„Haben Sie mittelenglische Umgangsformen?“

Sonntag, 30. Dezember 2012

Sendung von Sonntag, 30.Dezember 2012

In „Spiegel TV“ (RTL) spricht Autor Alexander Neubacher mit Ex-Umweltministerin Renate Künast (Grüne) über Bio-Mais. Auszüge:

Neubacher: „Die Politik lenkt Milliardenbeträge in den Anbau von Mais und Raps. Flower-Power. Es waren die Grünen, die die Sache vor gut zehn Jahren ins Rollen brachten. Die Bauern seien die Ölscheichs der Zukunft, so verkündete es Renate Künast, die damalige grüne Landwirtschaftsministerin. Das ließen sich die Bauern nicht zweimal sagen. Statt weiter Kartoffeln, Kohl und Salat anzubauen, stiegen sie ins Geschäft mit Bio-Sprit und Bio-Gas ein … 2005 nahm der Anbau von Energiepflanzen in Deutschland eine Fläche von etwa 160.000 Hektar in Anspruch. Heute sind es mehr als 2,1 Millionen Hektar, ein Anstieg von 1500 Prozent. Kritiker sind der Ansicht, dass es langsam genug ist mit dem Maisanbau. Biogas schön und gut, aber was ist mit dem Dünger, den Monokulturen, dem Gestank?“ Zu Bildern von Protesten gegen Bio-Gas in Groß Meckelsen: „Früher hat man hier gegen Atomkraft demonstriert, heute gegen Biogasanlagen. Die Menschen haben offenbar die Nase voll von diesen Faulgastürmen, die hier überall stehen. Früher waren die Grünen sehr für Biogas, heute sind sie mehr so dagegen. Wie denkt Renate Künast heute über die Sache? Ich war mit ihr zum Interview verabredet, doch dann hat sie plötzlich abgesagt. Sie geht lieber zu einer grünen Veranstaltung. Es geht um nachhaltige Landwirtschaft. Ich dachte, das Thema Maisanbau gehört doch irgendwie auch dazu.“

Neubacher an einem Getränkestand vor dem Veranstaltungssaal: „Ich würde gerne kurz mit Ihnen sprechen, über Bio-Sprit.“

Künast: „Ja, aber ich würde jetzt nicht über Bio-Sprit sprechen, weil jetzt was anderes mache, eine Veranstaltung, und mir was hole.“

Neubacher: „Frau Künast, wir können uns doch vielleicht einen Moment hinsetzen.“

Künast (kehrt in den Saal zurück): „Nee, ich muss jetzt da hören.“

Neubacher: „Frau Künast, mit dem Bio-Sprit, das ist kein Thema heute?“

Künast: „Wir haben alles mit der Pressestelle geregelt, und ich möchte auch, dass das jetzt aufhört. Haben Sie mittelenglische Umgangsformen? Dann melden Sie sich bei der Pressestelle, und die beantwortet Ihnen das.“

Neubacher: „Das war doch Ihre Idee…“

Künast: „Ich bitte Sie, das doch jetzt mal zu berücksichtigen.“

Neubacher: „War das ein Fehler?“

Künast: „Möchten Sie gehen, oder was? Ich finde das vollkommen unmöglich. Kann ich gerne mit Ihrem Chefredakteur reden, dass Sie immer dazwischenquatschen.“

Neubacher: „Ich stelle Ihnen doch die einfache Frage…“

Künast: „Nein, quatschen Sie (nicht) dazwischen, ich unterhalte mich mit dem Mann, und Sie benehmen sich jetzt mal!“

Neubacher: „Haben Sie ein schlechtes Gewissen, Frau Künast?“

Künast zum Veranstalter: „Es kommt die Stelle, da machst du vom Hausrecht Gebrauch!“

Neubacher nach dem Interview-Versuch: „Ich hatte dann doch noch Gelegenheit, Frau Künast meine Frage zu stellen.“ An einem für Fragen aus dem Publikum vorgehaltenen Mikrofon: „Frau Künast, als Sie Landwirtschaftsministerin in der Bundesregierung waren, hat das ja angefangen mit den hohen Fördersätzen für Bio-Sprit und Bio-Gas, und Sie haben damals gesagt, die Landwirte, sind die Ölscheichs der Zukunft. Wenn Sie sich jetzt anschauen, was daraus geworden ist, also diese großen Flächen voller Mais: Würden Sie sagen, das haben Sie damals falsch gemacht, Sie haben damals einen Fehler gemacht?“

Künast auf der Rednerbühne zum Publikum: „So macht man das! Er läuft immer hinter mir her und wollte mich in dem Film reinhaben, und weil er das nicht kriegt, macht er’s jetzt so. Deshalb hat er auch erst mal nur seinen Namen gesagt und nicht ‚Spiegel TV‘. Also so viel … Nehmt euch ein Herz, Frauen, und seid auch so frech! Frech kommt weiter! So machen es die Männer! So! Und zu Ihrer Frage sage ich Ihnen, äh, an der Stelle eines ganz klar: Wir haben vielleicht nicht so schlecht gedacht wie manche Entwicklung war, aber wir haben die richtigen Vorschläge gemacht. Wir haben als Grüne immer vorgeschlagen, dass es tatsächlich eine Fruchtfolge gibt an der Stelle, und die Regeln sollten andere sei als die, die sie nachher geworden sind, und deshalb werden wir auch weiter dafür kämpfen.“

Goethe, „Der Zauberlehrling“: „Besen, Besen, sei’s gewesen!“

*

In der gleichen Sendung spricht Neubacher mit Ex-Umweltminister Jürgen Trittin. Auszüge:

Neubacher: „Vor zehn Jahren wurde das Einwegpfand eingeführt. Es hat unser Leben verändert. Wie viele Stunden haben wir seither damit verbracht, zerknitterte Plastikflaschen aufzupusten, damit der Pfandautomat sie erkennt. Dabei sah das alles so leicht aus, damals bei Jürgen Trittin … Verrückterweise hat Trittins Einwegpfand nicht die böse Einwegflasche verdrängt, sondern die gute Mehrwegflasche: Ihr Anteil hat sich von 2004 bis heute mehr als halbiert. So war das nicht gedacht. Und Jürgen Trittin – ist er enttäuscht? Was ist mit den Mehrwegflaschen? Die sind ja nahezu verschwunden aus dem Supermarkt. Wenn Sie sich da umgucken: Überall diese wabbeligen Plastikdinger…“  

Trittin: „Das… Das stimmt… stimmt ja für Bier nicht.“

Neubacher: „Ach so, Sie trinken nur Bier und kein Wasser.“

Trittin: „Nein, ich sag nur, es gibt unterschiedliche Getränkesorten. Das gilt für Bier nicht, das gilt für zuckerhaltige Erfrischungsgetränke kaum. Es gilt im Wasserbereich. Da ist das so.“

Neubacher: „Das ist eigentlich doch traurig, oder?“

Trittin: „Ja, aber sehen, wir sorgen trotzdem durch das Pfand dafür, dass diese Verpackungen nicht im Müll landen, sondern wieder einer Verwertung zugeführt werden.“

Neubacher: „Aber früher wurden sie ja richtig wiederbefüllt, und jetzt werden sie nur noch…“

Trittin: „Ich bin mit Ihnen der Auffassung, dass Mehrweg besser ist als Einweg, aber ohne das Pfand würde der Einweg im Müll landen. Und das ist auch schlecht.

Neubacher: „Aber als Sie das Pfand eingeführt haben, waren es viel mehr Mehrwegflaschen als es heute sind, von 70 auf 40 Prozent ungefähr, beim Wasser. Das ist doch…“

Trittin: „Beim Bier ist es so geblieben.“

Neubacher: „Bier? Bisher hatte ich die Grünen eher mit Bionade und Kräutertee in Verbindung gebracht.“

Trittin anschließend auf der Rednertribüne zum Publikum: „Ich bin ja hier schon im Reingehen gefragt worden, wie ich das finde, mit ... äh, mit der Frage des Dosenpfandes. Ich sage immer: So etwas, wo wir eine Abgabe auf … ein Pfand eingeführt haben, keine Abgabe, hat dazu geführt, dass es in Bayern und in vielen anderen Teilen dieser Republik noch einen ganzen Haufen von kleinen Brauereien gibt. Das war ein aktiver Beitrag zur Erhaltung der Bierkultur in Deutschland.“

Austin O’Malley (1858-1932): „Ein Politiker ist wie Quecksilber: Wenn du den Finger auf ihn legen willst, so findest du nichts darunter.“

*

 

TV-SPRÜCHE

„Wenn’s schiefgeht, schreibt Steinbrück wieder ein Buch: ‚Tod eines Vortragsreisenden‘!“

„Die peinlichste Nummer des Jahres: Bettina Wulff – der weibliche Lothar Matthäus!“

„Soziale Netzwerke – das waren früher die Caritas und die Bahnhofsmission! Heute giltst du als sozialer Netzwerker, wenn du bei Twitter deinen Kumpels mitteilst: Bin gerade scheißen!“

„Ich glaube, Helmut Schmidt ist gar nicht echt – der ist eine Erfindung von Reemtsma!“

Urban Priol in „Tilt! Der etwas andere Jahresrückblick“ (3sat)

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt