Weihnachten in Deutschland

Montag, 24. Dezember 2012

Es sind nicht immer nur die dicken Schlagzeilen, die uns zeigen, wohin die Reise geht. Ebenso viel verraten die kleinen Alltagsgeschichten.

Vorweihnachtliches Kinderfest in einem noblen Hamburger Club. Beim Eintreten erhalten die Eltern einen Flyer mit dem Programm. Eine Mutter liest den Zettel bis zu Ende durch und stößt am Ende auf Kleingedrucktes: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aus Platzgründen nicht allen Drecksblagen Einlass gewähren können.“ Der Direktor, damit konfrontiert, läuft rot an und lässt sofort alle Flyer einsammeln. Später stellt sich heraus: Ein Mitarbeiter der Agentur, die mit der Organisation beauftragt war, hatte sich einen Spaß erlaubt, und bei der Korrektur hatte es niemand bemerkt.

Weihnachtsbäume werden nicht mehr geschmückt, sondern gestylt. Aus dem Christbaumschmuck-Angebot dieses Jahres: Absinth-Flasche, Disco-Frosch, Elefant mit rosa Röckchen, Fotoapparat, Giraffe als Ballerina, Hippie-Sonnenbrille, Krokodil im Frack, Lippenstift, Mops mit Zylinder, „Muskelmann Sexy Santa“, Papagei mit Weihnachtsmütze, Pinguin auf Skateboard, „Sexy Nixe“, Tortenstück, „Tussis Nagellack“, Wickelkinder, Zauberwürfel.

Kurz vor Weihnachten betritt ein eleganter Herr mit seiner betagten Mutter ein Hamburger Seniorenheim. Ob dies ein christlich geführtes Heim sei? „Ja, das sind wir“, antwortet die Heimleiterin. „Wirklich?“ – „Ja, ganz bestimmt!“ - „Dann ist es ja gut“, sagt der elegante Herr erleichtert. „Wir zahlen ja sowieso schon jeden Monat genug in die Pflegeversicherung ein. Die reicht dann ja wohl, und meine Mutter muss bei Ihnen nichts zuzahlen.“ Das kann die Heimleiterin allerdings nicht bestätigen: „Tut mir Leid, auch wir müssen kostendeckend arbeiten.“ Erbost erhebt sich der elegante Herr, zieht die alte Dame zum Ausgang und schimpft: „Und so was nennt sich christlich!“

Weihnachtsfeier im Heim, eine Seniorenrunde thematisiert gesundheitliche Probleme. Einer zeigt sein Langzeit-EKG. Drei Zacken fallen besonders auf. Der erste? „Da habe ich auf den Bus gewartet, und der ist nicht gekommen.“ Der zweite? „Musste ganz viele Treppen steigen.“ Der dritte Zacken sieht am gefährlichsten aus. Was das wohl gewesen sei? „Das war ein Wildwest-Film im Fernsehen!“

Dialog an einer Hamburger Theaterkasse. Junge Mutter mit zwei Kindern: „Guten Tag, ich hab‘ Karten reserviert, möchte sie gern abholen.” Kassierer: „Welcher Tag, welches Stück?” - “21. Dezember, ‚Cinderella‘.” – „Da sind Sie hier total falsch.” – „Wie bitte? Wieso denn?“ – „Weil’s da kein ‚Cinderella‘ gibt.“ „Das kann nicht sein, ich weiß doch ganz genau, am 21. gibt’s hier ‚Cinderella!‘“ – „Nee, bei uns nicht.“ – „Hm. Moment mal: Gibt es dann vielleicht ‚Aschenputtel‘?“ Kassierer: „Doch, das gibt es. Ja, und Ihre Karten sind auch da.“

Vor einem weihnachtlich geschmückten Supermarkt sitzt ein alter Bettler in der Eiseskälte auf den Gehwegplatten. Ein gutgekleideter Herr jüngeren Alters tritt an ihm vorbei in den Laden. Er trägt eine Plastiktüte mit Pfandflaschen. Der Automat nimmt das Leergut jedoch nicht an: Sie stammen aus einem anderen Supermarkt. Der Enttäuschte packt sie wieder in die Tüte und wirft sie draußen dem Bettler vor die Füße: „Da! Die kannst du haben!“

Eine junge Dame fährt morgens um drei nicht mehr ganz nüchtern von einer Weihnachtsfeier nach Hause. Am Straßenrand kommt plötzlich ein gut gekleideter Herr ins Blickfeld und hebt den Daumen. Ein Anhalter im Blazer, mit Schlips und Aktenkoffer? Die junge Dame wird neugierig, hält an und fährt die Seitenscheibe herunter. Der Herr bittet tatsächlich, mitgenommen zu werden: Er hat auf der Heimfahrt vom Büro noch einen Freund besucht, sich festgequatscht, dabei einen über den Durst getrunken und deshalb sein Auto stehen lassen. Er wohnt nur ein paar Straßen weiter, und das war ihm zu kurz, um ein Taxi zu rufen. Jetzt aber ist es ihm doch zu weit, sich auf wankenden Füßen weiter durch die kalte Nacht hinzuschlippen. Die Dame zeigt Herz und lässt ihn einsteigen. Hinter der nächsten Kurve sieht sie erschrocken die Polizei bei einer Alkoholkontrolle. „Mist!“ jammert sie, „jetzt ist mein Führerschein weg!“ Doch ihr Mitfahrer beruhigt sie: „Keine Angst, fahren Sie nur schön weiter! Der Besoffene bin ich, Sie sind bloß das brave Frauchen, das den Alten nach Hause karrt.“ So denken auch die Polizisten und winken das vermeintliche Ehepaar durch. Und Friede auf Erden…

 

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