„Dieser Bettkuckuck behält immer das letzte Wort!“

Montag, 17. Dezember 2012

Michail Scholochow, "Der stille Don": "In fremder Tasche kann man schwer das Geld zählen." - "Er kannte des Vaters Eigensinn: Der war wie eine Ulme, die sich wohl bog, doch von niemand gebogen werden konnte." - "Was vom Wagen gefallen ist, ist eben verloren." - "Hat der Lebensstrom einmal sein Bett verlassen, dann teilt er sich in viele Arme. Schwer ist es dann, vorauszusagen, durch welchen Arm er seinen trügerischen, ränkevollen Lauf fortsetzen wird. Dort, wo das Leben ganz seicht geworden ist, seicht wie ein Flüßchen im Sommer, so seicht, daß man den unschönen, kläglichen Grund sieht, dort fließt es schon am nächsten Morgen stürmisch und üppig weiter." - "Eine Träne, die gefallen ist, kann man nicht mehr aufheben." - "Wo keine Wolken sind, kann es auch nicht donnern." - "Ein Greislein ist in der Wirtschaft mehr als ein junges Weiblein." - "Je wilder sie in der Jugend waren, umso mehr verstecken sie sich später hinter Gott." - "Bei einem räudigen Schaf freut einen auch das kleinste Wollbüschelchen." - "Wen man nicht erwischt hat, der ist kein Dieb." - "Das größte Laster Andrejanows war zweifellos seine Geschwätzigkeit, jene hemmungslose, schreckliche Geschwätzigkeit alter Leute, an der manche redseligen Dummköpfe leiden, wenn die in die Jahre kommen und dabei von Jugend an gewöhnt sind, sich über alles leicht und oberflächlich ein Urteil zu bilden." - "Mancher Kosak möchte vielleicht gar nicht an die Front, denkt, er könne sich vor dem Krieg drücken - wird der jetzt vielleicht zu Hause bleiben können? Das Weib wird ihm doch dauernd die Ohren vollsummen! Und dieser Bettkuckuck behält ja immer das letzte Wort!" - "Die Steppe ist weit, aber der Weg ist schmal."

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Mit 20 freut man sich, daß die Kindheit vorbei ist. Mit 50 beginnt man es zu bedauern.

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Hindemiths "Sinfonische Metamorphosen" über Themen von Carl Maria von Weber: Geister unterschiedlichster Äonen reihen sich in eine Marschkolonne ein, die tief ins Reich der Ewigkeit dringt. Kraft kämpft gegen Schwinden. Dem Ewigen zu unterliegen ist fröhlicher Sieg: Die Recken des Logos reiten im Flammenschein Gottes zu glücklichem Untergang. In ihm löst und befreit sich das von der Schöpfung Gefasste, das immer auch Gefesseltes ist. Der Komponist schuf das Werk 1943; es geht auf ein Ballettprojekt aus dem Jahr 1940 zurück, das gescheitert war, weil Hindemith den vorgesehenen Bühnenbildner vehement ablehnte: Salvador Dali.

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Vor Weihnachten fühlt sich auch mancher Verseschmied herausgefordert. Kostproben aus dem Internet:

„Der Baum verbrannt, Geschenk vergessen, auch die Gans schon aufgefressen, auf dem Tisch nur blöde Gaben, na dann schönen Heiligabend!“

„Findet der Bauer Lametta im Essen, weiß er: Er soll das Geschenk nicht vergessen!“

„Lieber guter Weihnachtsmann, weiß ja, wer du bist: Heute fährst du Schlitten, morgen wieder Mist!“

„Ich mag Beerenpunsch: Nach fünf Uhr hab‘ ich keinen Wunsch!“

„Rudolf mit der roten Nase hat viel Glühwein in der Blase!“

„Gestern hab ich das Christkind gesehen! Es stand an der Bar und konnte kaum stehen. Auf Geschenke braucht ihr nicht hoffen: es hat das ganze Geld versoffen!“

„Advent, Advent, dein Handy brennt! Erst die Antenne, dann die Tasten und zum Schluss der ganze Kasten. Und ist auch der Akku breit, weißt du: Es ist Weihnachtszeit!“

„Jinglebells und Dingeldong ist der neue Weihnachts-Song. Heissarassa und Juchhee, bade nackig jetzt im Schnee!“

Joachim Ringelnatz: „Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht.“

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Hauptmann, „Der Apostel“: „Er begriff, dass der Mensch das allergefährlichste Ungeziefer sei. Jawohl, das stand außer Zweifel: Städte waren nicht besser als Beulen, Auswüchse der Kultur.“

 

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