft drei Goldklumpen durchs Fenster.

An diese Tat erinnern die Süßigkeiten, die der Nikolaus in der Nacht zum Donnerstag in die Schuhe und Strümpfe braver Kinder steckt. Für die Mädchen ist es die Rettung, für den beschämten Vater ein Wunder, für Christen aber ein neuer Beweis eines großen Herzens, das Nikolaus bald sogar zum Wundertäter macht – zum ersten Mal in einem schauerlichen Kriminalfall:

Drei junge Studenten werden auf der Durchreise nach Athen von einem Hotelier im Schlaf umgebracht. Der Täter raubt die Toten aus und pökelt ihr Fleisch ein. Doch der Mord bleibt nicht unentdeckt: Ein Engel berichtet Nikolaus davon. Der Bischof eilt zum Tatort, findet die Toten in einem Salzfass und lässt den Mörder verhaften. Dann betet er lange und innig zu Gott, und die Opfer werden wieder lebendig. 

Kurz darauf reißt Nikolaus einem Scharfrichter, der drei Unschuldige öffentlich hinrichten will, das Schwert aus der Hand und lässt die Verurteilten frei. Drei römische Generäle auf der Durchreise nach der Hauptstadt Byzanz sind zufällig Zeugen. Am Hof des Kaisers eingetroffen, werden sie Opfer falscher Anschuldigungen und sollen sterben. Im Kerker erinnern sie sich an die dramatische Szene und beschließen, den heiligen Mann um Fürsprache zu bitten. Daraufhin erscheint Nikolaus dem Kaiser im Traum und droht ihm Vergeltung an. Prompt werden die Verurteilten rehabilitiert.

Als in Myra eine Hungersnot ausbricht, bittet der Bischof die Kapitäne mehrerer Getreideschiffe aus Ägypten, ihm etwas von der Fracht zu verkaufen. Die Kapitäne weigern sich: Das Korn ist für Rom bestimmt, und sie fürchten, vom Kaiser bestraft zu werden. Nikolaus gelingt es, sie trotzdem zu überreden – und als sie in Italien ankommen, haben sie wieder genau so viel Getreide an Bord wie zuvor.

Am liebsten aber rettet der Heilige kleine Kinder: Als er gerade eine Messe feiert, verbrennt sich ein Junge am häuslichen Herd zu Tode – Nikolaus eilte hin und erweckt ihn wieder zu Leben. Später kidnappen Seeräuber einen anderen Jungen und verkaufen ihn als Sklaven an einen orientalischen Herrscher – Nikolaus erscheint dem Heidenkönig und führt das Kind durch die Lüfte nach Hause zurück.

Auch nach seinem Tod wirkt Nikolaus noch viele Wunder: Ein Vater pilgert mit seinem Sohn nach Myra, um der Bischofskirche einen wertvollen Kelch zu stiften. Dann aber reut ihn das viele Geld, und er lässt einen viel billigeren Kelch anfertigen. Auf der Überfahrt soll sein Sohn ihm damit Wasser aus dem Meer schöpfen. Dabei fällt der Junge über Bord und verschwindet in den Wellen. Der verzweifelte Vater eilt in Myra reuig mit dem teuren Kelch zur Kirche, da steht plötzlich sein Sohn vor ihm und berichtet, der hl. Nikolaus habe ihn gerettet.

Als ein Schiff weit draußen auf dem Mittelmeer in Seenot gerät, rufen die Matrosen den Heiligen um Hilfe an. Plötzlich steht ein alter Mann mit weißem Bart an Bord und hilft den Bedrängten an Segeln und Tauen, bis sich der Sturm legt und das Meer sich beruhigt. Als die Geretteten in Myra einlaufen, eilen sie gleich in die Kirche. Erst jetzt, vor dem Bild des Nikolaus, erkennen sie, wer der geheimnisvolle Helfer war.

Für kleine Kinder bedeutet Nikolaus Süßigkeiten und Spielzeug. Erwachsene aber können vom ihm lernen, dass alles möglich ist, wenn man nur ganz fest daran glaubt.

 

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