Der Schüchterne und die Bohnen

Dienstag, 11. Dezember 2012

Jean Paul, "Selina oder die Unsterblichkeit der Seele": "Die Jugend will auf Reisen sein, sogar in der Nacht, so wie das Alter immer übernachten will, sogar am Tage." - "Die Jugend hat bei aller Lebendigkeit der Gefühle ordentlich einen Hang zur Ableugnung und Verspottung derselben, so wie bei aller noch warmen Religiosität einen zum Unglauben oder bei allem Frohgefühl einen zur Melancholie und eine Vorliebe für schwarze Nachtgedanken und Trauerspiele; denn ihr Freiheitstrieb will über alles Alte und Zwingende, und wohnte es sogar in ihrer eignen Natur, wegspringen." - "Und der alte, von den wiederkäuten Neuigkeiten der Erde übersättigte Mensch geht und stirbt neuen Wundern entgegen." - "Warum aber suchen und achten überhaupt die Menschen nicht mehr auf das Erhabene der Erde, wenn es ihnen entgegenwandelt als Gewitter, als Meer, als Sternhimmel, sondern bauen sich lieber ein Miniatur-Erhabenes in Parks und Opernhäusern oder tragen das natürlich Große auf Miniaturpinseln zu Nest?" - "Durch gespannte Magerkeit verliert im Alter das weibliche Gesicht, durch hangende Fülle das männliche." - "Nirgend denkt man seltener an das Sterben als im Lager unter Sterbenden." - "Und dieses prangende All ist in jedem Geiste, der es denkt, zum zweiten Mal geschaffen, und im Spiegelzimmer der Geisterwelt werden die Himmel und die Welten zahllos wiederholt." - "Warum sollte die Natur mit Untergängen geizen, da sie mit Aufgängen und Schöpfungen wuchert?" - "Eigentlich macht jeder eine Seelwanderung schon vor dem Tod durch seinen eignen Leib, der sich alle drei Jahre in einen anderen verwandelt; vom Körper aus der Kindheit ist zum Körper im Hochalter vielleicht ebensoweit als von beiden in einen Tierleib."

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Die Theologie ist deshalb die einzige Wissenschaft ohne Beweise, weil sie als einzige einen Zugang zur Wahrheit hat.

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Benjamin Brittens "Simple Symphony" hat viel von der praktischen, zupackenden angelsächsischen Art, weist aber auch auf die mediterranen Wurzeln englischer Kultur. Schon als 14jähriger hatte Britten Kammer- und Orchestermusik komponiert. Die 1934 uraufgeführte Sinfonie des damals 21jährigen sollte die Unschuld der Kindheit bewahren. Schade, dass man oft so wenig Geschriebenes aus der Jugend durch die Zeiten retten kann.

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Straßenumfrage eines Hamburger Radiosenders. Reporter: "Welcher Job ist bei einem Mann besonders sexy?" Passantin: "Der von meinem Mann. Der ist Lehrer und viel zu Hause."

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Der Philosoph Metrokles war, so der Historiker Diogenes Laertius, "dermaßen verschüchtert, daß, als ihm einst während der Schulübung ein Wind entfuhr, er sich aus Verzweiflung darüber in sein Zimmer einschloß in der Absicht, sich durch Hunger das Leben zu nehmen." Sein Schwager und Kollege Krates rettete ihn, indem er sich "zu ihm begab, nachdem er absichtlich zuvor Bohnen gegessen hatte."

 

 

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