„Das Tonband gehört zur Klasse der Präservative“

Dienstag, 18. Dezember 2012

Camus, "Die Pest". "Frage: was tun, um seine Zeit nicht zu verlieren? Antwort: sie in ihrer ganzen Länge auskosten. Mittel: tagelang auf einem unbequemen Stuhl im Wartezimmer eines Zahnarztes sitzen; den Sonntagnachmittag auf seinem Balkon verbringen; Vorträge anhören in einer Sprache, die man nicht versteht; in der Eisenbahn die längsten und umständlichsten Strecken fahren, selbstverständlich stehend; vom Vorverkaufsschalter eines Theaters Schlange stehen und keine Karte lösen usw." - "Dummheit ist immer beharrlich." - "Der edlen Reben Saft bricht der Mikroben Kraft." - "Das Böse in der Welt rührt fast immer von der Unwissenheit her, und der gute Wille kann so viel Schaden anrichten wie die Bosheit, wenn er nicht aufgeklärt ist." - "In meinem Alter ist man ganz von selbst aufrichtig. Lügen macht zu müde." - "Meine Brüder, die Liebe zu Gott ist eine schwierige Liebe. Sie setzt völlige Selbstaufgabe und Selbstverleugnung voraus. Aber er allein vermag das Leiden und Sterben der Kinder auszulöschen; er allein jedenfalls kann es notwendig machen, weil es unmöglich zu verstehen ist und wir es nur wollen können. Das ist die schwierigste Lehre, die ich mit euch teilen wollte. Das ist der in den Augen der Menschen grausame, für Gott jedoch entscheidende Glaube, dem wir uns nähern müssen."

*

Das Leben wurde ohne das Sterben erfunden. Der Tod kam erst mit der Fortpflanzung in die Welt. Erst durch sie entstehen individuelle Lebewesen, die sterben können und müssen. Der Tod ist der Geburtshelfer der Evolution.

*

Gershwins Klavierkonzert F-Dur hat im 3.Satz Allegro molto typisch amerikanisches Tempo. Aus manchen Rhythmen hört man eine Arbeitswelt, in anderen lassen sich Fortschritt und Technik vernehmen, und doch wirkt die Musik keineswegs maschinenhaft. Die Einflüsse Ravels und Strawinskys sind deutlich. Nach der Uraufführung 1925 in New York schrieb eine Kritik: "Gershwin erfindet die Melodien unserer Zeit mit all ihren frechen Hemmungslosigkeiten, ihrem fiebrigen Vorwärtsdrängen, aber auch mit der tiefen Melancholie, der wir so oft ausgeliefert sind."

*

An der Böschung unterhalb der Kennedybrücke in Hamburg schreibt ein grünes Straßenschild in weißer Schrift: "Elke-Lisa-Lienau-Sandweg. Symbole: Weg = führt zurück zum Ursprung; Sand = Unendlichkeit; Lienau = alter Hamburger Familienname; Elke und Lisa = Mutter und Tochter (Augustgeborene = Jungfrau); Erde/Sand = weiblich; Erde verknüpft mit Tierkreis = Jungfrau; = Fülle für noch nicht verwirklichte Möglichkeiten. Fazit und Deutung: Zwei Hamburgerinnen mit der Fülle aller Möglichkeiten auf dem Weg zurück zum Ursprung sprich in die Unendlichkeit!“ Es handelt sich um Ehefrau und Tochter des Künstlers Manfred Ritthoff-Lienau, der rund um die Alster Plastiken aufstellt und Plastikköpfe auf Baumstümpfe nagelt. Ratlose finden Trost bei Friedrich Hebbel (der in Hamburg vergeblich versuchte, das Abitur nachzuholen): „Der Verstand frage im Kunstwerk, aber er antworte nicht!“

*

Ernst Jünger: "Das Tonbandgerät … gehört zur Klasse der Präservative, wie Madame de Stael sie definiert: Spinnweb der Vorsicht, Panzer der Lust. Die eigentliche Frucht des Gesprächs wird durch die Mechanik zerstört."


Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt