Herz, nicht Kopf

Donnerstag, 3. Januar 2013

Das Wort zum Freitag

Morgen kann die Bundeskanzlerin Namenstag feiern: Der 4. Januar ist der Gedenktag der sel. Angela von Foligno (um 1249-1309). Im „Großen Buch der Heiligen“ schreiben Erna und Hans Melchers über die große Mystikerin: „Sie gehört zu den heiligen Frauen, die das dunkle ‚Duecento‘ in Italien mit ihrem Licht erhellten.“ Wie viele andere junge Damen lebt die für ihre Schönheit bewunderte Tochter aus gutem Hause erst ein „weibliches Leben der Lust und Sünde“: Auch nach der Hochzeit mit einem reichen Gutsbesitzer, dem sie mehrere Kinder schenkt, gibt sie sich „den Genüssen der Welt hin, die ihr das Vermögen ihres Gatten ermöglichte.“ Sie ist „tief in das gesellschaftliche Leben der Stadt verstrickt“ und spielt darin „wegen ihrer Schönheit eine bedeutende Rolle“. Doch die Lehre des hl. Franziskus wirkt noch immer nach, Foligno liegt kaum 20 Kilometer von Assisi entfernt, und bald bekommt die umschwärmte Angela Gewissensbisse. Sie geht zur Beichte, doch geht aus ihrer Lebensbeschreibung hervor, dass sie „gewisse Sünden“ verschweigt. Deshalb empfängt sie die hl. Sakramente als Unwürdige, und das plagt sie noch mehr. Von Seelenqualen bedrängt und von Alpträumen erschreckt, notiert sie: „Ich zitterte in großer Angst vor der ewigen Verdammnis.“ Als sie zum hl. Franziskus betet, erscheint ihr Christus selbst und gibt ihr die Kraft, mit ihrem bisherigen Leben zu brechen. Sie zieht sich von der Welt zurück und erduldet geduldig furchtbare Prüfungen: den Tod ihrer Mutter, ihres Ehemannes und ihrer Kinder. Als das letzte tot ist, verkauft sie ihre Güter, schenkt das Geld den Armen, geht nach Assisi, tritt in den Dritten Orden des hl. Franziskus und lebt ein opfervolles, an Entbehrungen reiches und von Krankheiten beschwertes Büßerleben. Immer wieder quälen sie Zweifel, immer wieder aber auch bestärken sie Visionen: „Ich sah Gott. Aber fragst du, was ich sah, so sage ich, ich sah Ihn, und etwas anderes kann ich nicht sagen.  Ich sah eine Fülle und Klarheit, die mich so erfüllte, daß ich nicht imstande bin, es auszudrücken.“ Fortan ist ihr Leben unausgesetzt Gebet: „Willst du zu den nächsten Zinnen der Vollkommenheit gelangen, so bete! Hast du begonnen und willst fortfahren, so bete! Bete und bete immer wieder, denn der Heilige Geist kommt nur über die herab, die beten.“ Sie wird in der Franziskuskirche in Foligno beigesetzt und 1693 selig gesprochen. Am 20. Juni 1993 besucht Papst Johannes Paul II. das „Santuario Beata Angela“ in der Chiesa S. Francesco in Foligno und sagt in einem Gebet: „Selige Angela von Foligno! Große Wunder hat der Herr in dir vollbracht.  Mit dankbarer Seele schauen wir heute und beten das geheime Mysterium der göttlichen Barmherzigkeit an, die dich auf den Weg des Kreuzes geführt hat und dich erhöhte zu Heldengröße und Heiligkeit.“ Chronisten schildern Angela als willensstark, hochintelligent und von großer Innerlichkeit. Ihr mystisches Erleben nähert sich immer mehr Christus, bis die Seele sich mit ihm in Liebe und Schmerz vereint und die Erfahrung Gottes als „Ognibene”, als höchste Vollendung, ermöglicht.

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Es gibt eine Realität jenseits des Realen. Die Wissenschaft verleugnet sie, der Aberglaube sucht sie blind, doch der Glaube kennt den Weg.

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In der TV-Sendung „Ottfried Fischer live“ sagt der Kabarettist: „Wer sich auf der Flucht befindet, ist eine arme Sau. Zum Beispiel die Heilige Familie: Hals über Kopf nach Ägypten. Andernfalls hätte uns Herodes durch rechtzeitiges Eliminieren eines Religionsstifters die heilige Inquisition und den Kardinal Meisner erspart. Ich möchte nicht wissen, was in den 200 Millionen Flüchtlingen weltweit schlummert, die Katholiken beten nämlich schon wieder. Der Kirchenfunkredakteur vom Bayerischen Rundfunk, mit dem haben wir diskutiert, über das Fliehen als solches, und er hat gesagt: Der edelste Flüchtling sei doch wohl der, der flieht, um sich selber treu bleiben zu können. Che Guevara! Der Che Guevara hätte doch in aller Ruhe die Früchte seiner wohlverdienten Revolution auf Kuba genießen können. Aber nein, was macht er, der unverbesserliche Idealist? Begibt sich wieder in den aufreibenden Kampf der Revolution. ‚Manchmal muss man fliehen, um nicht vor sich selbst fliehen zu müssen.‘ Che Guevara!“

Dazu Norbert Blüm, 1989 in Danzig: „Marx ist tot, Jesus lebt.“

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Fanatismus zeugt nicht von einem starken, sondern von einem schwachen Glauben.

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Am Sonntag feiert die Christenheit den Festtag der hl. Drei Könige. Die Sterndeuter folgen einem Himmelszeichen, das sie als erste erkennen. Sie sind die Boten der großen Welt im kleinen Städtchen Bethlehem. Ihre Gaben sehen die Heilsgeschichte voraus: Gold dem König, Weihrauch den Gott, das Baumharz Myrrhe ist der Balsam des Todes. Für Papst Benedikt XVI. ist ihre Ankunft „das Zeichen des Offenbarwerdens des universalen Königs vor den Völkern und vor allen Menschen, die die Wahrheit suchen.“ In der Bibel sind sie „Weise aus dem Morgenland“, erst in der Legende werden sie Könige. Ihre Dreizahl erschließt sich schon die Spätantike aus den Geschenken, das 6. Jahrhundert nennt sie bereits Caspar, Melchior und Balthasar: „Verwalter der Schätze“, „König des Lichts“ und „Gott schütze sein Leben“. Nach jüngeren Forschungen deuten die Namen auf Babylonien und Persien. Der Apostel Thomas missioniert dort und tauft die drei. Im Jahr 54 feiern die Könige gemeinsam Weihnachten, kurz darauf sterben sie in der heute verschollenen Stadt Sewe: Melchior mit 116, Balthasar mit 112, Caspar mit 109 Jahren. Im Mittelalter machen ihre Reliquien das „heilige Köln“ zum berühmten Wallfahrtsort. Nach den Kreuzzügen findet die Legende die drei sogar in Indien, Nubien und Äthiopien, und im 15.Jahrhundert wird Caspar als Jüngster schließlich zum Mohren. Der Papst sagt über die Sterndeuter, um „eine Ordnung der gerechten und nachhaltigen Entwicklung zu errichten“, bedürfe es Menschen, „die eine große Hoffnung hegen und daher viel Mut haben. Wir alle brauchen diesen Mut, der in einer festen Hoffnung verwurzelt ist.“   

Patronate: Köln, Sachsen, Pilger, Reisende und Reiter, Kürschner, Spielkartenfabrikanten, Gastwirte.

Nach dem Volksglauben helfen die hl. Drei Könige gegen Zauberei, Epilepsie, Gewitter und Hagel sowie für einen guten Tod.

Darstellung: Balthasar als Greis, Melchior im mittleren Lebensalter, Caspar als junger schwarzer Afrikaner.

Attribute: Stern, Krone, Gold, Weihrauch, Myrrhe.

Wetterregel: „Ist bis Dreikönigstag kein Winter, so kommt auch kein strenger mehr dahinter.“

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Christoph Martin Wieland: „Religion ist eine Angelegenheit des Herzens, nicht des Kopfes."


 

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