„Das Wesen aller Kultur ist Religion“

Montag, 31. Dezember 2012

Das Wort vom Sonntag

Am Samstag, den 29.Dezember feierte die katholische Christenheit den Gedenktag des hl. David (1034-971 v.Chr.) Er ist der Stammvater des berühmten Geschlechts, in das Jesus tausend Jahre später als Messias und „Sohn Davids“ hineingeboren wird. Auch er selbst ist in Bethlehem zur Welt gekommen. Sein Name bedeutet „Liebling“, und er wird geliebt: von seiner Familie, seinen Kriegern, seinem Volk, seinem Gott. Der blonde Hirtenjunge fällt den Riesen Goliath mit einer Schleuder, erobert Jerusalem, befreit die göttliche Bundeslade aus der Gewalt der Philister und dichtet 73 Psalmen. Aber er ist auch ein Sünder: Er verführt eine verheiratete Frau und schickt deren Ehemann in den sicheren Tod. Schon die ältesten Kirchenkalender zeigen David als Heiligen zum Weihnachtsfest. Bei den Germanen braust er als „Wilder Jäger“ durch die Lüfte. Das Mittelalter nennt das Sternbild des Großen Wagens „Davidswagen“, brüht Kranken Davidstee, schützt sich mit dem Davidsstern vor Feuer und bösen Geistern und feiert am 29. Dezember den Davidstag mit Masken, Tanz und Süßigkeiten. Karl der Große lässt sich von seinem Hofstaat mit „König David“ anreden. Michelangelo meißelt den jungen David als eine seiner schönsten Statuen, Chagall malt den alten David als weisen Herrscher. Für Christen verkörpert er die Eigenständigkeit des Beters, der nicht nur das Wort Gottes empfängt, sondern in seinen Psalmen auch selbst das Wort an Gott richtet und dabei die ganze Gefühlswelt zwischen Todesangst und Hoffnung, Klage und Jubel zum Ausdruck bringt. Heute wird im Heiligen Land besonders zu Weihnachten oft ein Wort Davids aus dem 34. Psalm zitiert: „Suche den Frieden, jage ihm nach!“

Darstellungen: Im Kampf mit Goliath, als Prophet im Königsmantel, als königlicher Sänger, als Büßer und mit seinem Sohn Salomo auf der Höllenfahrt Christi.

Attribute: Krone, Steinschleuder, Harfe.

Nach dem Volksglauben hilft David vor allem gegen Feuer und andere Gefahren sowie Unfälle beim Vieh.

Namensformen: Daud, Dave, Davido, Davio, Davis, Davith, Davud, Dawidh, Dawud, Davy, Dovydas.

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Die Kirche ist eine Wanderbaustelle: Sie kommt nur langsam voran, aber sie fasst mit ihren Signalen den Lebensweg sicher ein und sorgt für eine gut befahrbare Bahn.

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Beethoven, Sonate Nr.1: Erst die Essenz der Lebensfreude eines jungen Mannes, dann eine Leiter zur Wahrheit, und zum Schluss vergilbt ein Dichterwort weise und ungelesen. Barenboim: "Ich glaube, es war Bülow, der sagte, Bachs wohltemperiertes Klavier sei das Alte Testament, Beethovens Sonaten aber seien das Neue Testament der Musik."

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Thomas Morus an seine Lieblingstochter Margaret Roper: "Mit unserem Herrn und den Verdiensten seines bitteren Leidens verbunden - es übertrifft mein ganzes Dulden an Art und Weise um ein Unendliches - wird mein Leiden mir die am Läuterungsort geschuldeten Strafen mildern und durch die freigebige Güte Gottes auch den Lohn im Himmel ein wenig mehren … Er wird es fügen, dass den Menschen durch mich mehr sein Erbarmen als seine Gerechtigkeit nahegebracht wird. Sei also guten Mutes, was immer mir auch in dieser Welt zustößt. Es kann mir nichts geschehen, was Gott nicht will. Was immer er aber will, so schlimm es scheinen mag, es ist dennoch wahrhaft des Beste." Der Heilige starb 1635 auf dem Schafott.

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In „Das Wort zum Sonntag“ (ARD) sagt der katholische Pfarrer Wolfgang Beck aus Hannover (Auszüge): „Eine leere Schale, von einer leeren Obstschale berichtete vor einiger Zeit der Leiter eines Kindergartens in unserem Stadtteil. Er erzählte von der Obstschale in seinem Kindergarten und davon, dass sie an zwei Tagen immer auffallend schnell leer ist. Der Hinweis auf die zwei besonders vitaminreichen Wochentage hat einen ganz und gar nicht lustigen Hintergrund. Denn die begehrte Obstschale am Freitag und am Montag ist nichts anderes als die Klage der Kinder, die am Wochenende in ihren Familien nicht ausreichend versorgt sind! Klar, da steckt sich manches Kind gerne am Freitagmittag noch mal ein bisschen Obst in die Jackentasche und greift auch am Montag mit beiden Händen zu. Die Erzählung von der leeren Obstschale hat sich mir deshalb eingebrannt. Denn sie zeigt anschaulich, was sich hinter mancher Statistik verbirgt, die dann auch noch schöngeredet wird. So weist der Paritätische Wohlfahrtsverband darauf hin, dass mittlerweile jeder sechste Bürger in unserem Land armutsgefährdet ist…“

Und wie viele leiden an Armut der Seele, weil unsere Seelsorger sich nicht als Geistliche, sondern als Sozialkritiker verstehen? Kästner: „Da hilft kein Zorn. Da hilft kein Spott. / Da hilft kein Weinen, hilft kein Beten. / Die Nachricht stimmt! Der liebe Gott / Ist aus der Kirche ausgetreten.“  

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Spengler im „Untergang des Abendlandes“: "Die Welt statt aus der Höhe, wie Aischylos, Plato, Dante, Goethe, unter dem Gesichtspunkt der alltäglichen Notdurft und andrängenden Wirklichkeit betrachten: das nenne ich die Vogelperspektive des Lebens mit der Froschperspektive vertauschen. Und das ist eben der Abstieg von einer Kultur zur Zivilisation." - "Die Tiefe fehlt, das, was der frühere Mensch Gott nannte." - "Jede Seele hat Religion.“ - "Das Wesen aller Kultur ist Religion; folglich ist das Wesen aller Zivilisation Irreligion." - "Dies Erlöschen der lebendigen inneren Religiosität, das allmählich auch den unbedeutendsten Zug des Daseins gestaltet und erfüllt, ist es, was im historischen Weltbild als die Wendung der Kultur zur Zivilisation erscheint, als das Klimakterium der Kultur, wie ich es früher nannte, als die Zeitwende, wo die seelische Fruchtbarkeit einer Art von Mensch für immer erschöpft ist und die Konstruktion an Stelle der Zeugung tritt. Fasst man das Wort Unfruchtbarkeit in seiner ganzen ursprünglichen Schwere, so bezeichnet es das volle Schicksal des weltstädtischen Gehirnmenschen, und es gehört zum Bedeutsamsten der geschichtlichen Symbolik, dass diese Wendung sich nicht nur im Erlöschen der großen Kunst, der gesellschaftlichen Formen, der großen Denksysteme, des großen Stils überhaupt, sondern auch ganz körperlich in der Kinderlosigkeit und dem Rassetod der zivilisierten, vom Lande abgelösten Schichten ausspricht, eine Erscheinung, die in der römischen und chinesischen Kaiserzeit viel bemerkt und beklagt, aber notwendigerweise nicht gemildert worden ist … Angesichts dieser neuen, rein geistigen Bildungen darf man über ihren lebendigen Träger nicht im Zweifel sein, den 'neuen Menschen', als der er hoffnungsvoll von allen Niedergangszeiten empfunden worden ist. Es ist der formlos durch alle Großstädte flutende Pöbel an Stelle des Volkes, die wurzellose städtische Masse, oi polloi, wie man in Athen sagte, an Stelle des mit der Natur verwachsenen, selbst auf dem Boden der Städte noch bäuerlichen Menschentums einer Kulturlandschaft. Es ist der 'Agorabesucher' Alexandrias und Roms und sein 'Zeitgenosse', der moderne Zeitungsleser; es ist der 'Gebildete', jener Anhänger eines Kultus des geistigen Mittelmaßes und der Öffentlichkeit als Kultstätte, damals wie heute; es ist der antike und abendländische Mensch der Theater und Vergnügungsorte, des Sports und der Literatur des Tages …  Dem entspricht eine charakteristische Form der öffentlichen Wirksamkeit, die Diatribe. Zuerst als hellenische Erscheinungsform beobachtet, gehört sie zu den Wirkungsformen jeder Zivilisation. Durch und durch dialektisch, praktisch, plebejisch, ersetzt sie die bedeutsame, weithin wirksame Gestalt großer Menschen durch schrankenlose Agitation der Kleinen, aber Klugen, Ideen durch Zwecke, Symbole durch Programme. Das Expansive jeder Zivilisation, der imperialistische Ersatz des inneren, seelischen durch den äußeren Raum kennzeichnet auch sie: die Quantität ersetzt die Qualität, die Verbreitung die Vertiefung … Die Diatribe erscheint als antike Rhetorik, als abendländischer Journalismus. Sie wendet sich an die Meisten, nicht an die Besten. Sie wertet ihre Mittel nach der Zahl der Erfolge. Sie setzt an Stelle des Denkertums früherer Zeiten die intellektuelle männliche Prostitution in Rede und Schrift, wie sie alle Säle und Plätze der Weltstädte füllt und beherrscht."

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Vinzenz von Paul: „Man muss wenigstens so viel Zeit aufwenden, Gott für seine Wohltaten zu danken, als man gebraucht hat, ihn darum zu bitten.“

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