„Bei Gott, dieses Kind weint niemals“

Freitag, 14. Dezember 2012

Baby-Alarm bei Prinzessin Kate. In den gut 1200 Jahren der englischen Monarchie kommen mehrere hundert potentielle Thronerben zur Welt, doch nur 75 schaffen es tatsächlich – unter oft ungewöhnlichen Umständen.   

William I. (1027/28-1087) wird „Bastard“ genannt, denn seine Mutter ist nur die Tochter eines Gerbers. Sein Vater Robert, Herzog der Normannen, macht ihn trotzdem zum Nachfolger. Der Sohn sitzt schon mit sieben Jahren auf dem Thron der Normandie. Mit 39 erobert er England und wird auch dort König.

Richard II. (1367-1400) ist nur der zweite Sohn seines Vaters, des berühmten „Schwarzen Prinzen“. Doch weil er am Dreikönigstag zur Welt kommt und an seiner Wiege auch tatsächlich drei Könige stehen, prophezeit ihm der Aberglaube schon bald die Krone – zu Recht: Mit zehn Jahren ist er King.

Henry VI. (1421-1471) wächst praktisch ohne Eltern auf: Sein Vater stirbt wenige Monate nach seiner Geburt, seine Mutter wird systematisch von ihrem Baby ferngehalten, weil sie eine Prinzessin aus dem verhassten Frankreich ist. Schon mit acht Jahren wird er gekrönt.

Edward V. (1470-1483) ist sogar schon mit fünf Jahren Herrscher, verliert den Thron aber acht Jahre später an seinen Rivalen Richard III. und wird als Gefangener im Tower ermordet.

Heinrich VII. (1457-1509) kommt zur Welt, als sein Vater schon tot ist. Seine Mutter ist erst 13 Jahre alt. Sein Anspruch auf die Krone ist umstritten und er flieht ins Exil. Sein Sieg über Richard III. beendet später die berühmten „Rosenkriege“ zwischen den Adelshäusern Lancaster und York.

Edward VI. (1537-1553), der einzige legitime Sohn Heinrichs VIII., des mörderischen „Blaubart“ auf dem Königsthron, wird mit neun Jahren König, stirbt aber schon sechs Jahre später.   

Mary I. (1516-1558) ist die ältere der beiden Töchter Heinrichs VIII. Als man dem Herrscher mit der Einschränkung gratuliert, „ein Sohn wäre noch erfreulicher gewesen“, antwortet er, er sei stolz auf das Mädchen: „Bei Gott, dieses Kind weint niemals.“ Sie wird die erste Königin, die wirklich herrscht. Weil die fanatische Katholikin viele Protestanten hinrichten lässt, wird sie „die Blutige“ genannt.

Charles II. (1630-1685) kommt zur Welt, als am Himmel eine Supernova leuchtet. Anhänger deuten den Stern als Himmelszeichen für eine glückliche Regentschaft. Seine Mutter sagt über das Baby: „Ich schäme mich, weil er so hässlich ist, aber seine Größe und Beleibtheit machen das wieder wett.“ Auch er muss ständig um seine Krone kämpfen. Zweimal flieht er ins Ausland. Er zeugt 350 illegitime Kinder.

Mary II. (1662-1694) ist Tochter eines Herzogs, der später König wird, doch ihre Geburt, so ein Chronist, „erfreute niemanden“, da ein Mädchen damals nicht viel galt. Von ihren sieben Geschwistern sterben sechs im Kindesalter.

William III. (1650-1702) kommt acht Tage nach dem frühen Tod seines Vaters in den Niederlanden zur Welt. Nach seiner Hochzeit mit Mary II. wird er in einer bis heute in Europa einzigartigen Doppelkrönung König von England. Er stirbt nach einem Sturz vom Pferd.

George III. (1738-1820) ist ein Siebenmonatskind. Wegen der damals sehr geringen Überlebenschancen wird er noch am gleichen Tag getauft. Doch das Frühchen strampelt sich durch, und die Taufe wird einen Monat später öffentlich wiederholt.

Georg VI. (1895-1952) kommt als Zweitgeborener zur Welt, wird aus Angst vor dem überstrengen Vater zum Stotterer und steigt auf den Thron, als sein älterer Bruder Edward VIII. wegen seiner Liebe zu der zweimal geschiedenen Amerikanerin Wally Simpson abdanken muss.

Elizabeth II. kommt 1926 im Palast ihres Großvaters mütterlicherseits, Claude Bowes-Lyon, 14. Earl of Strathmore and Kinghorne, zur Welt. Der britische Innenminister Sir William Joynson-Hicks sitzt in seiner Eigenschaft als oberster Polizeiherr des Landes mehrere Stunden lang in einem Nebenzimmer, um die Wehen und die Schmerzensschreie bei der Geburt bezeugen zu können. Der Brauch stammt aus dem 17. Jahrhundert und soll verhindern, dass per Bettpfanne ein falsches Baby untergeschoben wird.

Prinz Charles (*1948) ist bei seiner Geburt Nr. 2 der Thronfolge nach seiner Mutter und seit ihrer Krönung 1952 die Nr.1. Auf den Plätzen 2 und 3 steht jetzt seine Söhne William (*1982) und Harry (*1984). Kates Kind, Mädchen oder Junge, wird die neue Nummer 3.

 

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