„Gute Geschichten sind wie edles Wild“

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Das indische Nationalepos "Mahabharata" in der Verfilmung Peter Brooks aus dem Jahr 1989 nach der szenischen Fassung Jean-Claude Carrières. Kostproben: Im 1.Teil "Das Würfelspiel" sagen

Königin Gandhari: "Wenn man seine eigenen Kinder gegenüber den Kindern eines anderen bevorzugt, wird Krieg gesät."

Der Würfler Shakuni: "Die Götter erschufen die Welt als ein großes Spiel."

Der Bruder des Königs, Bishma: "Die Zerstörung des Dharma (Gesetz, Ethik Moral) wäre das Schlimmste."

Die von Bishma abgewiesene Amber: "Hass hält mich jung!"

Die mit den fünf Pandavi verheiratete Draupadi: "Manchmal denke ich: Der Mensch ist nichts. Alles, was wir denken, ist nur ein Spiel der Schatten."

Im 2.Teil "Die Verbannung" sagen

der Prinz und Regent Duryodhana zu seinem Vater, dem blinden König Dhritharashtra: "Wenn ich so ein guter König bin, warum schläfst du dann nicht?"

Die Dämonin Hidimbi: "Ich weiß, dass Liebe für eine Frau Leiden bedeutet."

Der Erzähler Vyasa: "Fragt die Ursprünglichen und die Wahnsinnigen und lauscht ihren Geschichten."

Der Gott Krishna zum Helden Arjuna: "Du mußt lernen, die Dinge zu betrachten, ohne sie zu bewerten. Es gibt eine Wahrheit jenseits des Sichtbaren."

Der Göttersohn Yudhisthira: "Ich sehe ein neues Zeitalter nahen, wo barbarische Könige über eine lasterhafte, verdorbene Welt herrschen, wo bedeutungslose, ängstliche, Männer ein nichtssagendes Leben führen. Weißhaarig mit 16, sich paarend mit Tieren. Ihre Weiber perfekte Huren, die mit gierigen Mündern Liebe praktizieren. Die Kühe trocken, steril. Die Pflanzen tot, verkrüppelt. Die Blumen verschwinden, und mit ihnen die Reinheit. Geschäfte, Korruption, Ehrgeiz. Das Zeitalter von Kali. Es wird kommen, das dunkle Zeitalter. Die Erde verwandelt sich in eine Wüste. Das Verbrechen wird herrschen in den Städten..."

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An der Unehrlichkeit, ja Verlogenheit vieler Politiker sind vor allem jene Wähler schuld, die Lügen entweder aus Dummheit nicht erkennen oder aus Gründen der Gesinnungsgleichheit durchgehen lassen.

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Prokofiews 2.Suite "Romeo und Julia" illustriert die romantischen Aspekte des Themas. Ein Mädchens vom Lande läuft barfuß durch das hohe Gras ungemähter Wiese auf den geschorenen Rasen vor einem Palastes und dann in Schuhen über den roten Teppich zum Thron, gelassen und ganz ohne Hast. Jugendliche Weiblichkeit ohne Argwohn und Hintersinn von der gleichen unschuldigen Anmut, mit der die Schneeflocken tanzen.

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Bitten aus dem Besucherbuch im Wormser Dom: „Oh Herr, bitte gib dem P. Einsicht und Verstand.“ - „Lass mich bitte gegen die BG gewinnen, o Herr!“ – „Bitte gib D. eine gute Frau und einen guten Beruf.“ – „Hilf mir, Herr, lass mich den Lottojackpot am Samstag gewinnen. Danke sehr!“

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Hermann Hesse, „Der Zwerg“: „Gute Geschichten sind wie edles Wild. Sie hausen verborgen, und man muss oft lange am Eingang der Schluchten und Wälder stehen und auf sie lauern.“


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