Was bedeutet Weihnachten wirklich?

Montag, 24. Dezember 2012

Das zweithöchste Fest der Christen in Bibel, Geschichte und Glaube: Wie fromme Überlieferung die Geburt des Gottessohnes bezeugt.

Maria

Bibel. Nach dem Lukas-Evangelium verkündigt der Engel Gabriel: „Du wirst ein Kind empfangen.“ Maria fragt: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ Gabriel antwortet: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“

Geschichte. Maria, Tochter eines Priesters, lebt seit ihrem dritten Jahr im Tempel. Mit zwölf Jahren werden Mädchen damals heiratsfähig. Der Hohepriester sucht dann für sie einen Ehemann.

Glaube. Marias Jungfräulichkeit stärkt Jesu Legitimation als Messias, von dem der Prophet Jesaja 700 Jahre zuvor weissagte: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.“

Josef

Bibel. Nach dem Matthäus-Evangelium will sich Josef von Maria in aller Stille trennen, weil sie bereits schwanger ist, „noch bevor sie zusammengekommen waren“. Doch ein Engel gebietet ihm im Traum: „Fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.“

Geschichte. Josef war kein einfacher Zimmermann, sondern ein erfolgreicher Baumeister, der mehrere Fremdsprachen beherrschte und seinen Stiefsohn auf eine höhere Schule schicken konnte. 

Glaube. Josef bezeugt einen besonders starken Glauben, indem er der Traumvision mit der Engelserscheinung mehr vertraut als den Zweifeln der Logik. Er bindet sein weiteres Leben an eine neue Verheißung, weil er gelernt hat, „mit dem Herzen zu sehen“ (Antoine de Saint-Exupery). Das macht ihn zum Vorbild für alle Christen.

Jesus

Bibel. Bei Lukas sagt der Engel zu Maria: „Einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben.“ Bei Matthäus befiehlt der Engel Josef: „Ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“

Geschichte. Der Name Jesus ist eine jüngere Form von Josua. So hieß der Nachfolger des Moses; er, nicht der Prophet, führte die Juden in das gelobte Land. Ebenso ist „Maria“ die damals aktuelle Version von „Miriam“, der Schwester des Moses. Beide Namen sind in Palästina damals sehr häufig.

Glaube. „Jesus“ bedeutet auf Hebräisch „Gott rettet“. Der Name besagt, dass der Name Gottes in der Person seines Sohnes zugegen ist. Jesus ist der göttliche Name, der allein Heil bringt. „Christus“ ist das griechische Wort für den hebräischen Ausdruck „Messias“, der „Gesalbter“ bedeutet.

Die Krippe

Bibel. Lukas berichtet: „Sie gebar einen Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“

Geschichte. Höhlen als Ställe, in denen bei Platzmangel auch Menschen übernachteten, und Felsnischen als Futterkrippen sind in Palästina keine Seltenheit. Die Krippe in Bethlehem ist heute mit Marmor verkleidet. Den ersten Nachbau mit lebenden Tieren stellte der hl.Franz von Assisi 1223 für eine Weihnachtsfeier im Wald von Feccio auf.

Glaube. Theologisch kennzeichnet die Krippe ebenso wie andere Umstände der Geburt die Ankunft des Erlösers als eines Gottes der Armen: Nicht als mächtiger König kam Jesus in unsere Welt, sondern als hilfsloses Kind einer Durchschnittsfamilie.

Ochs und Esel

Bibel. In den Evangelien kommen die Tiere, in deren Krippe das Jesuskind liegt, nicht vor, doch eine alttestamentliche Prophezeiung Habakuk weissagt über den Messias: „Inmitten zweier Tiere wirst du dich offenbaren.“ Das 4.Buch Moses kennt die weissagende Eselin des Sehers Bileam, auf einer Eselin auch reitet Jesus nach Jerusalem.

Geschichte. Ochs und Esel zählten in Palästina zu den häufigsten und wichtigsten Haustieren. An der Krippe stehen sie bereits auf Bildern in Katakomben des 4.Jh.

Glaube. Schon der Prophet Jesaja nimmt beide Tiere als Exempel wahren Glaubens im Kontrast zum Unglauben der Menschen: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“

Die Engel

Bibel. Nach Lukas tritt der Engel des Herrn zu den Hirten und sagt: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr … Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ Und plötzlich ist „bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte.“

Geschichte. Engel sind in der Bibel vor allem Boten (griechisch: „angeloi“) Gottes. Die Vorstellung geflügelter Himmelsgeschöpfe stammt aus dem altkanaanitischen Volksglauben.

Glaube. Die Erklärung des Engels schließt alle Zweifel an der Gottessohnschaft Jesu aus. Theologisch ist Christus das Zentrum der Engelwelt: sie sind sein, weil sie durch ihn und auf ihn hin erschaffen sind.

Die Hirten

Bibel. Lukas berichtet: „In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Felde und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie…“ Sie eilten nach Bethlehem und „fanden Maria und Josef und das Kind, das bei ihnen war. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten...“

Geschichte. Das Hirtenfeld nordöstlich von Bethlehem wird vermutlich im Jahr 381 von der Pilgerin Aetheria lokalisiert. Ruinen reichen bis in diese Zeit zurück. Seit dem 16.Jh. bewohnen griechische Mönche den Ort. 1954 wird dort eine Engelskapelle errichtet.

Glaube. Hirten sind schon im Alten Testament Synonym für göttliches Hüten, der Krummstab der Bischöfe erinnert bis heute daran. Jesus selbst ist der Gute Hirt.

Adam und Eva

Bibel. Paulus spricht in seinem Brief an die Korinther von Christus als dem „neuen Adam“, und Maria erfüllt eine Verheißung an Eva: Der Urmutter wird in der Schöpfungsgeschichte angekündigt, sie werde einen Nachkommen erhalten, der den Bösen besiegen werde.

Geschichte. Seit Origenes im 3.Jh. vermuten Christen Adams Grab in Jerusalem. Auf ihm soll auch das Kreuz gestanden haben. Im 6.Jh. legt der Abt Modestus unter dem Felsen von Golgatha eine Adamskapelle an. Der 24.Dezember ist auch der Festtag Adams und Evas.

Glaube. Durch seinen Erlösungstod und seine Auferstehung ist Christus als „neuer Adam“ auch der Stammvater eines neuen Menschengeschlechts. Eva gehört trotz ihres Ungehorsams zu den heiligen Frauen, die Marias Sendung vorbereiten - mit Sara, Hanna, Debora, Rut, Judit und Ester.

Das Datum

Bibel. Nach Lukas wird Jesus „im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius“ geboren: „Pontius Pilatus war Statthalter von Juda, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrach von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas.“ Und: „In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Dies geschah zum erstenmal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.“

Geschichte. Alle genannten Personen sind durch historische Quellen belegt. Das einzige Jahr, auf das alle Angaben zutreffen, ist 7 v.Chr.

Glaube. Die Daten sollen den Glauben an eine nicht nur legendäre, sondern an die tatsächliche Menschwerdung Christi stützen, denn sie ist das entscheidende Kennzeichen des christlichen Glaubens.

Die Beschneidung

Bibel. Lukas: „Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte.“

Geschichte. Die Circumcision ist ein alter Initiationsritus bei Ägyptern und westsemitischen Völkern. Da der Gottesbund Abrahams für alle künftigen Geschlechter gelten soll, kann er nur mit Blut aus den Fortpflanzungsorganen besiegelt werden. Die Vorhaut Christi wird im Mittelalter als Reliquie („sanctum praepudium“) verehrt.

Glaube. Die Beschneidung ist Zeichen dafür, dass Jesus in die Nachkommenschaft Abrahams, in das Bundesvolk eingegliedert, dem Gesetz unterworfen und zum Kult Israels bestellt ist, an dem er während seines gesamten Lebens teilnehmen wird. Nach dem Brief des hl. Paulus an die Kolosser ist sie ein Vorzeichen der „Beschneidung, die Christus gegeben hat“: „der Taufe“.


 

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