„Wenn der Teufel alt wird, wird er Eremit“

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Henri Sanson, „Tagebücher der Henker von Paris 1685 – 1847“: „Die Erinnerung und die Hoffnung sind die köstlichsten Geschenke, die der Mensch von Gott empfangen hat. Fortwährend auf die Verfolgung eines Glückes angewiesen, das ihm immer wieder entschlüpft, doppelt gequält durch diese Sehnsucht und das Gefühl seiner Ohnmacht, findet er keinen anderen Trost als in der Fähigkeit seiner Phantasie, sich Phantome zu schaffen, denen er im wirklichen Leben vergeblich nachgejagt ist.“ – „Man macht keine Omelette, ohne Eier zu zerschlagen.“ – „Wenn der Teufel alt wird, wird er Eremit.“ – „Schon damals sah ich, wie die ruinierten Herrn zu Fuß gingen und ihre Diener in Kutschen fuhren.“ – Über die Zustände im Oktober 1721: „Man hätte sagen mögen, die eine Hälfte der Bevölkerung von Paris habe sich daran gemacht, die andere zu bestehlen. Dieses Raub- und Verbrecherfieber ist nur ganz natürlich. Die Regentschaft war eine Epoche sozialer Umformung.“ - „Eine Art Delirium hatte sich der ganzen Nation bemächtigt. Die Ehre – dieser alte Gegenstand der Verehrung, ich möchte sagen: ihres Kultus – war der Vergnügungssucht gewichen, und der Leichtsinn war – eine natürliche Folge der sittlichen Erschlaffung – rasch in die untersten Schichten der Geschichte gedrungen. Zu derselben Zeit verführte das System, das in einem Tag die Armen reich und die Reichen arm machte, wie ich schon erwähnt habe, Bürgerliche und Bettler, also ein ganzes Volk zu den schwindelnden Erregungen des Spiels. Der Gott Zufall nahm den Platz jener alten Götter ein, welche unsere Vorfahren geduldige Arbeit und bescheidene Rechenschaft nannten; ihn rief man an, zu ihm erhoben sich alle Träume und Atemzüge der Menge.“ Der Autor ist der letzte der berühmten Henker-Dynastie. Sein Großvater Charles Henri Sanson, eigentlich Chevalier Charles-Henri Sanson de Longval (1739-1806) war seit 1778 Henker von Paris und später der Scharfrichter der Französischen Revolution, Er sagte über sein schauriges Amt: „Salomon, der weiseste aller Könige, wusste wohl, worin der Ruhm bestand, und wenn er jemandem Beweise seiner Freundschaft geben und ihn mit Ehren überhäufen wollte, so teilte er ihm ein Amt zu, das dem meinen ähnlich war. Bananias, Hauptmann seiner Leibwache und sein Günstling, wurde mit dieser Würde bekleidet. Joab hatte untreu gehandelt; der König Salomon sprach gegen ihn das Todesurteil aus und Bananias, sein Günstling, schnitt den Faden seiner Tage ab. Semoi hatte dasselbe Los. David schon handelte nach demselben Prinzip. Er vertraute einem jungen Pagen, den er liebte, die Hinrichtung des Verbrechers Amalacites an.“

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Worte sind Orte: Heimstätten, Wege und Ziele der Gedanken. 

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Camille Saint-Saens, 1.Cellokonzerta-Moll op.33: Der Wert eines Kunstwerks besteht in den Empfindungen, die es auslöst, und dieses Stück löst sehr tiefgehende aus.

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Auf der Speisekarte eines Restaurants am Wormser Rheinufer ist eine kleine Geschichte abgedruckt: Ein Professor füllt einen Glasbehälter mit Golfbällen. „Ist er jetzt voll?“ – „Ja!“ bestätigen die Studenten. Der Professor schüttet aus einem Sack kleine Kiesel dazu, und die Steinchen fallen in die Zwischenräume. „Jetzt voll?“ – „Ja!“ Der Professor öffnet eine kleine Kiste mit Sand, der rasch auch die kleinsten Lücken ausfüllt. „Jetzt wirklich voll?“ Die Studenten nicken. Der Professor schüttelt den Kopf und schickt auch noch zwei Dosen Bier hinterher. Die Studenten lachen. Dann erklärt der Professor: „Die Golfbälle sind die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Familie, Kinder, Gesundheit, Freunde. Die Kieselsteine sind auch nicht ganz unwichtig: Arbeit, Haus, Auto. Der Sand symbolisiert die vielen Kleinigkeiten. Wenn Sie Ihren Behälter damit voll machen, passen weder Golfbälle noch Kieselsteine hinein. Heißt: Wenn Sie Ihre Zeit und Energie in Kleinigkeiten investieren, werden Sie nie Platz haben für das, was wirklich zählt. Setzen Sie also Prioritäten! Erst die wichtigen Dinge, dann die weniger wichtigen.“ Frage aus der Zuhörerschaft: „Ja, aber die beiden Bierdosen?“ Der Professor schmunzelt: „Egal, wie schwierig Ihr Leben auch sein mag – für ein, zwei Bierchen ist immer noch Platz!"

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Gottfried Keller: "Wer gelebt hat und seine Bestimmung mehr oder weniger erfüllt und die rechten Grundsätze über das Sterben hat, kann jeden Augenblick sterben ohne Bitterkeit."

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