„Die Tattoos von meiner Mama…“

Samstag, 15. Dezember 2012

Rimbaud in "Une Saison en Enfer": "Aus der immergleichen Wüste, in die immergleiche Nacht hinein, erwachen meine müden Augen mit dem Silberstern, ohne daß die Könige des Lebens, die drei Magier, gerührt wären, das Herz, die Seele, der Geist. Wann werden wir, über die Gestade und Berge hinweg, die Geburt der neuen Arbeit begrüßen, die neue Weisheit, die Flucht der Tyrannen und Dämonen, das Ende des Aberglaubens, und anbeten - als die Ersten! - Weihnacht auf Erden!" Aus einem Kommentar: "An Pariser Häuserwänden standen im Mai 1968 für die Ideale, das Leben zu verändern und der Phantasie zur Macht zu verhelfen, die Namen Rimbaud und Hölderlin." Rimbaud schrieb seine Dichtungen ab 1870 als Sechzehn- bis Zwanzigjähriger. Danach kein Wort mehr. Hölderlin klagte im November 1795 als junger Theologe: "Weil ich nun nicht gerade in einer öffentlichen Beschäftigung begriffen bin, so muss ich erwarten, mit nächstem, besonders, da die Weihnachtsfeiertage heranrücken, zu einem Pfarrer geschickt zu werden, um ihn zu unterstützen, wenn ich nicht indess oder doch unmittelbar nach diesem Termin irgend ein anderes legitimes Verhältnis eingehe."

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Ein besonderer Vorzug der Weisheit ist, dass sie niemals Streit sucht. Streit kann fruchtbar sein, aber niemals weise.

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Liszt, Préludes: Morgennebel über dunklem Tann, noch klammert sich die Nacht an die Täler, nur widerstrebend dient ihr ein angstvoller Wind. Chthonische Mächte herrschen über die Welt. Doch plötzlich tritt eine stärkere Gewalt in die Gegenwart: Der Aufgang der Siegerin Sonne reißt Farbe, Form und Perspektive aus der Finsternis, wiederholt Gottes Schöpfung im Maß der Zeit. Das zarte Gewebe der organischen Natur tanzt im Glanz des ewigen Feuers, mit dem Licht hilft auch Wärme dem Leben. Es ist die Stunde, die aus Gedanken Gestalten, aus Fantasien Felsen, aus Ahnung Wissen und aus Gläubigen Selige macht. - Die Nazis missbrauchen diese Klänge für ihre Wehrmachtsberichte. Sie verstehen nichts von wirklicher Kunst, wissen ihre Wirkung aber mit perfider Schläue zu nutzen. Nach Hitlers Selbstmord sendet der Reichsrundfunk das Adagio aus Bruckners siebter Symphonie.

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Neues aus deutschen Tattoo-Studios: „Ich komme in den Himmel, in der Hölle bin ich schon.“ – Über dem Penis: „Kein Trinkwasser!“ Auf der Hinterbacke zum Logo der Stadtwerke: „Gas abgestellt.“ Und: „Die Tattoos von meiner Mama sind geiler als die von Deiner!“

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Hebbel: „Die Höhe der Kultur ist die einzige, zu der viele Schritte hinaufführen und nur ein einziger hinunter.“

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