„Wir müssen uns nicht duzen!“

Montag, 17. Dezember 2012

Sendungen von Sonntag, 16.Dezember 2012

Nach dem Tatort „Das goldene Band“ spricht ARD-Talkmaster Günter Jauch mit Gästen über „Tatort Rotlichtmilieu – wie brutal ist das Geschäft mit dem Sex?“ und die Legalisierung der Prostitution 2002 durch die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Schröder. Auszüge:

Jauch: „Frau Künast, ist für Sie eine freiwillige Prostitution vorstellbar?“

Ex-Bundesministerin Sabine Künast (Grüne): „Es scheint sie zu geben. Im Übrigen haben wir für die Fälle das Prostitutionsgesetz gemacht. Das hat null mit dem zu tun, was jetzt hier in den beiden Tatort-Folgen gezeigt wurde. Das sind unterschiedliche Tatbestände, auch wenn Alice Schwarzer das jetzt gleich wieder negieren wird. Alter Streit.“

Alice Schwarzer zu einem ebenfalls eingeladenen Bordellbesitzer aus Stuttgart: „Sie sind das letzte Glied einer langen Kette von Verbrechern. Sie sind in Deutschland kein Verbrecher – da können Sie sich bei Frau Künast und anderen bedanken -, weil, wir haben eine Gesetzeslage, wo Sie das, was Sie tun, tun dürfen.“

Jauch: „War das vielleicht ein gut gemeintes Gesetz, was aber danebengegangen ist?“

Künast: „Ne, ich stehe zu dem Gesetz, weil ich glaube, dass es mit dem Menschenhandel keinen Zusammenhang gibt. Ich kenne keine Zahlen, die das belegen.“

Schwarzer: „Die gesamte Prostitution ist vom Rotlichtmilieu untrennbar. Renate, ich wundere mich sehr, dass du das nicht weißt.“

Künast: „Doch.“

Schwarzer. „Ja, das müsstest du eigentlich wissen! Prostitution und Menschenhandel sind untrennbar.“

Künast: „Ich habe auch nicht bestritten, das zu wissen, meine Liebe!“

Schwarzer: „Ich wundere mich, dass du nicht endlich mal ein bisschen selbstkritisch darüber redest, denn was ihr da angerichtet habt, ist eine Katastrophe. Jeder, der von der Sache etwas verstand, hat gewarnt vor dieser Freigabe der Prostitution. Seit der von euch eingeführten Gesetzlosigkeit, die von der Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger stramm weiter verteidigt wird, werden diese Zustände aufrechterhalten.“

Jauch: „Also Frau Leutheusser-Schnarrenberger scheint auch Ihr Feindbild zu sein…“

Schwarzer: „Ja, natürlich! Deutschland ist ein Eldorado der Zuhälter, der Bordelliers und der Menschenhändler.“

Künast: „Darf ich mich auch mal melden? Es weiß ja keiner von uns genau, warum Frauen der Prostitution nachgehen.“

Schwarzer: „Doch, das wissen wir!“

Künast: „Zwangsprostitution und Menschenhandel sind nie legal gewesen.“

Schwarzer: „Das lässt sich doch überhaupt nicht trennen!“

Künast zu dem Bordellbesitzer: „Sie kommen um den Punkt nicht herum, dass es Armutsmigration aus Rumänien gibt…“

Schwarzer: „Die kann es nur dank eures Gesetzes geben, Renate! Wie lange willst du das noch leugnen!““

Künast: „Wir müssen uns nicht duzen!“

Schwarzer: „Wir können aber. Wir haben’s ja immer getan.“

Jauch: „Wird das jetzt aufgekündigt hier?“

Künast: „Langsam versteht das kein Mensch mehr.“

Schwarzer: „Doch, doch, doch, so doof sind die Menschen nicht.“

Jauch: „Im Moment versteht man das ganz gut.“

Schwarzer: „Ich möchte mal was zu dieser Strategie der Gesellschaftsfähigkeit sagen, dass also Anwälte und hohe Politiker sich die Hand schütteln…“

Künast: „Da war kein Politiker dabei.“

Schwarzer: „Es wurde aber einer erwähnt. Das ist ja eines der großen Probleme: die Gesellschaftsfähigkeit der Prostitution. Zum Beispiel in Pulheim bei Köln. Da ist jetzt ein Bordell-Mitarbeiter, der Bruder des Bordellbesitzers, Karnevalsprinz geworden. Der Prinz aus dem Puff. Das erste, was der angekündigt hat, öffentlich: Ich gehe gleich mit meinem ganzen Geschirr‘ – also allem, was zu so ’nem Prinzen noch gehört – gleich am 3.Januar zum Tabledance ins ‚Pascha‘. Was denken sich eigentlich die Ehefrauen dieser Männer?“

Jauch: „Frau Künast, das kann die Politik nicht auch noch regeln, was die Ehefrauen sich dabei denken?“

Schwarzer: „Nein…“

Künast: „Ich heiße Künast!“

Schwarzer: „Aber die Politik…“

Künast: „Vielleicht wäre es ja schön, wenn manche…“

Schwarzer: „Moment! Aber die Politik kann ein gesellschaftliches Klima…“

Künast: „Darf mal jemand anders reden?“

Schwarzer: „…der Akzeptanz oder der Ächtung schaffen.“

Jauch: „So. Jetzt Frau Künast.“

Künast: „An der Stelle ist auch die Frage, wer diesen Karnevalsprinzen dann noch hofiert, und ob der Bürgermeister ihn vielleicht auch noch empfängt. Dann wird’s wirklich putzig. Was mir auf den Nägeln brennt, ist diese Europaratskonvention gegen den Menschenhandel. Da sind auch ein paar Maßnahmen drin: mehr Rechte für die Polizei, Betretungs- und Kontrollrechte…“

Schwarzer: „Die habt ihr ja abgeschafft.“

Jauch: „Herzlichen Dank für die lebendige Diskussion, bei der ich doch hoffe, dass sie nicht in die Aufkündigung einer, wie ich den Eindruck hatte, langjährigen Freundschaft gemündet ist. Ist das so?“

Schwarzer: „Na, sagen wir mal: Duzschaft.“

Künast: „Duzschaft.“

Jauch: „Ich lade Sie herzlich ein, das weiter bei alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken zu diskutieren.“

The show must go on.

*

In der gleichen Sendung sagen über die in dem Krimi nachempfundene Rotlicht-Connection in Hannovers Upperclass

Jauch: „Es gibt diese Bilder von dem sehr dominant auftretenden Anwalt im ‚Tatort‘, und es gibt im richtigen Hannover den Herrn von Fromberg, der selbstverständlich nichts mit den Dingen zu tun hat, die wir gerade im ‚Tatort’ gesehen haben, aber der begleitet hier einen sogenannten Rocker-Frieden, medienwirksam, ist ein Freund von Ex-Kanzler Schröder, der bei ihm mal Sozius in der Kanzler war…“

Leitender Kriminaldirektor Christian Zahel (LKA), „Das finde ich auch nicht gut.“

Jauch: „Ob wir es gut oder schlecht finden, ist was anderes, aber ist das problematisch aus Ihrer Sicht?“

Zahel: „Natürlich ist das problematisch. Nach diesen Bildern sind wir, ich will es mal vorsichtig formulieren, konsequent eingeschritten und haben gesagt, das wollen wir nicht mehr haben, dass sich da zwei Leute treffen, um den sogenannten Rocker-Frieden zu schließen, als wenn da zwei staatliche Organisationen… Das sind Verbrecher, die das machen. Vorbestrafte Verbrecher. Und denen wir eine Bühne gegeben von dem Herrn Fromberg, der sich mit denen trifft.“

Jauch: „Aber die scheinen doch in der besseren Gesellschaft mittlerweile wohlgelitten zu sein. Gibt’s da Berührungspunkte?“

Zahel: „Nicht mehr, weil, das ist eine Frage der Ethik. Es ist so gewesen, dass die Leute da gern hingegangen sind, das war ja vermeintlich legal: Prostitution ist legal, andere Erwerbszweige sind legal, und da muss man einfach sagen, und das haben wir jetzt geschafft: Leute, wer da hingeht, finanziert die Organisierte Kriminalität!“

ARD-Pressetext: „Der ‚Tatort‘ ist erfolgreich, weil er realistisch ist.“

*

 

TV-SPRÜCHE

„Das ist ja der Hammer! Du bist lesbisch und wohnst in einer Sackstraße!“

Guido Maria Kretschmer in „Shopping Queen“ (VOX) zu Ramona Leiß

„Immobilienmakler ist der Beruf mit dem geringsten Ansehen, noch unter den Prostituierten. Klar, für Prostitution muss man ja was können!“

„Große Wohnungen berechnet man mit der Einheit Quadratmeter, kleinere Flächen mit der Einheit Quadratzentimeter und die Qualität des Maklers mit der Einheit Quadratnull!“

„Wenn die Wohnung an der Leichenhalle vom Friedhof liegt, heißt das in der Maklersprache ‚ruhige Nachbarschaft‘!“

„Wenn die Bude neben einer Müllkippe liegt, heißt das: ‚Alle Dinge des täglichen Bedarfs befinden sich in unmittelbarer Nähe!“

Richard Rogler in „Stratmanns – Das Kneipentheater im Pott“ (WDR)

 „Hallo! Ich bin halb Türke, halb Araber und der Grund, warum es jetzt beim Einchecken immer so lange dauert!“

„Gestern wollte wieder kein Mensch mit mir fliegen! Ganz allein saß ich im Kettenkarussell…“

„Es wäre toll, wen ich vor deutschen Diskotheken nicht mehr weggeschickt werde, weil ich Araber bin, sondern nur, weil ich scheiße aussehe!“

Kaya Yanar in „Was guckst du?“ (SAT.1)

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt