DDR-Kinderknast: „Das ging uns am Arsch vorbei“

Montag, 10. Dezember 2012

Sendungen von Sonntag, 9.Dezember 2012

In „Entweder Broder – Die Europa-Safari“ sprechen der Journalist und Autor Henryk M. Broder und der Politologe, Historiker und Autor Hamed Abdel-Samad im „DDR-Jugendwerkhof Torgau“, einer Umerziehungsanstalt für Jugendliche, mit dem einstigen Insassen Stefan Lauter. Auszüge:

Broder: „Diese Zelle hat keine sanitäre Anlage. Wenn der Insasse mal musste…“

Lauter: „Dann gab’s einen Zehn-Liter-Scheiß-Eimer. Die Zelle stank bestialisch, und wir hatten auch kein Trinkwasser. Und die Erzieher hatten solche Gummiknüppel und haben uns verprügelt, wenn irgendwas nicht in Ordnung war aus ihrer Sicht.“

Abdel-Samad: „Was sagen Sie Leuten, die sagen, die DDR, das war ja keine richtige Diktatur, und das war auch in vielen Hinsichten alles viel besser, zum Beispiel, wie man mit Kindern umgegangen war...“

Broder: „…und die billigen Mieten, und die Versicherungen…“

Lauter: „…und das billige Bier, und die billige Straßenbahn…“

Broder: „…und jeder hatte Arbeit.“

Lauter: „Denen sage ich: Schau dir doch mal den Kinderknast an, oder fahr doch mal ins Zentrale Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen. Fahr doch mal ins Gelbe Elend nach Bautzen. Fahr doch mal die A2 Richtung Hannover und schau dir die Grenzsicherungsanlagen an. Dann weißt du, was ’ne fröhliche Diktatur ist. So lange wie du deine Fresse hältst, so lange, wie du das machst, was die alten grauen Bonzen im Politbüro von dir verlangen, so lange du Erfüllungsgehilfe bist, so lange bleibt dir das erspart. Und wer frei sein wollte in der DDR, der war im Zweifel einer von 1300 Mauertoten, einer von 250.000 politischen Gefangenen oder eins von über 400.000 Heimkindern.“   

Broder: „Was ist eigentlich aus dem Personal dieser Anstalt geworden? Die haben ihren Dienst getan, die Leute geschlagen, in diese Scheiß-Zellen eingeschlossen, ihnen kein Essen gegeben, und dann war die DDR vorbei, und was haben die dann gemacht?“

Abdel-Samad: „Die bekommen jetzt Rente, und der arme Mann bekommt Sozialhilfe, weil er geschädigt ist und krank ist und nicht arbeiten kann.“

Broder: „Es ist wirklich eine Parallele zum Nazi-System. Meine Eltern haben Alpträume gehabt, und die Nazis haben ‘ne klasse Pension in Bad Kissingen verlebt … Das ist schwer, sich das heute noch vorzustellen, aber zur Zeit der Bundesrepublik und der DDR wurden hier Kinder gequält, und wir haben gegen den Imperialismus in Köln und Frankfurt demonstriert, und das, was hier passierte, ging uns vollkommen am Arsch vorbei. Ich geb’s ja zu, mir war es auch egal.“

Schiller, „Die Piccolomini“: „Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt.“

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In „heute Journal“ spricht ZDF-Moderatorin Maybrit Illner mit dem frisch gekürten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Kostprobe:

Illner: „Die 97 Prozent der Kanzlerin kommentiert die Schwesterpartei als kubanische Verhältnisse. Was sind dann 93 Prozent?“

Steinbrück: „Sozialdemokratische Verhältnisse.“

Tatsächlich betrug das jüngste Wahlergebnis in Kuba 96 Prozent. 93 Prozent schaffte zuletzt die Putin-Partei „Einiges Russland“ in den russischen Nervenheilanstalten.

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TV-SPRÜCHE

„Wir haben doch alle das gleiche Problem: Am Ende vom Geld ist so viel Monat über!“

„Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass ich arbeiten muss, dann würde ich nicht so schnell müde davon!“

„Das Geld reicht doch auch nur bis zum 15., warum soll ich dann bis zum 30. arbeiten?“

„Die Polizei wird auch älter: Rufst du 110 an, dann kommt auch 110!“

„Schäuble sagt, wir müssen sparen: Ab sofort dürfen Rentner bei Rot über die Ampel gehen. Schlimm wird das aber erst, wenn die Merkel sagt, Rentner MÜSSEN bei Rot über die Ampel gehen!“

„Ich bin Arbeitsschutzbeauftragter: Ich kann dir sagen, wie man sich am besten vor Arbeit schützt!“

„Für Opa reicht zu Weihnachten SOS: Socken, Oberhemd, Schlips!“

„Früher war ich städtischer Müllolologe. Jetzt sind wir privatisiert worden, als GmbH: Geh mal Bier holen!“

„Das ist der Neusprech im Ruhrpott: Wir konnten wählen zwischen ‚Entsorgungsberater’ und ‚Reststofflogistiker‘.

„Wir sagen auch nicht, der Kollege ist  bescheuert, hat keine Ahnung, sondern ‚Wir haben seine Kernkompetenz noch nicht entdeckt‘!“

„Ich bin bei der Gewerkschaft HBV: Handfeger, Besen, Vensterleder!“

Bruno Knust in „Stratmanns – Das Kneipentheater im Pott“ (WDR)

„Jeder dritte Deutsche hatte schon mal Sex auf einer Weihnachtsfeier. Das ergab eine Umfrage unter den Präsidenten des FC Bayern!“

Pierre M. Krause in „SWRlatenight“

„Ich verschenke dieses Jahr einen Stern. Das gibt es wirklich, den kann man kaufen, der kostet hundert Euro – was aber wirklich ins Geld geht, das ist das Geschenkpapier!“

„Ich schenke meinem Buben dieses Jahr eine elektrische Eisenbahn, also nur die Schienen: der Zug kommt wegen der Kälte erst viel später!“

„Ich bin kein Krawattentyp. Was soll ich mit einer Krawatte? Man schenkt der Daniela Katzenberger ja auch kein Buch!“

Günter Grünwald in „Grünwald Freitagscomedy“ (BR)

 

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