Der melancholische Schnaps

Samstag, 22. Dezember 2012

Eichendorff, "Viel Lärmen um nichts": "Er liebte es, in solchen Nächten zu wandeln, womöglich ohne Hut, mit vom Winde verworrenem Haar, und nach behaglich durchschwärmten Tagen seine Seele in der Finsternis mit Verzweiflung aufzublasen, gleichsam einen melancholischen Schnaps zu nehmen." - "Da über die Berge, zwischen den ersten Morgenlichtern sehe ich einen jungen, rüstigen Gesellen wandern, einen grünen Eichenzweig auf dem Hut, die braunen Locken von Tau funkelnd, so frisch und keck, als ging's ins Paradies. Und mir ist, als müßt ich alles liegen lassen und wieder mitreisen." - "Aber Unglück gibt einen tiefen Klang in einem tüchtigen Gemüt." - "Aus jungen Philistern werden alte Philister, und wer dagegen einmal wahrhaft jung gewesen, der bleibt's zeitlebens." - "Denn das Leben ist ja doch nur ein wechselndes Morgenrot, die Ahnungen und Geheimnisse werden mit jedem Schritt nur größer und ernster, bis wir endlich von dem letzten Gipfel die Wälder und Täler hinter uns versinken und vor uns im hellen Sonnenschein das andere Land sehen, das die Jugend meinte."

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Verstandesmensch: Jemand, der glaubt, dass das, was er nicht begreift, gar nicht existieren könne.

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"Schwanensee" als Aufzeichnung einer Aufführung der English National Opera aus dem Jahr 1988. Im 1.Akt folgt dem schwungvollen höfischen Tanz ein ungemein würdevoller Auftritt der Königin. Der Laternenreigen kündigt den Zauber des Irrealen an; hier läßt Tschaikowsky jene Melodie beginnen, die aus Tiefenschichten der Seele dringt und die Tänzer in Archetypen verwandelt. Liebe und Tod nehmen ihre Zwillingsgestalt an. Die Schwäne symbolisieren die guten Kräfte, deren Wirksamkeit indes ein eifersüchtiges Ich beschränkt. Eine zweite ergreifende Melodie trägt den Freiheitswunsch der Tugenden ins Herz, doch ahnt der Geist, dass dieser Wunsch auf Erden unerfüllt bleiben muss. Die Verwandlung der Suchenden in Liebende schenkt Bilder und Melodien von unvergleichlicher Anmut. Auch im 2.Akt charakterisiert enormer Schwung die Hoffnungen der irdischen Welt, doch führt Siegfrieds Tanz die Empfindungen rasch in die dunkle Distanz der Tragödie. Die wunderbare Darbietung weiblicher Schönheit veredelt auch einen rohen Geist. Die schwarzen Kostüme und Klangfarben tragen die Kälte des Abgrunds in die Empfindung. Das Finale der aufgerührten Leidenschaften spiegelt den Seelenzustand eines Erwachenden wider, in dessen Geist sich Traum und Tag trennen. Die Geschichte ist erzählt, doch die Entscheidung noch zu treffen. Jedes Erwachen ist ein kleiner Tod.

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Der Hamburger Schmuckdesigner Jonathan Johnson hält besonders  ungewöhnliche Weihnachtsgeschenke vor: Pretiosen in Form von Exkrementen. Beispiel: Ein Goldkettenanhänger mit dem Wort „Scheiße“. Kommentar des Juweliers: „Andere machen aus Scheiße Gold, wir machen aus Gold Scheiße.“ Die „Welt“: „Kleine Kothaufen zieren Manschettenknöpfe und Ringe“. Der Blog „Modenews“ sieht in der Kollektion „außergewöhnlichen Schmuck mit gesellschaftskritischem Charakter“.

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Zola, "Der Sturm auf die Mühle": "Das ernste Schweigen ihres Vaters hatte sie schon in früher Jugend vernünftig gemacht."


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