„Die Apotheose der Halunken aus Politik und Bankgewerbe“

Freitag, 7. Dezember 2012

In Joris-Karl Huysmans Klassiker "Tief unten" sagt der Romanschreiber Durtal: "Aber so war's doch immer; die Jahrhunderte ähneln sich. Alle sind sie Perioden des Schwankens und voll Ungewissheit. Während der Materialismus wütet, erhebt sich die Magie. Dieses Phänomen erscheint alle hundert Jahre wieder. Um nicht noch weiter zurückzugreifen. Betrachte die Neigezeit des letzten Jahrhunderts. Neben Rationalisten und Atheisten findest du Saint-Germain, Cagliostro, Saint-Martin, Gabalis, Cazotte, die Gesellschaften der Rosenkreuzer, die Teufelszirkel, genau wie jetzt!“ – „Also wahrhaftig, die menschliche Kreatur ist schon von Geburt an selbstsüchtig, gierig, gemein. Schauen Sie sich doch einmal um, und sehen Sie, was sich da zeigt! Ein unaufhörlicher Kampf, eine zynische, grausame Gesellschaft, die Armen, die Niederen verschrien, zertreten von den neureichen Bürgern, von den Fettsäcken! Überall der Triumph der Ruchlosen oder der Mittelmäßigen, überall die Apotheose der Halunken aus Politik und Bankgewerbe! Und Sie glauben, man könne gegen solch einen Strom anschwimmen? Nein, der Mensch hat sich nicht weiterentwickelt; seine Seele eiterte bereits zur Zeit der Schöpfung aus, und gegenwärtig schwärt und stinkt sie noch genauso! Allein die Form seiner Sünden ändert sich; der Fortschritt liegt in der Heuchelei, welche die Laster verfeinert!" Geschrieben 1891. Und heute?

*

Möglicherweise geht in Amerika auch deshalb alles schneller voran, weil es dort eine leistungsfähigere Vorstellungskraft gibt. Sie erhebt sich ganz unschuldig, unbelastet und unbekümmert zu geradezu naiven Visionen, bei denen dem erfahrenen Europäer schwindelt. Deshalb war Armstrong als erster auf dem Mond. Der Neuweltler als Kind, der Altweltler als Erwachsener. Die amerikanischen Impulse haben inzwischen jenseits des Pazifik ein erfolgreicheres Echo als diesseits des Atlantik, wo die Bedenkenträgerei die Trägheit fördert: Kindliche Ideen werden oft eher vom Großvater als vom Vater verstanden.

*

Beethoven, Violinkonzert D-Dur: Flinke Mädchenhände; ein Leben, das auf Trab gebracht wird; Schönheit der Aktion. Das Wissen um den Tod bringt Dramatik ins Leben.

*

Hunde dürfen nur mit Genehmigung ins Seniorenheim. Diesmal ist es geschafft: Der kleine „Paul“ kommt mit zum Adventssingen. Brav liegt er zu Frauchens Füßen. „Süßer die Glocken nicht klingen“, „Oh Tannenbaum“ – das Tier lauscht den Darbietungen in stiller Andacht. Doch als die Runde das Lied „Eine Muh, eine Mäh“ des Schlagersängers Wolfgang Petry schmettert, ist es mit der Ruhe vorbei. Text: „Eine Muh, eine Mäh, eine Täterätätä / Eine Tute, eine Rute / Eine Hop, hop, hop, hop  / Eine Dideldadeldum / Eine Wau, wau, wau  / Ratadschingderattabum.“ Da heult der kleine „Paul“ aus vollem Halse. Franziskus von Assisi: "Gott wünscht, dass wir den Tieren beistehen, wenn sie der Hilfe bedürfen. Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz."

*

Alberto Moravia in „Der Säugling“: „Bevor man ehrlich ist, muss man wissen, mit wem man es zu tun hat.“

 

 

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt