Der Biss ins Gesicht des Tyrannen

Montag, 10. Dezember 2012

Moderne Philosophen sterben gewöhnlich im Bett. Der spätantike Philosophiehistoriker Diogenes Laertios, im 3. Jahrhundert n. Chr. Autor einer Geschichte der griechischen Philosophie in zehn Bänden, recherchierte vielfältigere und ungewöhnlichere Todesursachen.

Anacharsis: wird bei der Verrichtung eines Opfers "nach griechischer Mysterienweise umgebracht".

Anaxarchos: "Von den Leuten des zyprischen Tyrannen Nikokrean in einen Mörser geworfen und mit eisernen Keulen zerstampft."

Ariston: "Er sei als Kahlköpfiger von der Sonnenhitze stark mitgenommen worden und habe dadurch einen Tod gefunden.“

Bias: "stirbt vor Erschöpfung, indem er nach einer Rede vor Gericht seinen Kopf an die Brust seines Enkels lehnt."

Chilon: "In hohem Alter, in Pisa, als er seinen Sohn als Sieger im Faustkampf beglückwünschte; es war das Übermaß von Freude, verbunden mit Altersschwäche."

Chrysippos "soll ungemischten Wein zu sich genommen und davon Schwindel bekommen haben und fünf Tage darauf gestorben sein. Einige wollen auch wissen, er sei an einem Anfall übermäßigen Lachens gestorben."

Demetrios: "Wohl halb schlummernd von einer Schlange in die Hand gebissen, gab er den Geist auf."

Demokritos: "Seine Schwester war sehr betrübt darüber, daß er gerade während der Festzeit der Thesmophorien sterben sollte, so dass sie ihre Pflicht gegenüber der Göttin nicht erfüllen könne. Er aber sprach ihr Mut zu und wies sie an, ihm jeden Tag frischgebackenes heißes Brot zu bringen; dieses hielt er sich vor die Nase und erhielt sich so während der Festtage am Leben; als die Festtage (es waren deren drei) vorüber waren, gab er völlig schmerzlos seinen Geist auf, hundertundneun Jahre alt."

Diogenes: Entweder "nach Benagung eines Ochsenfußes von der Cholera ergriffen" oder "er habe sich den Atem verhalten" oder "er habe einen Polypen unter die Hunde verteilt und sei dabei in die Fußsehne gebissen worden."

Dionysios Metathemenos: "Gab er sich selbst den Tod durch Nahrungsenthaltung."

Empedokles stürzt sich in den Ätna.

Epikur: "Sein Tod aber sei herbeigeführt worden durch Urinversperrung (Harnzwang) infolge eines Steinleidens nach vierzehntägiger Krankheit. Er sei in eine eherne, mit warmem Wasser gefüllte Wanne gestiegen und habe sich sehr schweren Wein reichen lassen, den er geschlürft habe. So sei er, nachdem er die Freunde gemahnt, seiner Lehren eingedenk zu bleiben, gestorben."

Eukleides: Beim Baden im Fluss, durch ein spitzes Rohr verwundet.

Herakleides: durch Schlagfluß, gerade als er im Theater zum Heros gekrönt werden sollte.

Herakleitos erkrankt an Wassersucht, sucht sich durch Bedeckung mit Kuhmist zu heilen und wird entkräftet von Hunden gefressen.

Kleanthes: "Es bildete sich eine Geschwulst im Zahnfleisch. Auf Gebot der Ärzte enthielt er sich zwei Tage der Nahrung. Sein Befinden besserte sich dadurch so, dass die Ärzte ihm erlaubten, wieder ganz nach der alten Gewohnheit zu leben; er aber erklärte, er habe schon einen Teil des Weges hinter sich, und so habe er sich weiter der Nahrung enthalten, bis der Tod erfolgt sei."

Lakydes aus Kyrene: "Er starb an Lähmung infolge zu starken Weingenusses."

Lykon: nach einem schweren Gichtanfall an der großen Zehe.

Menippos: Er habe nach Verlust seines Vermögens "aus Verzweiflung seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht."

Metrokles: "Er starb als Greis durch Selbstverhalten des Atems."

Pherekydes stürzt sich von einem Berg.

Platon: Mit 81 Jahren bei einem Hochzeitsschmaus.

Polemon: im hohen Alter an Schwindsucht.

Protagoras: Auf einer Schiffsfahrt nach Sizilien ertrunken.

Thales: Hitze, Durst und Altersschwäche, als er einem gymnischen Wettkampf zuschaut, 78 Jahre alt.

Pythagoras wird ermordet, nach anderen Berichten verhungert er.

Sokrates: Giftbecher nach Todesurteil.

Silpon: Im hohen Alter, nachdem er Wein zu sich genommen hatte, um das Ende zu beschleunigen.

Speusippos: Hochbetagt, durch Selbstmord, "als er infolge von Gliederlähmung sich körperlich gebrochen fühlte."

Xenokrates: Mit 82 Jahren "infolge eines Anpralls an die Wanne."

Zenon: "Beim Heraustreten aus der Schule stolperte er, zerbrach sich die Finger und schlug mit der Hand auf die Erde mit den Worten: 'Schon komme ich, was rufst du mich?' Und alsbald starb er, sich erwürgend."

Zenon von Elea: gefangen vor Nearchos geführt, verspricht er dem Tyrannen, ihm die Namen von Verrätern ins Ohr zu flüstern, und verbeißt sich im Gesicht des Getäuschten, bis er niedergestochen wird.“

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