Alle wahre Kunst ist Religion

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Ja so warn‘s, die alten Rittersleut. In Ariosts berühmtem Renaissance-Epos "Der rasende Roland" aus dem Jahr 1516 ist der wackere Sarazenenkönig Sacripant in die schöne Prinzessin Angelica aus dem fernen Cathay verliebt. Doch als er sich in einem tiefen Wald der Angebeteten ernstlich nähern will, taucht plötzlich ein fremder Ritter störend auf. Der Kampf ist kurz, die Schmach umso größer, denn Sacripant wird vor den Augen der Prinzessin glatt über den Haufen geritten. Schlimmer noch: Wie sich herausstellt, ist er von einer Frau besiegt worden, der Christenheldin Bradamante, die ungerührt weiterreitet. Wird der Sarazene ob der Blamage schimpfen, schelten, toben, rasen, seinem Schicksal fluchen? Nichts von alledem:

  "Er sann umsonst dem, was sich zugetragen,

  Gar lang und ernstlich nach, und fand zuletzt

  Sich immer doch von einer Frau geschlagen,

  Was mehr und mehr in Kummer ihn versetzt.

  Ganz in der Still und ohn ein Wort zu sagen

  Besteigt er dann das andre Pferd und setzt

  Die Schöne hintenauf, den Vorsatz hegend

  Des fröhlichen Gebrauchs in stillrer Gegend."

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Der Mensch kann sich erst finden, wenn er sich nicht mehr sucht.

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Hindemiths Sinfonie "Mathis der Maler" preist die Reinheit der Kunst, die, wenn echt und wahr, stets wie neugeboren wirkt. Das Wissen baut auf Erkennen und Erfahren, die Kunst auf Ahnen und Verstehen. Darum zeigt das Wissen die Welt, die Kunst aber den Menschen. Fanfaren ehren den menschlichen Geist als Abglanz des göttlichen: Alle wahre Kunst ist Religion. Umso verhasster musste Hindemith den Nazis sein; sie nannten die Werke des bedeutendsten deutschen Komponisten des Jahrhunderts "entartet". Die Sinfonie entstand als Nebenprodukt zur Oper über Matthias Grünewald und die Bauernkriege. Die drei Sätze sind den Bildtafeln des "Isenheimer Altars" zugeordnet: Engelkonzert, Grablegung, Versuchung des heiligen Antonius.

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Die Alsterdorfer Straße in Hamburg-Winterhude schmal und vielbefahren. Besonders vor einer Schule staut sich morgens der Berufsverkehr, weil immer wieder Eltern zum Abliefern ihrer Kinder in der zweiten Reihe halten oder sogar parken. Diesmal blockiert ein parkender SUV die halbe Straße. Zum Glück kommt ein Streifenwagen vorbei. Können die Beamten den Verkehr schnell wieder flott kriegen? Das Gegenteil ist der Fall: Sie stellen ihren Streifenwagen genau neben dem SUV ab. Nun sind beide Fahrtrichtungen versperrt, und der Verkehr kommt vollständig zum Erliegen. Ein Beamter steigt aus und schreibt den Parksünder in aller Seelenruhe auf. Einer der wartenden Autofahrer kurbelt das Fenster herunter und macht einen Vorschlag: „Fahren Sie Ihren Streifenwagen doch bitte ein paar Meter weiter, damit wenigstens eine Spur frei bleibt.“ Antwort: „Lassen Sie uns hier unsere Arbeit machen!" Nach fünf Minuten ist die Schlange in beiden Richtungen fast hundert Meter lang. Der Falschparker steht immer noch da. Die Polizisten fahren unerschrocken weiter. Die Goethe: „Das größte Bedürfnis des Staats ist das einer mutigen Obrigkeit.“

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Laurence Sterne, "Yoricks empfindsame Reise: "Ein Mann, der eine gute Nachtruhe zu schätzen weiß, wird sich mit keiner Feindschaft im Herzen nieder legen, wenn er es ändern kann."

 

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