Drei Könige auf dem Schädelbrett

Samstag, 5. Januar 2013

Jedes Jahr am 6.Januar öffnen Kirchendiener im Kölner Dom den acht Jahrhunderte alten Reliquienschrein und bieten die Reliquien der biblischen Weisen zur Verehrung dar. Was ist Legende, was Geschichte?

Das Protokoll ist umfassend, detailliert und präzise: Nicht weniger als 183 Knochenstücke führen die Professoren auf, darunter „ein vollständiges Becken in drei Stücken“, „zwanzig einzelne Wirbel des Lenden-, Brust- und Halsbereiches“ oder „drei Rippen an der vorderen Brustseite noch mit vertrockneter Haut“. Die Fragmente liegen in „Resten uralter vermoderter Binden, wahrscheinlich Byssus“, dem feine Leinen- und Seidengewebe der Antike, „nebst Stücken aromatischer Harze und ähnlicher Substanzen.“

Das Puzzle dauert wenige Tage, dann sind die Überreste „mit Beihilfe der anwesenden Sachverständigen“ zu den „fast vollständigen Körpern“ dreier Personen geordnet: „Der eine aus erster Jugendzeit, der zweite im ersten Mannesalter, der dritte bejahrt.“

Nicht nur Christen sind die Namen der Toten bestens bekannt: Caspar, Melchior und Balthasar. Als hl. Drei Könige finden sie weltweit Verehrung. Ihre Gebeine in dem berühmten Schrein über dem Hochaltar im Kölner Dom zählen zu den wichtigsten Reliquien, die Gläubige mit Weihnachten verbinden.   

Das Geburtsfest des Erlösers ist ebenso wie Ostern Anlass für viele Christen, sich eingehender als sonst mit ihrem Glauben zu beschäftigen. Für manche gehörten dazu auch Wallfahrten zu den Heiligtümern der Kirche. Der Kölner Dom zählt seit dem 12. Jahrhundert zu den wichtigsten Pilgerzielen Europas. Und das ist fast ausschließlich das Verdienst des Reliquienschatzes in dem kostbaren goldenen Schrein.

Dabei ist nicht einmal für den Vatikan sicher, dass es die Heiligen aus dem Schrein wirklich gab. Die Bibel sagt weder, dass es drei waren, noch nennt sie Namen. Nach dem Evangelisten Matthäus sind die weitgereisten Morgenländer unter dem Weihnachtsstern keine Monarchen, sondern Magier, Astrologen oder Weise. Erst zwei Kirchenväter des 3.Jahrhunderts, Origenes und Tertullian, machen sie zu Königen.

Roms erste christliche Kaiserin Helena findet um das Jahr 324 auf einer Pilgerfahrt zusammen mit vielen anderen Reliquien auch die Gebeine dieser ersten heidnischen Glaubenszeugen und überführte sie nach Konstantinopel. Ein Jahrhundert später kommen die knöchernen Kostbarkeiten als Geschenk nach Mailand, wo ihr Kult besonders im 9.Jahrhundert blüht. Als Kaiser Barbarossa die mächtige lombardische Metropole erobert und zerstört, überlässt er den Glaubensschatz seinem Reichskanzler Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln. Der Kirchenmann bringt die Reliquien im Jahr 1164 auf einem gefahrvollen Transport über die Alpen in seine Heimatstadt, die prompt als „hilliges Köln“ einen höchst willkommenen Aufschwung nimmt.

Der Ansturm der Pilger aus dem ganzen Abendland ist so groß, dass der alte Dom bald zu klein wird, und die Kölner beginnen im Jahr 1250 mit dem Bau jener gewaltigen Kathedrale, die bis heute die Silhouette der Millionenstadt beherrscht.

Jedes Jahr am Dreikönigstag, dem 6.Januar, öffnen Kirchendiener den acht Jahrhunderte alten Reliquienschrein und bieten die Häupter der drei auf dem „Schädelbrett“ den Gläubigen zur Verehrung dar. Doch stammen die die Reliquien wirklich von den allerersten Anbetern, die dem Jesuskind Gold, Weihrauch und Myrrhe darbringen? Wissenschaftler bezeugen zwar nicht die Echtheit, wohl aber das ehrwürdige Alter der Gebeine. Die Beweiskette ist lückenlos:

Der berühmte Theologe und Kirchenhistoriker Heinrich Joseph Floß (1819-1881) war dabei, als der Schrein 1864 zur 700 Jahr-Feier der Übertragung aus Mailand zum bisher letzten Mal geöffnet wird. Der Augenzeuge sieht zwischen den Knochenstücken auch „zwei Münzen, Bracteaten von Silber und nur auf einer Seite geprägt“. Die eine stammt „erweislich aus den Tagen Philipps von Heinsberg“, 1167 bis 1191 Erzbischof von Köln. Die andere, so der Augenzeuge, „ist jedenfalls nicht jünger und dürfte sich vielleicht als eine Münze Rainald's erweisen“, der seine Heimatstadt durch den Reliquienraub reich macht. 

Ein anderer Augenzeuge, der Kunsthistoriker Franz Johann Joseph Bock (1823-1899), berichtet: „Ein weiterer Fund bestand in einzelnen kleineren Schnüren von orientalischen Perlen, zwischen welchen ein filigraniertes Ornament in Gold von der Größe einer Erbse sichtbar wurde, dessen Form und technische Ausarbeitung für seine Entstehung im zwölften Jahrhundert bezeichnend sein dürfte.“

Damit steht allerdings zunächst nur fest, dass der Dreikönigsschrein wirklich in der Zeit Kaiser Friedrich Barbarossas angefertigt und gefüllt wird. Die Authentiztät des Inhalts bestätigen jüngere Beweise. Der Kölner Weihbischof Johann Anton Friedrich Baudri (1804-1893), Gründer des Kölner Museums für christliche Kunst, berichtet 1881 ebenfalls als Augenzeuge, dass man bei der Öffnung ein Stück des alten byzantinischen Byssus für die Schatzkammer des Domes entnommen habe.

Hundert Jahre später, Anfang 1981, schickt das Erzbischöfliche Diözesan-Museum den Stoffrest zu Daniel de Jonghe an die Königlichen Museen für Kunst und Geschichte in Brüssel. Der Belgier ist als Fachmann auf dem Gebiet antiker Stoffe in der ganzen Welt anerkannt. In seinem Labor vergleicht De Jonghe das Kölner Gewebe unter dem Mikroskop mit Stoffen, die zweifelsfrei aus der Zeit Jesu stammen. Sein Urteil: Der Byssus aus dem Dreikönigsschrein gehört sowohl nach seinem Muster als auch nach den technologischen Merkmalen eindeutig in jene Gruppe spätantiker seidener Blöckchendamaste, die in der Zeit vom 2. bis 4. Jahrhundert im Vorderen Orient gewebt werden. Nach dieser Zeit wird diese Webtechnik nicht mehr angewendet.

Außerdem, so der Experte, schließe sich das Kölner Textil direkt an die ältesten Kleiderstoffe jener Zeit an, die aus Palmyra stammen. Die syrische Oasenstadt ist damals ein bedeutendes Handelszentrum an den Karawanenstraßen zwischen Persien und Ägypten.

Noch andere Experten bezieht das Erzbischöfliche Diözesan-Museum in seine Untersuchungen ein. Ein Stückchen Seide, ebenfalls bei der Öffnung des Schreins abgeschnitten, geht  an das „Internationale Forschungszentrum für alte Textilien“ (CIETA) in Lyon. Dort stellen Fachleute fest: der damals überaus teure Seidenstoff, der für die Umhüllung der Gebeine verwendet wurde, ist im 2.Jahrhundert im syrischen Palmyra gewebt. Zuletzt bestätigt das Versuchslabor der „Bayer“-Werke in Leverkusen auch noch: Das Dunkelviolett der Borte rührt tatsächlich von antikem Purpur, der Farbe der Kaiser, her. Der Farbstoff ist damals ebenfalls sehr teuer, für ein einziges Gramm müssen 10.000 Schnecken aus dem Mittelmeer sterben. Die Produktion ist streng geheim und nur in lizenzierten Werkstätten wie in der kaiserlichen Purpurfabrik von Byzanz erlaubt.

Die Expertisen bestätigen die alte Überlieferung von der Auffindung der aus Furcht vor Feinden versteckten Gebeine durch die erste christliche Kaiserin. Doch wie heilig sind die Drei Könige wirklich? Wer waren die himmelskundigen Reisenden, wo kamen sie her und was ist aus ihnen geworden? Die Rätsel sind kompliziert, die Quellen karg: Matthäus liefert 80 Jahre nach dem Ereignis nur 273 Worte in zwölf Versen ohne jeden weiteren Hinweis auf die Herkunft der ungewöhnlichen Gesandtschaft. Die drei anderen Evangelisten bleiben stumm, und auch zeitgenössische Chronisten wie Flavius Josephus schweigen.

Umso vielfältiger wuchern seit jeher fromme Legenden. „Wir können diese drei Gestalten als Urbild der Menschheit bezeichnen, und diese Menschheit ist gekommen, um Christus anzubeten“, erklärt Armand Puig i Tarrach, Dekan der Theologischen Fakultät der Universität von Katalonien in Barcelona. „Die drei symbolisiert die perfekte Harmonie, sie ist die Schlüsselzahl der christlichen Symbolik.“

Der theologischen Deutung folgen philosophische und politische Auslegungen: „Einer der Drei Weisen verkörpert die Jugend, einer die Reife und einer das Alter“, sagt Franco Cardini vom Institut für Geisteswissenschaften in Florenz, Spezialist für Mittelalterliche Geschichte, Kreuzzüge und Magie. Bis zum zwölften Jahrhundert hätten die Hl. Drei Könige in der Überlieferung weitere Eigenschaften erworben: „Der älteste König repräsentiert Europa, der mittlere Asien und der jüngste Afrika.“ Mit der Darstellung eines Schwarzen wolle die Kirche seit dem Zeitalter der Entdeckungen die Universalität ihrer Heilsbotschaft zum Ausdruck bringen, bis heute gehört zu jedem „Sternsinger“-Auftritt ein geschwärztes Gesicht.

Im Mittelalter wächst aus dem geheimnisvollen Bibel-Bericht ein besonders wirkungsmächtiger Mythos: Mit den exotischen Jesus-Verehrern begründet die Kirche einst ihren Anspruch auf die absolute Herrschaft über alle Reiche der Erde. Archäologische Beweise für den Besuch finden sich bisher zwar weder in Bethlehem noch anderswo im Heiligen Land, doch arbeitet die moderne Forschung Forscher inzwischen auch Entdeckungen aus anderen Weltgegenden in ihre Thesen ein.

„Hinter den biblischen Geschichten stehen immer konkrete Tatsachen, die jedoch später durch verschiedene Deutungen aufgebauscht und verzerrt wurden“, sagt der Dominikanerpater Étienne Nodet von der École Biblique et Archéologique Francaise in Jerusalem. Die Vermutung einer mesopotamischen Herkunft geht schon seit Jahrhunderten um: In Babylon betreibt um die Zeit der Geburt Jesu eine einflussreiche Priesterkaste Sternforschung auf erstaunlich hohem Niveau. Eine 1925 entzifferte Keilschrifttafel aus dem Irak etwa berechnet für das Jahr 7 v.Chr. eine dreimalige Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn.

In diesem höchst seltenen Ereignis einer optischen Verschmelzung zweier Wandelsterne zu einem einzigen Lichtpunkt sehen die meisten Astronomen heute den Ursprung des Bibelberichts vom Himmelszeichen über Bethlehem: Jupiter gilt der Antike als Stern des Königtums, Saturn als Bote einer großen Zeitenwende; ihr dramatisches Zusammentreffen muss die sternkundigen und –gläubigen Geister der antiken Welt tief erschüttert haben. Zudem lebt in Babylon damals eine große jüdische Gemeinde, deren Mitglieder nicht weniger sehnsüchtig auf das Eintreten der wundersamen Messias-Prophezeiungen warten wie ihre Glaubensgenossen in Jerusalem.

Andere Experten suchen die Heimat der Weisen eher im Süden: Nach ihrer Ansicht weisen die Geschenke, besonders Weihrauch und Myrrhe, auf Besucher aus dem heutigen Jemen hin. Eine alttestamentliche Vorhersage stützt diese These: „Die Könige aus Saba und Scheba sollen Gaben senden“, fordert der 72.Psalm für den Gottessohn. Der Reichtum an Duftharz macht das Reich am Südrand der Arabischen Halbinsel als „Weihrauchküste“ berühmt. Die Myrrhe schon der altägyptischen Mumien stammt aus Jemen, Äthiopien und Somalia, Gold schließlich kommt damals vor allem aus Nubien im heutigen Nordsudan.

Seit einigen Jahren richtet sich der Focus der Forschung indes weiter nach Osten, auch als Folge einer neuen Bewertung älterer Erkenntnisse: „Es gibt einige sehr interessante Hinweise auf den Iran“, bestätigt Mark Kidger vom European Space Astronomy Centre in Madrid, der seit 40 Jahren an dem Thema arbeitet. „Als Marco Polo seine abenteuerliche Reise nach China unternahm, kam er auch durch Nordpersien. Dort sprach er mit Einheimischen, die ihm versicherten, dass die hl. Drei Könige aus ihrer Stadt stammten. In dieser Gegend existiert bis heute der Zoroastrismus, und diese Religion hat viel mit der Geschichte von Christi Geburt gemeinsam, beispielsweise die Legende von der Jungfrauengeburt. Auch viele Elemente aus der Geschichte ihres Messias ähneln der christlichen Lehre.“

Der altpersische Lichtgott Mithras, dessen Kult viele Lehren des persischen Religionsstifters Zarathustra aufnimmt und mit den Legionen überall im römischen Imperium verbreitet, wird ebenfalls von einem Vatergott zur Welt geschickt und in einer Felsengrotte geboren. Antike Darstellungen zeigen ihn mit der damals in Persien üblichen „phrygischen Mütze“. Diese unverwechselbare Kopfbedeckung aber tragen auf einem sehr alten Mosaik der frühchristlichen Basilika Sant Apollinare Nuovo in Ravenna auch die hl. Drei Könige.

Der britische Astronom nimmt solche Übereinstimmungen als Beweis für einen persischen Ursprung der biblischen Besucher: „Sie sind wahrscheinlich vom Kaspischen Meer gekommen, das zwölfhundert Kilometer entfernt liegt“, meint er. „Sie mussten also zwei hohe Bergketten, zwei große Wüsten und mehrere Ströme durchqueren. Für diese Entfernung brauchte ein Reisender damals vier bis acht Wochen.“ Andere Experten denken sogar an das noch viel weiter entfernte persisch-indische Reich Gandara im heutigen Nordpakistan, dessen König Gathaspar griechischer Abstammung war.

In der Jupiter-Saturn-Konjunktion sieht Kidger nur den ersten Hinweis auf das heilige Geschehen; der eigentliche Stern von Bethlehem sei eine Supernova, die chinesische Astronomen Anfang des Jahres 5 v.Chr. beobachteten. Daraus erschließt sich als heute wahrscheinlichste These: Von Mai bis November 7 v. Chr. kündigt die höchst eindrucksvolle Planetenkonjunktion dem gesamten Orient die Geburt eines neuen Weltherrschers an. Unter den Eingeweihten herrscht große Aufregung. Der alte, sternkundige König Gathaspar macht sich auf den Weg durch Persien in die altberühmte Astronomen-Metropole Babylon. Die Tradition wandelt seinen Namen später in „Caspar“ und lässt ihn ganz richtig die Stelle des Europäers einnehmen.

In Babylon erörtert der Indogrieche die Himmelserscheinung monatelang mit Weisen, die sich selbst „Magoi“ – „Magier“ – nennen. Als 5. v.Chr. auch noch eine Supernova aufflammt, bricht Caspar mit zwei Astronomen nach Westen auf. Der ältere wird später Melchior genannt, der jüngere heißt in der Überlieferung schließlich Balthasar und stammt wohl aus Nubien, an dessen Küsten eine schon damals vielbefahrene Schiffsroute führt.

Die bis heutige gültige Datierung der Geburt Christi beruht auf einem frühmittelalterlichen Rechenfehler, der den Zeitpunkt um fünf bis sieben Jahre nach hinten verlegt. In der Bibel reisen die Sterndeuter nach einem warnenden Traum nicht wieder über Jerusalem, sondern „auf einem anderen Weg“ in ihr Land zurück. „Sie stechen am Roten Meer in See und gehen auf eine lange Reise entlang der arabischen Küste zum Indischen Ozean, bis sie schließlich Indien erreichen“, glaubt der Florentiner Cardini. Nach dem Thomas-Evangelium, einer apokryphen, nicht in die Bibel aufgenommenen Schrift, bauen die Sterndeuter dort die ersten christlichen Kirchen. Sie sterben im Jahr 54 nach einer letzten gemeinsamen Weihnachtsfeier. Treue Anhänger überführen die Toten zur Bestattung nach Jerusalem.

Für die Pilger im Kölner Dom ist die Echtheit keine Frage: „Die Wallfahrt zum Schrein“, sagt Reliquien-Experte Alfred Läpple, „will gläubig-dankbare Erinnerungen wecken an eine Wanderung vor zweitausend Jahren, mit dem Ziel, den Messias und Retter der Welt anzubeten, und damit ist mehr und etwas ganz anderes als die wissenschaftlich abgesicherte Feststellung eines archäologischen oder medizinischen Befundes gemeint.“

„Die Weisen aus dem Osten sind kritisch-fragende und Sinn-suchende Menschen ihrer Zeit“, kommentiert die Zeitung des Papstes, der „L’Osservatore“. „Sie fragten ernsthaft, sie suchten zielstrebig und sie machten sich bereitwillig auf den Weg“ – so wie ihre modernen Nachfolger, die Wallfahrer des 21.Jahrhunderts.

„Viele junge Menschen, die zu uns kommen, bringen zum Ausdruck, wie sehr sie die Lebens- und die Glaubensgeschichte dieser Heiligen anspricht“, sagt der Kölner Weihbischof Heiner Koch (58). „Wie die drei aufbrachen und nach Gott suchten, seine Spuren in ihrem Leben entdeckten, wie sie ihn aus den Augen verloren, nach ihm fragten, ihn schließlich ganz überraschend fanden und von ihm bewegt ganz neue Wege in ihrem Leben einschlugen - gerade die jüngeren Pilger sehen in ihnen gute Weg- und Glaubensbegleiter.“

Die Kölner Reliquien sind die bekanntesten, aber längst nicht die einzigen Reliquien der Weihnacht. Einige liegen gleich nebenan in einem anderen Fach des Dreikönigsschreins. Es sind Gebeine eines kaum zweijährigen Kindes: das linke Schulterblatt, vier Beckenknochen, zwei Ellenschäfte und zwei Speichen, alle ebenfalls in besondere Umhüllungen gewickelt, vermutlich Überreste eines der von den Schergen des Königs Herodes in Bethlehem ermordeten Knaben. Die Kinder gelten als die ersten Märtyrer der jungen christlichen Kirche, ihre Reliquien werden zur Zeit Kaiser Karls des Großen aus einer Höhle bei der Geburtsstadt Jesu geborgen und von frommen Pilgern ins Abendland gebracht.

Der 6.Januar

Die Antike feiert in der Nacht zum 6.Januar das Fest des Gottes Aion, der Verkörperung von Zeit und Ewigkeit. Die junge christliche Kirche okkupiert das Datum für ihr erstes Weihnachten, das Fest der Erscheinung des Herrn („Epiphanie“). Inhalte sind die Geburt Jesu, seine Taufe im Jordan und das Wein-Wunder zu Kana: Jesus tritt in die Welt, wird vom göttlichen Vater bestätigt und gibt sich schließlich auch selbst als Gottessohn zu erkennen. Als Kaiser Aurelian im Jahr 274 den 25. Dezember zum „Geburtstag der Unbesiegbaren Sonne“ erklärt, verlegen Roms Christen aus Protest gegen den „Götzendienst“ den Geburtstag des Erlösers ebenfalls auf diesen Tag. Damals ist die Christus-Sonne-Symbolik im Bewusstsein der Gläubigen besonders stark verankert. Im 4. Jahrhundert setzt sich das neue Weihnachtsdatum auch im Osten durch. Heute feiert die orthodoxe Kirche an „Epiphanias“ vor allem die Taufe Jesu, bei der sich die hl. Dreifaltigkeit der Welt enthüllt. In der lateinischen Kirche gehört der Tag dagegen den hl. Drei Königen. Jedes Jahr ziehen in Deutschland 500.000 Kinder und Jugendliche als „Sternsinger“ von Haus zu Haus.

 

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