Heilige, Schurken und Verrückte

Montag, 7. Januar 2013

Das Wort vom Sonntag

Morgen, am 8.Januar, feiert die katholische Christenheit den Gedenktag des hl. Severin von Norikum. Severin oder Sören, „der Gestrenge“, lebt in der Völkerwanderungszeit an der Donau zwischen Passau und Wien, der Provinz Norikum und gilt als Apostel Österreichs. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts ist die Nordgrenze des Imperiums dem Ansturm der Germane schutzlos preisgegeben. Die erste Biographie des Heiligen verfasst der Mönch Eugippos um das Jahr 511. „Durch die Lebensgeschichte erhalten wir klaren Einblick, welche Anschauungen sich die Römer-Christen zu dieser Zeit von den wichtigsten Glaubenswahrheiten, von der Kirche, von Kult und Frömmigkeit gebildet hatten“, sagt der Münchner Kunsthistoriker Hugo Karl Maria Schnell (1904–1981). „Folgende Dogmen werden als Zentralgeheimnisse des christlichen Glaubens festgehalten: die Dreifaltigkeit, die Erlösung durch Christus von der Sündenschuld, die Gemeinschaft der Heiligen, die Heiligenverehrung, die Unsterblichkeit der Seele, die Läuterung nach dem Tode, die Engels- und Teufelswelt.“  Bald nach 543, dem Todesjahr des Hunnenkönigs Attila, taucht Severin plötzlich auf, in Favianis (heute Mautern). „Er wird zum geistlichen Führer der christlich-römischen Siedler“, schreiben Erna und Hans Melchers in „Das Große Buch der Heiligen“. „Bis heute weiß man nicht, woher er eigentlich kam. Seine Zellengründungen nach dem Beispiel der morgenländischen Einsiedler und sein persönliches asketisches Leben deuten darauf hin, daß er als Mönch im Orient gelebt hat, seine Sprache und seine Gesittung aber lassen darauf schließen, dass er eine römische Erziehung genossen hatte.“ Wahrscheinlich wurde er in eine vornehme germanische Familie geboren. Fragte man ihn, woher er stamme, so antwortete der Heilige: „Unser Vaterland ist der Himmel und nach dem Himmel wollen wir trachten.“ Severin vermittelt so geschickt zwischen den arianischen und den römischen Christen, dass die anderswo tief zerstrittenen Glaubensgemeinschaften sogar gemeinsam die Kirchen benutzen. Die reichen Grundbesitzer steuern jährlich einen Zehnten für soziale Projekte bei. Die Städte wetteifern, ihn möglichst lange zu beherbergen, denn es hat sich herumgesprochen, dass sie mit ihm vor Feinden sicher sind. Oft sucht er die halbwilden Germanen in ihren Lagern auf, um Gefangene zu befreien. Als Mitwirkender in der hohen Politik ebnet er dem germanischen Heerführer Odoaker den Weg nach Italien, das der tüchtige Kriegsmann alsbald befriedet. Als Severin den Tod nahe n fühlt, zieht er sich in das von ihm gegründete Kloster Göttweig zurück, wo er am 8. Januar 482 stirbt. Sechs Jahre später wird sein Leib nach seiner Weisung vor den angreifenden Heiden nach Italien gerettet und später nach Neapel gebracht, wo er heute in der Pfarrkirche Fratta Maggiore ruht. Nach der Eugippus-Biographie verehrte der Alemannenkönig Gibuld den großen Kirchenmann so sehr, dass er auszog „mit dem Wunsch, ihn zu sehen. Aber der Heilige ging ihm entgegen, damit er nicht die Stadt beträte, und sprach mit so gewaltiger Kraft zu dem Könige, daß dieser vor ihm heftig zu zittern begann. Er wich von der Stadt (Passau) zurück und gestand seinen Kriegsleuten, noch niemals hätten ihm in der Schlacht oder in schwerer Gefahr so sehr die Glieder gebebt.“

Als letzte Worte des Heiligen überliefert Eugippus: "Abraham, der vom Herrn berufen war, gehorchte im Glauben und zog so in ein Land, welches er zu eigen erhalten sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin. Folgt also dem seligen Patriarchen nach, in seinem Glauben, in seiner Heiligkeit, suchet nicht das Irdische, sondern nur euer himmlisches Vaterland."

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Die Weisheit des Menschen ist umso größer, je klarer sie Gottes Plan erkennt.

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In Joris-Karl Huysmanns "Tief unten" sagt der Held: "Unterhaltungen, die nicht Religion oder Kunst zum Gegenstand haben, sind so nichtig und eitel!" Und: "Überhaupt sind die einzigen interessanten Bekanntschaften Heilige, Schurken und Verrückte; nur mit ihnen lohnt die Unterhaltung. Leute von gesundem Menschenverstand sind zwangsläufig unergiebig, denn sie käuen die ewigen Litaneien langweiligen Lebens wieder.": "Ja, unsere unverbesserliche Geltungssucht und auch das Angewiesensein auf die elenden Groschen sind schuld daran, daß man seine Manuskripte nicht vor dem Zugriff ungehobelter Tölpel bewahren kann; Kunst sollte sein wie die Frau, die man liebt: außer Reichweite, in fernen Räumen; denn die Kunst ist letztlich, neben dem Gebet, die einzig reine Ejakulation der Seele! Darum trenne ich mich, sobald eines meiner Bücher erscheinen soll, nur mit Grauen von ihm. Ich meide, so gut ich kann, die Orte, an denen es auf den Reklamestrich geht."

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Aus Henry Newmans "Betrachtungen und Gebete": "Ich fühle es tief, o mein Gott, daß ich, mir selber überlassen, in die Irre gehe. So gut ein Stein, den man fallen läßt, zur Erde niederfällt, so sicher gehen mein Herz und meine Seele hoffnungslos zugrunde, wenn du deine Hand zurückziehst." Kein Mensch kann anderes von sich sagen. Für Newman war die Kirche "die fortschreitende geschichtliche Realisierung der Pläne Gottes" und "die Zustimmung zu ihrer Lehre persongewordene Erkenntnis der Wirklichkeit."

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Ernst Jünger: "Es gibt, von den Psalmen an, in der Weltliteratur wenig Stellen, an denen der Mensch, losgelöst von jeder zeitlichen und örtlichen Bindung, die Stimme erhebt, als ob sich das Schicksal aller, die sind, waren und sein werden, in ihr verdichtete. Da ist nicht mehr der Himmel mit Sonne und Sternen, sind nicht mehr die Völker mit ihren Helden und Göttern - - - nur er selbst ist sich das Rätsel, mit seinem Schicksal allein. Vielleicht ist hier die Saite angeschlagen, der Ton getroffen, der tiefer als jeder Lichtstrahl ins Universum dringt."

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Robert Hamerling (1830-1889: "Wer seinen Glauben mit Gründen verteidigt, kann mit Gründen widerlegt werden."

 

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