„Der Wein ist das Symbol des Blutes“

Sonntag, 16. Dezember 2012

Ernst Jünger, „Dalmatinischer Aufenthalt“: „Steinbrüche und Bergwerke sind die ältesten Bauten der Welt, und vielleicht nicht ohne Grund die einzigen, bei denen von einer Arbeit des Menschengeschlechtes als solchem gesprochen werden kann.“ - „Der Stein steht in einem besonderen Verhältnis zur Zeit. Er stellt im Körper der Erde das Knochengerüst dar, das allen Verwandlungen in geringerem Maße unterliegt. Von Steinen umgeben, spürt man den Atem der längeren Kreisläufe, und der Augenblick fliegt wie im saturnischen Alter dahin.“ - „Es gibt wenige Dinge, denen wir uns so ganz ohne Langeweile hingeben können, und die das Heer der Gedanken zerstreuen, dessen unablässigem Angriff wir in unseren Städten unterworfen sind. Hinzu gehört die Betrachtung des flackernden Feuers, der Anblick der wirbelnden Schneeflocken und der dunkle, brausende Ton, mit dem die Welle am Strande sich überschlägt.“ - „Die wahre Faulheit gehört zu den paradiesischen Tugenden, deren bei uns zu Lande nur noch die Katzen teilhaftig sind.“ - „Der Wein ist das Symbol des Blutes, das den Geist der gefallenen Helden beschwört.“ - „Wir besitzen ein zweites, feineres und tieferes Gedächtnis, das sich über die Stunden des Rausches wie über eine glühende Kette fortpflanzt, und das während des gewöhnlichen Lebens versinkt.“ - „Das Wunderbare ruft in uns kein Erstaunen hervor, denn das Wunderbare ist uns am tiefsten vertraut. Das eigentliche Glück, das uns die Natur bereitet, liegt darin, dass wir die Wirklichkeit unserer Träume bestätigt finden.“ - „Man hat schon häufig versucht, und versucht es immer wieder, den Unterschied zwischen unserer nördlicheren Welt und der des Mittelmeeres in Gleichnisse zu fassen, und hat Gegensätze wie die zwischen Form und Bewegung, Sinne und Nebel, der Zypresse und der Eiche, dem flachen und dem spitzen Dache beigebracht. Ich glaube, dass die Gegenüberstellung der Zisterne und der Quelle es mit ihnen aufnehmen kann.“ Ein Philosoph dächte wohl auch an ein Gleichnis Wohlstand – Freiheit.  

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Freiheit ist nicht nur zum Nehmen, sondern auch zum Geben da.

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Mit Sergej Prokofiews 1.Sinfonie D-Dur assoziiert sich leicht ein mittelalterliches Handelsschifflein, das von bewegter See einen kleinen Hafen erreicht und dort mit seinen Gütern einen fröhlichen Markt bereichert. Das Schiffsvolk mischt sich in eine bunte Menge aus aller Herren Länder; das Gewühl ordnet sich unbewusst im immergleichen Takt der Freuden und Begierden. Die Uraufführung leitet 1918 der 27-jährige Komponist selbst, im damaligen Petrograd. Er ist ein Schüler Rimski-Korsakows und ein Bekannter Strawinskys, lebt in Japan, in den USA und in Paris - und kehrt doch in die Sowjetunion zurück, wo er zu Stalins 60. Geburtstag einen "Trinkspruch" komponiert. Ahnungslos, getäuscht, korrumpiert? Auch Moral ist eine Komponente der künstlerischen Qualität, doch steht es Nachgeborenen nicht zu, sich über Betroffene so zu erheben, als hätten sie es selbst besser gemacht. Die Sinfonie entsteht während eines Aufenthalts auf dem Lande; sie verrät auch Prokofiews Vorliebe für Haydn. Stalin stirbt am 2.März 1953, Prokofiew drei Tage später.  

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In einem feinen Familienclub in Hamburg-Uhlenhorst bekamen sich im Sommer Eltern und Nicht-Eltern in die nassen Haare: Die Kinderlosen fühlten sich von lebhaften Lautäußerungen der kleinen Wasserratten gestört, wollten lieber ohne Ablenkung ihre Bahnen ziehen. Jetzt hatten ihre Beschwerden beim Management ungewöhnlich großen Erfolg: Statt die Pools, wie von beiden Streitparteien gewünscht, von einem Bademeister überwachen zu lassen, müssen Kinder künftig an Schönwettertagen ab 15 Uhr komplett ins Hallenbad umziehen. Schöne Bescherung. Stanislaw Jerzy Lec: „Etwas ist faul im Staate Dänemark. Oh wie riesengroß ist Dänemark!“

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Henry Miller, „Wendekreis des Krebses“: „Man kann fast überall schlafen, aber zum Arbeiten muss man einen Platz haben.“

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