Adventskranz, Barbarazweige, Quempassingen

Dienstag, 11. Dezember 2012

In der Vorweihnachtszeit pflegen Christen viele Traditionen, deren tieferer Sinn längst nicht mehr allen vertraut ist.

Mistelzweige

Die Mistel war schon Kelten und Germanen heilig. Der Brauch, Zweige der Schmarotzerpflanze vor Weihnachten an der Zimmerdecke aufzuhängen, stammt ebenso aus Altengland wie die Verpflichtung, dass Mädchen sich darunter küssen lassen müssen. Beides hat mit einem alten Fruchtbarkeitszauber zu tun. In Deutschland bürgert sich die Sitte erst etwa seit 1900 ein, ist mehr Mode als Volksbrauch. Aberglaube: Die Pflanze schützt vor Unglück, hält Hexen fern, wehrt Blitze ab, macht als Amulett hieb- und stichfest, bringt Glück ins Haus, läßt Schätze finden. Christlich: Schon König David soll die Mistel als Heilmittel gegen Epilepsie entdeckt haben.

Barbarazweige

Die junge Christin aus Nikomedien wird nach der Legende von ihrem eigenen Vater verraten, stirbt 306 n.Chr. als Märtyrerin. Die katholische Kirche feiert ihr Fest am 4.Dezember. Christen stellen schon seit dem 15.Jh. an diesem Tag Zweige von Forsythien, Obstbäumen oder Birken in warmes Wasser. Sie sollen bis Weihnachten blühen und so daran erinnern, dass der Glaube auch im Dunkel des Todes gedeiht. Aberglaube: Barbarazweige schützen vor Blitzschlag, sichern gute Ernten, bringen Bräutigam ins Haus. Christlich: Barbara ist vielfache Schutzpatronin, z.B. Bau- und Bergleute, Mädchen, Metzger, Soldaten, außerdem Begleiterin des hl. Nikolaus.

Quempas-Singen

Im 15.Jahrhundert beginnen deutsche Gläubige in den Kirchen das Weihnachtslied „Quem pastores laudavere“ – „Den die Hirten lobeten sehre“ zu singen, ursprünglich im Wechselgesang verschiedener Gruppen der Gemeinde. Aus der Abkürzung des lateinischen Titels entstand der Begriff des „Quempas“-Singens. Festlicher Höhepunkt ist der Einzug singender Kinder mit brennenden Kerzen in die Kirche. In vielen Kirchen singen Kinder den Quempas aus allen vier Ecken des Kirchenschiffs singen. Kein Aberglaube - der gesungene Lobpreis des Schöpfers ist für Kirchgänger aller Konfessionen wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes.

Farbkerzen

Wachslichter sollen in germanischer Zeit den Toten leuchten, die im Mittwinter ihre alten Häuser besuchen. Das Christentum ersetzt sie durch das Weihnachtslicht. Es brennt für den an Heiligabend erwarteten Besuch der Engel. Grün symbolisiert die Hoffnung, Rot die Liebe Christi, Weiß seine Unschuld. Früher zündeten Christen jeden Tag eine Kerze an, bis 24 Lichter brannten. Heute bleibt es bei vier Kerzen auf dem Adventskranz. Aberglaube: Lichter schützen gegen Hexen, Spuk, Blitz, Krankheit. Christlich: Die Kerze ist Attribut mehrerer Heiliger, z.B. des Bischofs Blasius von Sebaste, dessen Segen in katholischen Kirchen gegen Halskrankheiten ausgespendet wird.

Adventskranz

Die Kränze der alten Germanen versinnbildlichen die wiedererwachte Kraft der Vegetation und werden in den zwölf Rauhnächten Ende Dezember gewunden. Das Christentum übernimmt den Brauch, legt ihn an den Anfang des Monats. Hamburgs ersten Adventskranz hängt Pastor Johann Hinrich Wichern 1838 im Rauhen Haus zu Hamburg-Hamm in den Kapellenraum. Aberglaube: Kränze vertreiben böse Geister, die in den längsten Nächten des Jahres besonders heftig ihr Unwesen treiben. Form und Farbe beschützen Mensch und Tier vor Unglück und Krankheit. Christlich: Adventskränze symbolisieren das freudige Warten und Wachen bis zur Ankunft des Erlösers. Private Adventsfeiern setzten sich ab 1850 durch.

Haustür-Schmuck

Der Brauch, das Haus mit immergrünem Zweigen zu schmücken, läßt sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Mit der Missionierung des Nordens durch St. Ansgar erhält die germanische Sitte eine christliche Bedeutung. Besonders beliebt sind Buchsbaumkränzchen, aber auch Wacholder, Efeu, Eibe, Rosmarin, Kronsbeere, Stechpalme, Mistel und Tannengrün. Hamburger Lehrlinge schenken guten Kunden noch um 1900 grüne, mit Knittergold und Bändern verzierte Zweige. Aberglaube: Kranz kürzt Winter ab, zaubert verschwundene Vegetation herbei. Christlich: Kränze sind Attribute mehrere Heiliger, darunter der Kaiserin Helena, die 324 auf einer Wallfahrt ins Heilige Land das Kreuz Christi wiederfand.

Nikolaus

Der Bischof von Myra (Kleinasien) aus dem 4.Jh. wurde 200 Jahre nach seinem Tod zunächst nur im Osten zum volkstümlichen Heiligen. Im 8.Jh. kommt sein Kult nach Rom, im 10.Jh.über die Alpen und im 12.Jh. nach Norddeutschland. Erst im 16.Jh. entwickelt sich der Brauch, in seinem Namen Kinder zu beschenken. Ursprünglich gibt es nur Obst und Gebäck. In Norddeutschland ersetzte der Nikolaus zeitweise sogar den Heiligen Abend als Tag der Bescherung. Aberglaube: Wandelt sich im 19.Jh. zum Weihnachtsmann („Santa Claus“). Christlich: St. Nikolaus ist Patron z.B. der Anwälte, Apotheker, Bauern, Brauer, Feuerwehrleute, Fischer, Notare, Textil- und Weinhändler.

Santa Lucia

Die Märtyrerin aus Syrakus wird im Jahr 303 enthauptet, weil sie ein christliches Keuschheitsgelübde abgelegt hat. Ihr Gedenken (13.Dezember) fällt nach dem alten Kalender (bis zur Reform, 1582) auf den kürzesten Tag des Jahres. Seit dem 16.Jh. wird die populäre Heilige, auch wegen ihres Namens ("die Lichtvolle"), besonders im Norden mit Umzügen, Lichtsymbolen und abgeschnittenen Zweigen geehrt. Aberglaube: Luciennächte sind Orakelnächte; wer abends nichts ißt, sieht im Traum seine zukünftige Partnerin. Die zwölf Tage bis Weihnachten zeigen das Wetter des nächsten Jahres. Christlich: Patronin u.a. der Bauern, Blinden, Glaser, Notare, Schreiber, Türsteher und reuigen Prostituierten.

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt