Das war 2012! Die 10 besten Beiträge aus Teletäglich

Montag, 31. Dezember 2012

Platz 10: Sendung von Sonntag, 21.Oktober 2012

In „Günter Jauch“ spricht ARD-Talkmaster Jauch mit Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und anderen Politikern über Nebeneinkünfte von Politikern. Auszüge:

Jauch: „Sie sind im Beirat einer Firma, die heißt Consultum, die leistet PR-Arbeit für Baku, das ist die Hauptstadt von Aserbaidschan…“

Glos: „Nicht nur für Baku. Ich krieg von denen kein Geld, außer zwei Mal im Jahr eine Essenseinladung."

Jauch: „Aber Sie sind da zur Unabhängigkeitsfeier hingereist und haben doch dadurch…“

Glos: „Nein, ich bin nicht zur Unabhängigkeitsfeier hingereist. Ich war bei anderer Gelegenheit, nicht eingeladen von der Firma Consultum, in Baku.“

Jauch: „Aber werten Sie doch einen Staat auf, der zum Beispiel im Demokratie-Index des ‚Economist‘ auf Platz 135 von 167 Ländern… Also Sie verhelfen doch als renommierter deutscher Politiker einem totalitären Staat zu Ansehen.“

Glos: „Ich habe den ersten Besuch eines Bundeswirtschaftsministers dort gemacht auf Drängen der Wirtschaft und vor allen Dingen immer wieder für eine sichere Energieversorgung.“

„Piratenpartei“-Bundesvorsitzender Bernd Schlömer: „Sie sollen im Interesse des Bürgers handeln und nicht im Interesse der Wirtschaft!“

Glos: „Als Wirtschaftsminister war es auch in meinem Amtseid, im Interesse der Wirtschaft zu handeln.“

Jauch: „Wenn Sie nicht im Beirat dieser Firma sitzen würden, wären Sie dann hingereist?“

Glos: „Ja.“

Jauch: „Das ist für Sie nicht problematisch?“

Glos: „Ich habe vor, demnächst wieder dorthin zu reisen.“

Wo auch die ARD immer wieder gern zu Gast ist. Aus einer ARD-Programmvorschau vom 26.Mai 2012: „Hochspannung vor dem Finale des 57. Eurovision Song Contests aus dem aserbaidschanischen Baku. Wie wird unser deutscher Teilnehmer Roman Lob mit seinem Titel ‚Standing Still‘ in diesem Jahr abschneiden? In einer Live-Schalte nach Baku erfahren die Zuschauer alles über die Stimmung unmittelbar vor dem Finale und über die größten Konkurrenten unseres deutschen Hoffnungsträgers. Und auch in diesem Jahr ist das ‚Wort zum Sonntag‘ in die "Countdown"- Sendung eingebettet und kommt direkt aus Baku.

Im Beirat der Firma „Consultum“ sitzen mit Glos u.a. Hans-Dietrich Genscher, der frühere ZDF-Intendant Dieter Stolte, der frühere ARD-Intendant Ernst Elitz, der frühere Chef des Bundespräsidialamtes Dr. Michael Jansen, der frühere US-Botschafter John C. Kornblum, der deutsche Ex-Botschafter in Moskau Dr. Hans-Friedrich von Ploetz, der polnische Ex-Botschafter in Bonn Janusz Reiter oder Ex-Staatssekretär Hanns-Eberhard Schleyer.

Alles Baku oder was?

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Platz 9: Sendung von Dienstag, 4. September 2012

In „LEUTE Leute“ zeigt ZDF-Kabarettistin Monika Gruber Ausschnitte aus der RTL 2-Sendung „Villa Germania“. Kostproben:

Gruber: „‘Villa Germania‘ klingt ein bisschen nach ‚Guido Knopp erzählt uns, wohin der Opa nach 1945 verschwunden ist‘, ist aber so eine Art Viagra TV. Horst und Ingo sind die zwei Alpha-Bonobos im Bunga-Bunga-Dschungel Thailands. Die zwei und ihre Spezln verknattern in Pattaya flockig ihre Rente. Und weil Prostitution ja per se eine urkomische Angelegenheit ist, haben die von RTL 2 gesagt: Mensch, da machen wir doch eine lustige Sendung draus! Hier begutachten die zwei gerade die neuesten Renner auf dem Sklavenmarkt.“

Ausschnitt aus „Villa Germania“: Die beiden Protagonisten betrachten auf das Display einer Digitalkamera Fotos junger Thailänderinnen. Kommentare: „Einen kleinen süßen Hintern, ich sag dir das.“ – „Eine Granate.“ – „Wahnsinn. Da muss ich den Frankie noch mal fragen, wie die war.“

Gruber: „Man könnte dieses Format jetzt noch weiter zerrupfen, aber man muss die Kollegen von RTL 2 auch einmal loben. Soviel Koks musst du dir erst mal in die Nase pressen, bis zu dich traust, so was auszustrahlen.“

Zweiter Ausschnitt: Die Protagonisten bei der Fußpflege am Strand. Kommentare: „Die dir die Füße macht, das ist mein Typ, hundertprozentig. Und die, die kenne ich auch schon 15 Jahre lang, aber die ist mir zu fett.“

Gruber: „Ja, so san‘s, die Thaihasen, immer fröhlich, immer gut drauf, selbst wenn sie aufgedunsenem endgelagerten deutschen Rentnerrestmüll den Schorf von den Lederhufen hobeln. So eine Doku-Soap lebt ja in erster Linie von den emotionalen Konflikten, und da trifft es sich gut, dass der sympathische Horst drei Schnecken gleichzeitig am Start hat: eine in Deutschland und zwei Mädels in Thailand. Aber von einer muss er sich nun schweren Herzens trennen.“

Dritter Ausschnitt: Protagonist „Horst“ mit Freundin. Kommentar: „Dreizehn Jahre ist lange genug, und dann geht sie mir auch auf den Senkel. Sie wird immer störrischer, wird älter, 49 ist sie, und wenn ich mir überlege, vom Spaß her, von der Unterhaltung her, vom Niveau her, bin ich besser aufgehoben bei der Nom.“

Gruber: „Niveau, das kennt er doch nur als Creme. Horst ist selber übrigens 67. Aber die Songs in dieser debilen Doku haben tatsächlich Hitparaden-Format.“

Ausschnitt: Rentner „Heinz“ singt: „Am 30. Mai wird der Puff gesprengt, die Nutten werden erhängt, Pariser werden verschenkt...“

Gruber: „Wie die bei RTL 2 es auf sympathische Weise schaffen, der Jugend wieder deutsches Liedgut näherzubringen! Wirklich eine Sternstunde. Da frage ich mich: Wo ist der Tsunami, wenn man einen braucht?“

Shirley MacLaine: „Das Fernsehen sorgt dafür, dass man in seinem Wohnzimmer von Leuten unterhalten wird, die man nie zu sich nach Hause einladen würde.“

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Platz 8: Sendung von Samstag, 22. September 2012

In „Weiß Bescheid“ schildert 3sat-Kabarettist Nils Heinrich ganz normalen Wahnsinn. Kostproben:

„Ich freu’ mich jetzt schon auf die Heimfahrt im Großraumbüro. Früher hieß das Ding mal ICE, jetzt ist es ein Büro. Heute wird ja nicht mehr verreist, es wird nur noch gearbeitet. Ich sehe lauter Laptops, da hocken sie drübergebeugt, diese Excel-Enricos, diese Flash-Kevins, diese Tortengrafik-Torstens … Diese Typen haben auch alle das gleiche hellblaue Hemd an, dieselbe Brille, dieselbe Frisur, und arbeiten wahrscheinlich in derselben Firma. Und dann sind sie auch noch immer am Handy, weil sie gerade einen Anruf vom Vorstandsvorsitzenden entgegennehmen, der sitzt in der 1. Klasse. Dann sind sie noch mit dem Surfstick parallel im Internet, weil sie gerade online die Übernahme eines DAX-Konsortiums eintüten wollen, die dann schiefgeht, weil der Surfstick im Tunnel wieder mal keinen Empfang hat – große Wirtschaftskrisen haben oft sehr banale Ursachen! Ich sitze mittendrin, höre mir das alles an, was die in ihre Handy reinplärren, wer da demnächst eingestellt wird, wer entlassen wird, welcher Merger vorbereitet wird, und ich denke mir immer: Das darf ich doch gar nicht wissen! Nur dadurch, dass ich gerade mit dem Zug fahre, mache ich mich der Industriespionage schuldig!“

„Jetzt ist wieder eine eingestiegen, die saß mir gegenüber, Mandy Damaschke hieß die, das weiß ich, denn sie hat’s mir ja verraten, am Telefon. Die ist eingestiegen, in der einen Hand das iPad, in der anderen Hand das iPhone, im Mund ein iBrötchen, und sofort ging das los mit der Plapperei, ihre Handynummer, ihre E-Mail-Adresse, ich weiß auch, wo sie wohnt. Außerdem hat sie ihr Haus verpixeln lassen, weil sie nicht will, dass irgendjemand sieht, wo sie wohnt. Sie hat auch der letzten Volkszählung nicht mitgemacht, weil sie was dagegen hat, dass ihre privaten Daten weitergegeben werden, und auf dem Auto steht hintendrauf, wie die Kinder heißen, die drin sitzen. Bei mir ist auch immer das Handy alle – bei der nicht, das wird aufgeladen durch Reinplappern – regenerative Energie! Ich muss auch irgendwann mal Luft holen, wenn ich viel rede – die nicht, die zieht die Luft durch ein Nasenpiercing-Loch nach, die geht direkt in den Schädel hoch, da ist kein Gehirn mehr drin, sondern ein dritter Lungenflügel, und ich sitz‘ mittendrin und kriege vom Zugucken einen Burnout!“

„Hatte ich schon gesagt, dass ich aus dem ehemaligen Osten komme? Sind denn Leute meines Schlages hier, heute? Ossis – die sind mittlerweile überall! Das ist für mich immer so wie ein Vertriebenentreffen. Wir haben ja neun Tage pro Woche im Heim verbracht, weil Mutti und Vati uns dort abgegeben haben, die mussten ja den Sozialismus aufbauen, sind nicht ganz fertig geworden … Wir haben mundgeblasene Klobürsten hergestellt, für den Quelle-Versand … Ich wohne in Berlin, wir haben nicht mehr viel zu lachen. Das ist ja die Stadt mit dem Flughafen. Ich sag mal so: Unter Walter Ulbricht hätte das Ding über Nacht gestanden. Der hätte einfach gesagt: Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu errichten!“

Moderne Zeiten…

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Platz 7: Sendung von Freitag, 09.November 2012

In der „heute Show“ (ZDF) sprach ZDF-Moderator Oliver Welke mit dem FDP-Fraktionsvorsitzenden im Kieler Landtag Wolfgang Kubicki. Auszüge:

Welke: „Wie geht das in zwei Worten: Erfolg, obwohl man in der FDP ist?“

Kubicki: „Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Es sind bodenständige Menschen, dort weht immer Wind, und das macht den Verstand klar, deshalb kann man die FDP auch wählen.“

Welke: „Ach so, das funktioniert nur in windigen Bundesländern.“

Kubicki: „Das funktioniert jedenfalls in Bundesländern, die frische Luft haben.“

Welke: „Ich habe das Gefühl, viele Leute wissen gar nicht, dass Sie in der FDP sind, weil Sie ständig so Sachen sagen, wo man nicht drauf kommen würde, dass Sie in der FDP sind. Sie sagen zum Beispiel über Ihren Generalsekretär: ‚Ich weiß nicht, was Herr Döring raucht.‘ Sie haben noch vor wenigen Monaten die Führung der FDP mit der Führung der DDR im Endstadium verglichen … Was hat die FDP Ihnen bloß getan?““

Kubicki: „42 Jahre meines Lebens hat sie mir geschenkt.“

Welke: „Ich hätte gesagt: ‚genommen‘.“

Kubicki: „Nein, geschenkt. Ich sage nichts anderes als das, was die meisten Menschen denken. Der Versuch, das sozusagen wegschieben zu wollen, macht die FDP nicht gerade attraktiver.“

Welke: „Aber was Sie so sagen, macht Sie natürlich für Ihre Freunde in Berlin, also für Ihre Parteifreunde, nicht attraktiver. Wenn man die auf Kubicki anspricht, da kommen ja doch auch manchmal genervte Antworten. Man hat so das Gefühl: Ja, lass den mal reden, der hat eh ‘n Jagdschein… Die nehmen Sie nicht so richtig ernst.“

Kubicki: „Ja, damit muss ich leben, damit kann ich auch leben. Die Führung muss seit 28 Monaten erklären, warum wir bei vier Prozent sind.“

Welke: „Haben Sie eine Erklärung?“

Kubicki: „Ich könnte mal sagen: Weil wir auf einem guten Kurs sind. Das ist ja die ständige Erklärung meiner Partei.“

Welke: „Das war Comedy. Jetzt im Ernst!“

Kubicki: „Da gibt es zwei Erklärungsmuster. Entweder treffen wir nicht mehr den Nerv der Leute, oder die Leute sind von uns genervt.“

Welke: „Sie tendieren zu…?“

Kubicki: „Wir treffen nicht mehr den Nerv der Leute.“

Welke: „Was macht denn der Putsch gegen Rösler, gibt’s schon einen Termin?“

Kubicki: „Ja, was heißt der Applaus, soll der Putsch nun stattfinden oder ausfallen?“

Welke: „Wenn es nach dieser Sendung geht, muss Rösler für immer im Amt bleiben.“

Kubicki: „Ich bin ja die personifizierte Putschnatur. Ich werde seit einem Jahr darauf angesprochen, wann gegen Rösler geputscht wird. Ich glaube nicht, dass geputscht wird.“

Welke: „Ich habe in der ‚Zeit‘ gelesen, Sie haben sich auf Mallorca mit einem gewissen Guido Westerwelle getroffen, um darüber zu sprechen, wie man mit einem gewissen Herrn Rösler verfährt, und Sie wollen mir jetzt nicht sagen, dass man sich mit Guido Westerwelle zum Spaß trifft.“

Kubicki: „Wir haben zusammen, weil wir zeitgleich auf der Insel waren, Golf gespielt, und wir haben auch zusammen anschließend geduscht.“

Welke: „Was ist denn mit euch los?“

Kubicki: „Aber wir haben dabei nicht über Philipp Rösler gesprochen. Und zwar weder beim Golf noch beim Duschen … Wir wählen den Bundesvorsitzenden im Mai nächsten Jahres neu. Philipp Rösler will sich bewerben. Möglicherweise bewerben sich auch andere.“

Welke: „Würden Sie ihn wählen?“

Kubicki: „Ich habe ihn das letzte Mal gewählt…“

Welke: „Tut es Ihnen Leid?“

Kubicki: „Nein.“

Welke: „Werden Sie ihn wiederwählen im Januar?“

Kubicki: „Das ist eine interessante Frage.“

Welke: „Ich weiß! Ich weiß! Deswegen stelle ich sie ja.“

Kubicki: „Ich werde ihn im Januar nicht wählen. Weil: Da steht er nicht zur Wahl. Wir wählen im Mai.“

Welke: „Sie sind Anwalt, ist das richtig? Würden Sie ihn denn im Mai wählen? Auch ‘ne interessante Frage?“

Kubicki: „Wenn er kandidiert und ansonsten niemand kandidiert…“

Welke: „Sie würden doch mit Herrn Steinbrück in eine Koalition gehen? Ich darf mal zitieren: ‚Steinbrück als Kanzlerkandidat eröffnet neue Optionsräume für die FDP.‘ Zitat Kubicki. Kam bestimmt auch riesig an bei der FDP-Führung.“

Kubicki: „Jedenfalls bei denen, die Peer Steinbrück kennen. Ich kenne ihn seit über 40 Jahren, wir haben zusammen studiert. Er ist ein sehr vernünftiger, pragmatischer Mann, und er hat ja gezeigt in den letzte Wochen, dass Leistung sich lohnen kann.“

Welke: „Ist er immer noch Ihr Freund, obwohl er doch dafür ist, dass alle Nebentätigkeiten jetzt komplett offengelegt werden?“

Kubicki: „Ich habe nichts dagegen, dass Nebentätigkeiten wie Vorträge, Buchhonorare offengelegt werden. Ich habe was dagegen, dass Berufsgeheimnisträger wie Strafverteidiger, Anwälte, verpflichtet werden sollen, ihre Mandanten preiszugeben. Das kann auch in einem Rechtsstaat nicht möglich sein.“

Welke: „Sie werden übermorgen antreten in der neuen Talkshow von Stefan Raab. Da kriegt der Gewinner, wenn er denn die Zuschauer und auch die Anrufer für sich gewinnt, am Ende, wenn’s gut läuft, 100.000 Euro. Haben Sie sich schon überlegt, an welche karitative Organisation Sie spenden würden: FDP oder Stadtwerke Bochum?“

Kubicki: „Ich könnte sagen, ich würde Peer Steinbrück unterstützen, weil der sein Geld jetzt spenden muss. Aber ich bin reich genug, das Geld ausgeben zu können und nicht für mich behalten zu müssen.“

Unbezahlbar.

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Platz 6: Sendung von Dienstag, 4.Dezember 2012

In „Menschen bei Maischberger“ spricht ARD-Talkmasterin Sandra Maischberger zum Thema „Wer arbeitet, ist der Dumme?“ mit dem ehemaligen Manager einer Berliner Seniorenresidenz Ralph Boes, der seit sechs Jahren von Hartz IV lebt. Kostprobe:

Maischberger: „Er hat drei Wochen lang gehungert, um gegen sein Jobcenter zu protestieren, das ihn seiner Meinung nach zur Zwangsarbeit verpflichten will. Herr Boes, Sie nehmen kein Jobangebot an - müssen Sie damit leben, dass es Menschen gibt, die Sie einfach abstempeln als Sozialschmarotzer?“

Boes: „Ja, selbstverständlich.“

Maischberger: „Wie geht es Ihnen damit?“

Boes: „Ich arbeite Vollzeit, rund um die Uhr. Man kann es im Internet verfolgen…“

Maischberger: „Was machen Sie da?“

Boes: „Ich halte sehr viele Vorträge, ich mache sehr viele Aktionen, ich schreibe, zum Beispiel einen Brandbrief, das ist auch Arbeit…“

Maischberger: „Aber Sie werden für das, was Sie tun, offensichtlich nicht bezahlt, sonst müssten Sie ja nicht zum Amt gehen.“

Boes: „Ich arbeite genau wie Herr Steinbrück. Wenn ich Vorträge halten kann, wo Leute sehr viel Geld haben, nehme ich das Geld entgegen, und wenn ich Vorträge halte, da wo die Leute kein Geld haben, dann verzichte ich auch aufs Geld, und dann ist halt einfach keins da.“

Maischberger: „Das nennt man ‚Ehrenamt‘. Es gibt viele Menschen, die trotzdem nebenbei arbeiten. Warum lehnen Sie denn die angebotenen Jobs von der Arbeitsagentur ab?“

Boes: „Ich könnte zum Beispiel nicht in einem Callcenter arbeiten, wenn ich permanent Vorträge kriege irgendwo, ich müsste eine Arbeit dauernd unterbrechen. Der zweite Punkt ist dass die Art der Arbeit aus meinem Gefühl her Zwangsarbeit ist…“

Maischberger: „Was hat man Ihnen alles angeboten, was haben Sie alles abgelehnt?“

Boes: „Das ist jetzt erst die letzte Zeit, vorher hat man mich einfach so gehen lassen, so arbeiten lassen, weil man Angst hatte vor mir.“

Maischberger: „Echt?“

Boes: „Ja. Man hat mich einfach so agieren lassen. Ich musste selber hingehen und sagen: Auf welcher Gesetzesgrundlage finanziert ihr mich? Daraufhin musste man da umschalten. Ich habe ein sehr großes, außerordentliches politisches Leben. Das ist auch anerkannt: Selbst die Bundeszentrale für politische Bildung sagt, meine Arbeit wäre bundespolitisch von erheblicher Bedeutung. Angeboten hat man mir stattdessen Callcenter. Eine andere war in Manpower, das ist eine Zeitarbeitsfirma, in der oberen Schicht. Solche Arbeiten bietet man mir an. Ich habe das Gefühl, das hat mit meinem eigentlichen Leben und mit meiner Aufgabe nichts zu tun.“

„Sie waren auch Ergotherapeut, ein Beruf, der viele offene Stellen hat.“

Boes: „Das ist richtig.“

Maischberger: „Da könnte man sich doch selbständig machen oder so.“

Boes: „Könnte man, wenn das sinnvoll wäre.“

Maischberger: „Ist es nicht sinnvoll?“

Boes: „Ich würde einem anderen den Arbeitsplatz wegnehmen.“

Rousseau: „Dem außerhalb der Gesellschaft stehenden, isolierten Menschen steht, da er gegen niemanden Verpflichtungen zu erfüllen hat, deshalb auch das Recht zu, ganz nach seinem Gefallen zu leben; allein innerhalb der Gesellschaft, wo er notwendigerweise auf Kosten der andern lebt, muss er ihr durch seine Arbeit einen Ersatz für seinen Unterhalt gewähren … Der müßige Bürger ist ein Spitzbube.“

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Platz 5: Sendung von Sonntag, 30.Dezember 2012

In „Spiegel TV“ (RTL) spricht Autor Alexander Neubacher mit Ex-Umweltministerin Renate Künast (Grüne) über Bio-Mais. Auszüge:

Neubacher: „Die Politik lenkt Milliardenbeträge in den Anbau von Mais und Raps. Flower-Power. Es waren die Grünen, die die Sache vor gut zehn Jahren ins Rollen brachten. Die Bauern seien die Ölscheichs der Zukunft, so verkündete es Renate Künast, die damalige grüne Landwirtschaftsministerin. Das ließen sich die Bauern nicht zweimal sagen. Statt weiter Kartoffeln, Kohl und Salat anzubauen, stiegen sie ins Geschäft mit Bio-Sprit und Bio-Gas ein … 2005 nahm der Anbau von Energiepflanzen in Deutschland eine Fläche von etwa 160.000 Hektar in Anspruch. Heute sind es mehr als 2,1 Millionen Hektar, ein Anstieg von 1500 Prozent. Kritiker sind der Ansicht, dass es langsam genug ist mit dem Maisanbau. Biogas schön und gut, aber was ist mit dem Dünger, den Monokulturen, dem Gestank?“ Zu Bildern von Protesten gegen Bio-Gas in Groß Meckelsen: „Früher hat man hier gegen Atomkraft demonstriert, heute gegen Biogasanlagen. Die Menschen haben offenbar die Nase voll von diesen Faulgastürmen, die hier überall stehen. Früher waren die Grünen sehr für Biogas, heute sind sie mehr so dagegen. Wie denkt Renate Künast heute über die Sache? Ich war mit ihr zum Interview verabredet, doch dann hat sie plötzlich abgesagt. Sie geht lieber zu einer grünen Veranstaltung. Es geht um nachhaltige Landwirtschaft. Ich dachte, das Thema Maisanbau gehört doch irgendwie auch dazu.“

Neubacher an einem Getränkestand vor dem Veranstaltungssaal: „Ich würde gerne kurz mit Ihnen sprechen, über Bio-Sprit.“

Künast: „Ja, aber ich würde jetzt nicht über Bio-Sprit sprechen, weil jetzt was anderes mache, eine Veranstaltung, und mir was hole.“

Neubacher: „Frau Künast, wir können uns doch vielleicht einen Moment hinsetzen.“

Künast (kehrt in den Saal zurück): „Nee, ich muss jetzt da hören.“

Neubacher: „Frau Künast, mit dem Bio-Sprit, das ist kein Thema heute?“

Künast: „Wir haben alles mit der Pressestelle geregelt, und ich möchte auch, dass das jetzt aufhört. Haben Sie mittelenglische Umgangsformen? Dann melden Sie sich bei der Pressestelle, und die beantwortet Ihnen das.“

Neubacher: „Das war doch Ihre Idee…“

Künast: „Ich bitte Sie, das doch jetzt mal zu berücksichtigen.“

Neubacher: „War das ein Fehler?“

Künast: „Möchten Sie gehen, oder was? Ich finde das vollkommen unmöglich. Kann ich gerne mit Ihrem Chefredakteur reden, dass Sie immer dazwischenquatschen.“

Neubacher: „Ich stelle Ihnen doch die einfache Frage…“

Künast: „Nein, quatschen Sie (nicht) dazwischen, ich unterhalte mich mit dem Mann, und Sie benehmen sich jetzt mal!“

Neubacher: „Haben Sie ein schlechtes Gewissen, Frau Künast?“

Künast zum Veranstalter: „Es kommt die Stelle, da machst du vom Hausrecht Gebrauch!“

Neubacher nach dem Interview-Versuch: „Ich hatte dann doch noch Gelegenheit, Frau Künast meine Frage zu stellen.“ An einem für Fragen aus dem Publikum vorgehaltenen Mikrofon: „Frau Künast, als Sie Landwirtschaftsministerin in der Bundesregierung waren, hat das ja angefangen mit den hohen Fördersätzen für Bio-Sprit und Bio-Gas, und Sie haben damals gesagt, die Landwirte, sind die Ölscheichs der Zukunft. Wenn Sie sich jetzt anschauen, was daraus geworden ist, also diese großen Flächen voller Mais: Würden Sie sagen, das haben Sie damals falsch gemacht, Sie haben damals einen Fehler gemacht?“

Künast auf der Rednerbühne zum Publikum: „So macht man das! Er läuft immer hinter mir her und wollte mich in dem Film reinhaben, und weil er das nicht kriegt, macht er’s jetzt so. Deshalb hat er auch erst mal nur seinen Namen gesagt und nicht ‚Spiegel TV‘. Also so viel … Nehmt euch ein Herz, Frauen, und seid auch so frech! Frech kommt weiter! So machen es die Männer! So! Und zu Ihrer Frage sage ich Ihnen, äh, an der Stelle eines ganz klar: Wir haben vielleicht nicht so schlecht gedacht wie manche Entwicklung war, aber wir haben die richtigen Vorschläge gemacht. Wir haben als Grüne immer vorgeschlagen, dass es tatsächlich eine Fruchtfolge gibt an der Stelle, und die Regeln sollten andere sei als die, die sie nachher geworden sind, und deshalb werden wir auch weiter dafür kämpfen.“

Goethe, „Der Zauberlehrling“: „Besen, Besen, sei’s gewesen!“

 

In der gleichen Sendung spricht Neubacher mit Ex-Umweltminister Jürgen Trittin. Auszüge:

Neubacher: „Vor zehn Jahren wurde das Einwegpfand eingeführt. Es hat unser Leben verändert. Wie viele Stunden haben wir seither damit verbracht, zerknitterte Plastikflaschen aufzupusten, damit der Pfandautomat sie erkennt. Dabei sah das alles so leicht aus, damals bei Jürgen Trittin … Verrückterweise hat Trittins Einwegpfand nicht die böse Einwegflasche verdrängt, sondern die gute Mehrwegflasche: Ihr Anteil hat sich von 2004 bis heute mehr als halbiert. So war das nicht gedacht. Und Jürgen Trittin – ist er enttäuscht? Was ist mit den Mehrwegflaschen? Die sind ja nahezu verschwunden aus dem Supermarkt. Wenn Sie sich da umgucken: Überall diese wabbeligen Plastikdinger…“

Trittin: „Das… Das stimmt… stimmt ja für Bier nicht.“

Neubacher: „Ach so, Sie trinken nur Bier und kein Wasser.“

Trittin: „Nein, ich sag nur, es gibt unterschiedliche Getränkesorten. Das gilt für Bier nicht, das gilt für zuckerhaltige Erfrischungsgetränke kaum. Es gilt im Wasserbereich. Da ist das so.“

Neubacher: „Das ist eigentlich doch traurig, oder?“

Trittin: „Ja, aber sehen, wir sorgen trotzdem durch das Pfand dafür, dass diese Verpackungen nicht im Müll landen, sondern wieder einer Verwertung zugeführt werden.“

Neubacher: „Aber früher wurden sie ja richtig wiederbefüllt, und jetzt werden sie nur noch…“

Trittin: „Ich bin mit Ihnen der Auffassung, dass Mehrweg besser ist als Einweg, aber ohne das Pfand würde der Einweg im Müll landen. Und das ist auch schlecht.

Neubacher: „Aber als Sie das Pfand eingeführt haben, waren es viel mehr Mehrwegflaschen als es heute sind, von 70 auf 40 Prozent ungefähr, beim Wasser. Das ist doch…“

Trittin: „Beim Bier ist es so geblieben.“

Neubacher: „Bier? Bisher hatte ich die Grünen eher mit Bionade und Kräutertee in Verbindung gebracht.“

Trittin anschließend auf der Rednertribüne zum Publikum: „Ich bin ja hier schon im Reingehen gefragt worden, wie ich das finde, mit ... äh, mit der Frage des Dosenpfandes. Ich sage immer: So etwas, wo wir eine Abgabe auf … ein Pfand eingeführt haben, keine Abgabe, hat dazu geführt, dass es in Bayern und in vielen anderen Teilen dieser Republik noch einen ganzen Haufen von kleinen Brauereien gibt. Das war ein aktiver Beitrag zur Erhaltung der Bierkultur in Deutschland.“

Austin O’Malley (1858-1932): „Ein Politiker ist wie Quecksilber: Wenn du den Finger auf ihn legen willst, so findest du nichts darunter.“

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Platz 4: Sendung von Samstag, 1.Dezember 2012

In „Kabarett am Minarett“ aus der Moschee in Duisburg-Marxloh sagen

WDR-Kabarettist Jürgen Becker: „Kabarett und Gottesdienst haben ja viel gemeinsam: Meistens ältere Leute kommen zusammen und hören jemandem zu, der immer Recht hat und alles weiß.“

„Der einzige Unterschied zwischen Religion und Kabarett ist: Die Kabarettisten wissen, dass man ein Programm hin und wieder aktualisieren muss.“ - „Religion ist ein bisschen so wie Alkohol: Die einen macht er ruhig und zufrieden, die anderen macht es aggressiv, und zuviel davon ist auf Dauer nicht gut fürs Gehirn. Deshalb gibt es hier draußen eine Schenke, aber keinen Alkohol: Hier huldigt man dem Teeismus!“ - „Christian Ströbele ist der Mann, wo man sich immer fragt: Sind das noch die Augenbrauen oder ist das schon ein Naturschutzgebiet?“ - „Ströbele hat gesagt, man solle in Deutschland einen islamischen Feiertag einführen und dafür einen christlichen wegfallen lassen. Das, liebe Türken, finde ich falsch. Das kann nur klappen, wenn man den christlichen Feiertag nicht wegfallen lässt, sondern euren islamischen zusätzlich bekommt. Zum Beispiel an einem Donnerstag: Man soll doch Brücken zwischen den Religionen bauen!“

WDR-Kabarettist Özgür Cebe: „Ich habe eine deutsche Freundin, die ist katholisch. Wenn wir uns streiten, ist das kein normaler Beziehungsstreit. Bei uns ist das mehr ein Beziehungsjihad. Sie kontert dann immer mit einem Beziehungs-Kreuzzug!“ – „Früher war es schon ein Problem, wenn Katholiken Protestanten heirateten. Ein Bekannter von mir, der Reinhard, der ist ja katholisch, und der Pfarrer hat sich damals gegen seine Ehe ausgesprochen, weil der Willy evangelisch ist.“ – „In der Weihnachtszeit, wenn es klingelt und der kleine Kevin die Tür aufmacht, und sieht so einen älteren Herrn mit einem langen weißen Bart, weiß er: Juhu, ich krieg ‘ne Bescherung! Wenn aber der kleine Mustafa die Tür aufmacht und sieht so’n Typen mit einem langen weißen Bart, weiß er: Oh Scheiße, ich krieg ’ne Beschneidung!“ – „Wo wir gerade dieses Thema anschneiden, es ist ja hochaktuell: Es wurde ja zuerst verboten und am Ende doch noch wieder erlaubt. Die reinste Salamitaktik!“ – „Wenn ihr sagt, Beschneidung ist Körperverletzung, sage ich: Taufe ist Waterboarding!“ – „Der Islam ist quasi ein prophetorientiertes Unternehmen.“ – „Moslem wirst du, indem du das Glaubensbekenntnis ablegst. Du sagst: ‘Es gibt nur einen Gott, und Mohammed ist sein Prophet!‘ Ein einziger Satz, und dein Leben verändert sich komplett. Das ist so ähnlich wie bei dem Satz ‚Schatz, ich bin schwanger!‘“ – „Moslem ist wirklich ein bisschen wie schwanger sein: Plötzlich darfst du keinen Alkohol mehr trinken, ziehst komische Klamotten an, und wenn du nicht bekommst, was du willst, machst du auch hin und wieder Terror!“ – „Wie wäre es, wenn ich alle drei Weltreligionen friedlich in einem Körper vereine? Der Moslem in mir könnte den Propheten verehren, der Christ in mir könnte den Messias anbeten und der Jude in mir könnte immer noch auf ihn warten – wen stört’s?“ – „Ostern ist es am schönsten: Der Christ versteckt die Eier, der Jude findet sie, und der Moslem spielt mit ihnen!“

Friedrich Schlegel: „Die Gesellschaft ist ein Chaos, das nur durch Witz zu bilden und in Harmonie zu bringen ist.“

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Platz 3: Sendung von Samstag, 15.September 2012

In „Supertalent“ sagen

RTL-Kandidat Bruce Gaston: „Ich spiele heute ‚Cherry Cherry Lady‘ – Handfurzen!“

RTL-Moderatorin Michelle Hunziker: „Handfurzen? Habe ich das richtig verstanden?“

RTL-Moderator Bohlen: „Ja, Handfurzen.“

Hunziker: „Handfurzen? Wollt ihr Handfurzen?“

Bohlen: „Ja.“

RTL-Moderator Gottschalk: „Hat das in Amerika einen etwas schöneren Namen?“

Gaston: „Handfarting.“

Gottschalk: „Also mein Versuch, die Nummer auf ein höheres Niveau zu heben, ist gescheitert.“

Bohlen: „Warum macht er sich das so schwer? Ich meine, warum furzt er mit den Händen und nicht da, wo man sonst so...?“

Hunziker: „Bruce, lass uns mal sehen ... Haha, er macht sogar die höheren Noten ... Oh nein, sogar eine standing ovation für das, das gibt’s doch nicht!“

Bohlen ins Publikum: „Seid ihr jetzt aufgestanden, weil der Titel so schön ist, oder weil er so schön gefurzt hat?“

Gottschalk: „Er hat auch wirklich was draus gemacht aus dem Lied ... Kommt man mit so einer Nummer bei den Frauen an?““

Gaston: „Yes, this works with the ladies. And I do a very short form of ‘Yesterday’ by the Beatles.”

Bohlen: “Ich habe ja noch nie gewusst, dass ‘Cherry Cherry Lady’ und ‘Yesterday’ nur einen Furz auseinanderliegen ... Das ist einzigartig!“

Hunziker: „Ja, ich dachte auch, jetzt kommt einer aus Pennsylvania und furzt mit den Händen, und ich wollte schon ganz groß ‚Nein‘ machen, und jetzt bin ich verzweifelt, denn ich habe noch nie Töne in den Fürzen gehört, in meinem Leben.“

Bohlen: „Da musst du mal zu mir nach Hause kommen.“

Hunziker: „Es kann wirklich alles passieren auf dieser Bühne. Man denkt da, weißt du, Handfurzer, den macht man jetzt gleich fertig...“

Bohlen: „Was mich umgehauen hat, ist, wie dieses Publikum reagiert hat. Standing ovations!“

Gottschalk: „Aber das ist eine geschickte Kombi. Das war natürlich für den auch ein Bringer, dass er dieses Lied (Bohlens ‚Cherry Cherry Lady‘) gespielt hat.“

Bohlen: „Das ist natürlich auch relativ einfach zu furzen, weil es immer nur diese kurzen Töne. Längere Töne sind schwieriger.“

Supertalente unter sich.

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Platz 2: Sendung von Sonntag, 16.Dezember 2012

Nach dem Tatort „Das goldene Band“ spricht ARD-Talkmaster Günter Jauch mit Gästen über „Tatort Rotlichtmilieu – wie brutal ist das Geschäft mit dem Sex?“ und die Legalisierung der Prostitution 2002 durch die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Schröder. Auszüge:

Jauch: „Frau Künast, ist für Sie eine freiwillige Prostitution vorstellbar?“

Ex-Bundesministerin Sabine Künast (Grüne): „Es scheint sie zu geben. Im Übrigen haben wir für die Fälle das Prostitutionsgesetz gemacht. Das hat null mit dem zu tun, was jetzt hier in den beiden Tatort-Folgen gezeigt wurde. Das sind unterschiedliche Tatbestände, auch wenn Alice Schwarzer das jetzt gleich wieder negieren wird. Alter Streit.“

Alice Schwarzer zu einem ebenfalls eingeladenen Bordellbesitzer aus Stuttgart: „Sie sind das letzte Glied einer langen Kette von Verbrechern. Sie sind in Deutschland kein Verbrecher – da können Sie sich bei Frau Künast und anderen bedanken -, weil, wir haben eine Gesetzeslage, wo Sie das, was Sie tun, tun dürfen.“

Jauch: „War das vielleicht ein gut gemeintes Gesetz, was aber danebengegangen ist?“

Künast: „Ne, ich stehe zu dem Gesetz, weil ich glaube, dass es mit dem Menschenhandel keinen Zusammenhang gibt. Ich kenne keine Zahlen, die das belegen.“

Schwarzer: „Die gesamte Prostitution ist vom Rotlichtmilieu untrennbar. Renate, ich wundere mich sehr, dass du das nicht weißt.“

Künast: „Doch.“

Schwarzer. „Ja, das müsstest du eigentlich wissen! Prostitution und Menschenhandel sind untrennbar.“

Künast: „Ich habe auch nicht bestritten, das zu wissen, meine Liebe!“

Schwarzer: „Ich wundere mich, dass du nicht endlich mal ein bisschen selbstkritisch darüber redest, denn was ihr da angerichtet habt, ist eine Katastrophe. Jeder, der von der Sache etwas verstand, hat gewarnt vor dieser Freigabe der Prostitution. Seit der von euch eingeführten Gesetzlosigkeit, die von der Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger stramm weiter verteidigt wird, werden diese Zustände aufrechterhalten.“

Jauch: „Also Frau Leutheusser-Schnarrenberger scheint auch Ihr Feindbild zu sein…“

Schwarzer: „Ja, natürlich! Deutschland ist ein Eldorado der Zuhälter, der Bordelliers und der Menschenhändler.“

Künast: „Darf ich mich auch mal melden? Es weiß ja keiner von uns genau, warum Frauen der Prostitution nachgehen.“

Schwarzer: „Doch, das wissen wir!“

Künast: „Zwangsprostitution und Menschenhandel sind nie legal gewesen.“

Schwarzer: „Das lässt sich doch überhaupt nicht trennen!“

Künast zu dem Bordellbesitzer: „Sie kommen um den Punkt nicht herum, dass es Armutsmigration aus Rumänien gibt…“

Schwarzer: „Die kann es nur dank eures Gesetzes geben, Renate! Wie lange willst du das noch leugnen!““

Künast: „Wir müssen uns nicht duzen!“

Schwarzer: „Wir können aber. Wir haben’s ja immer getan.“

Jauch: „Wird das jetzt aufgekündigt hier?“

Künast: „Langsam versteht das kein Mensch mehr.“

Schwarzer: „Doch, doch, doch, so doof sind die Menschen nicht.“

Jauch: „Im Moment versteht man das ganz gut.“

Schwarzer: „Ich möchte mal was zu dieser Strategie der Gesellschaftsfähigkeit sagen, dass also Anwälte und hohe Politiker sich die Hand schütteln…“

Künast: „Da war kein Politiker dabei.“

Schwarzer: „Es wurde aber einer erwähnt. Das ist ja eines der großen Probleme: die Gesellschaftsfähigkeit der Prostitution. Zum Beispiel in Pulheim bei Köln. Da ist jetzt ein Bordell-Mitarbeiter, der Bruder des Bordellbesitzers, Karnevalsprinz geworden. Der Prinz aus dem Puff. Das erste, was der angekündigt hat, öffentlich: Ich gehe gleich mit meinem ganzen Geschirr‘ – also allem, was zu so ’nem Prinzen noch gehört – gleich am 3.Januar zum Table Dance ins ‚Pascha‘. Was denken sich eigentlich die Ehefrauen dieser Männer?“

Jauch: „Frau Künast, das kann die Politik nicht auch noch regeln, was die Ehefrauen sich dabei denken?“

Schwarzer: „Nein…“

Künast: „Ich heiße Künast!“

Schwarzer: „Aber die Politik…“

Künast: „Vielleicht wäre es ja schön, wenn manche…“

Schwarzer: „Moment! Aber die Politik kann ein gesellschaftliches Klima…“

Künast: „Darf mal jemand anders reden?“

Schwarzer: „…der Akzeptanz oder der Ächtung schaffen.“

Jauch: „So. Jetzt Frau Künast.“

Künast: „An der Stelle ist auch die Frage, wer diesen Karnevalsprinzen dann noch hofiert, und ob der Bürgermeister ihn vielleicht auch noch empfängt. Dann wird’s wirklich putzig. Was mir auf den Nägeln brennt, ist diese Europaratskonvention gegen den Menschenhandel. Da sind auch ein paar Maßnahmen drin: mehr Rechte für die Polizei, Betretungs- und Kontrollrechte…“

Schwarzer: „Die habt ihr ja abgeschafft.“

Jauch: „Herzlichen Dank für die lebendige Diskussion, bei der ich doch hoffe, dass sie nicht in die Aufkündigung einer, wie ich den Eindruck hatte, langjährigen Freundschaft gemündet ist. Ist das so?“

Schwarzer: „Na, sagen wir mal: Duzschaft.“

Künast: „Duzschaft.“

Jauch: „Ich lade Sie herzlich ein, das weiter bei alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken zu diskutieren.“

The show must go on.

*

Platz 1: Sendung von Dienstag, 25.Dezember 2012

In „Nuhr die Ruhe“ sagt RTL-Kabarettist Dieter Nuhr (Auszüge):

„Ich habe schon so viele Weltuntergänge erlebt – ich kriege keine Panik mehr zustande! Mit dem Waldsterben fing es an. Haben Sie schon mal einem Borkenkäfer in die Augen geguckt? Der sieht ein bisschen aus wie Andre Rieux mit Hörnern. Dann kam das Ozonloch. Überall nur rostbraune Blondinen mit einer Haut wie Ente süßsauer. Viele haben es gar nicht mitgekriegt: Falls Sie das Ozonloch suchen – es ist weg. Dann kam die Gentechnik. Da sagte man mir: Du bist verseucht. Dein ganzer Körper ist voller Gene. Dein ganzes Essen, Fleisch, Pflanzen, das sind alles Gene, und wenn man die isst, und die sind verändert, dann – ja, verstanden habe ich das auch nicht. Ich habe gedacht, dann verdaut man die. Jedenfalls sind viele damals umgestiegen auf Veganer: Nur noch Steine und Plastik. Dann kam der Rinderwahnsinn. Plötzlich hieß es: Ganz England ist wahnsinnig – bis man merkte: Das ist ganz normal! Und wenn ich mich recht erinnere, kam damals schon die Klimakatastrophe. Die war uns ja in den 70er Jahren schon angekündigt worden – damals noch als Eiszeit. Dann kam die Vogelgrippe. Was ist eigentlich aus der Vogelgrippe geworden? Die Schweinegrippe! Ich kriegte damals so ein Kratzen im Hals und dachte: Hoffentlich ist es Typhus! Wenn der nächste Weltuntergang ausgerufen wird, und ich bin sicher, er kommt – dann haben Sie Verständnis, wenn ich nicht gleich in Panik ausbreche. Wenn jemand sagt, die Pest kommt wieder, werde ich sagen: Jou, die geht auch wieder!“

 

 Wir wünschen allen Lesern einen guten Rutsch!

 

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