Galilei: Die Inquisition hatte Recht

Donnerstag, 10. Januar 2013

Das Wort zum Freitag

Zum Streit zwischen der katholischen Kirche und dem Kriminologischen Institut Niedersachsen um eine Forschungsarbeit über Missbrauchsfälle sagt ZDF-Moderatorin Marietta Slomka in „heute-Journal“: „Eine unabhängige Studie wurde in Auftrag gegeben. Ein großer Schritt war das. Fast so, als hätte vor 380 Jahren Galileo Galilei die Einladung bekommen, im Vatikan einen Vortrag über das Universum zu halten.“ So abwegig wäre das gar nicht gewesen, denn Galilei war mit einer ganzen Reihe von Kardinälen, Bischöfen und Theologen sehr gut befreundet. Walter Kardinal Brandmüller, Theologe, Kirchenhistoriker und von 1998 bis 2009 Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft („Chefhistoriker der Kurie“) sagt „WELT online“ dazu: „Er war und lebte mit großer Selbstverständlichkeit in der Kirche, nicht neben ihr. In das kirchliche Leben seiner Zeit war er vollkommen eingebunden. Und dass er seine religiösen Pflichten erfüllt hat, dass er Sonntags in die Kirche ging, dass er beichtete, zur Kommunion ging, all dies bis zum Schluss, das ist ja bekannt.“ Der formale juristische Grund für die Verurteilung des großen Forschers habe darin bestanden, dass er die Druckerlaubnis für sein Hauptwerk „Der Dialog über die zwei Weltsysteme“ auf unlautere Weise erschlichen habe. Dadurch hätten sich die römischen Behörden an der Nase herum geführt fühlen müssen. Ansonsten verlangte der Vatikan damals lediglich, dass Galilei seine Theorie über den Heliozentrismus als astronomische, physikalische Hypothese und nicht als exakte Beschreibung der kosmischen Realität behandeln solle. Brandmüller: „Genau damit aber hat die Heilige Inquisition damals schon den wissenschaftstheoretischen Standpunkt vorweg genommen, den die modernste theoretische Physik heute einnimmt – und nicht Galilei. Das war der Kern des Streits. Es war wirklich ein Witz: in naturwissenschaftlicher Hinsicht war die Inquisition im Recht.“ Galiläi lag falsch, die Sonne ist nicht der Mittelpunkt des Universums, doch der katholischen Kirche nutzt diese Tatsache bis heute wenig.

*

Da Gott die Herzen schaut, nimmt er die Absicht für die Tat.

*

In "Schuld und Sühne“ sagt Swidrigailow: "Wir stellen uns die Ewigkeit immer als eine Idee vor, die wir nicht begreifen können, als etwas ganz Gewaltiges. Aber warum unbedingt etwas Gewaltiges? Stellen Sie sich einmal vor, stattdessen würde es dort plötzlich nur ein einziges Zimmerchen geben, etwa so groß wie eine Dorfbadestube, verräuchert und in allen Ecken Spinnen, und das ist nun die ganze Ewigkeit."

*

Beethovens "Pastorale": Eine Seele, für eine Nacht ins Diesseits zurückgekehrt, tanzt allein im duftenden Licht vergessener Sterne.

*

Aus Jean Pauls „Selina“: "Denn ohne eine Gottheit gibt’s für den Menschen weder Zweck, noch Ziel, noch Hoffnung, nur eine zitternde Zukunft, ein ewiges Bangen vor jeder Dunkelheit und überall ein feindliches Chaos unter jedem Kunstgarten des Zufalls. Aber mit einer Gottheit ist alles wohltuend geordnet und überall und in allen Abgründen Weisheit; und daher wird sie, so wie sie die ersten Verkörperungen und Behausungen nicht vom bloßen Zufalle unter die Seelen der ganzen Erde verteilen ließ, ebensowenig die zweiten und folgenden ihn haben ordnen lassen; und so wird endlich drittens am allermeisten die ganze Masse der jahrtausendealten Menschheit ihre zweite Weltkugel, ihren neuen Hörsaal des Universums und ihren zweiten Tempel der Natur finden. - Und so laßt uns wandern und hoffen!"

*

Die Vielfalt der Heiligen verblüfft immer wieder. Diesen Freitag zählt die katholische Kirche sieben Gedenktage: Der Papst Hyginus („Der Gesunde“) stammt aus Athen, ist Philosoph, wird 138 zum Nachfolger Petri gewählt und stirbt nach nur vier Jahren im Amt. Der Anachoret Palämon lebt in der Thebais, unterrichtet den hl. Pachomius d. Ä., unterstützt ihn beim Bau des Klosters Tabenisi am Nilknie von Kena und stirbt im Jahr 330. Der hl. Philotheus („Freund Gottes“) stirbt als jugendlicher Märtyrer bei der Christenverfolgung Diokletians um 304 in Antiochia. Der hl. Paulinus von Aquileja ist ein berühmter Grammatiker. Karl der Große schenkt ihm im Jahr 776 ein Landgut und ruft ihn später an seine Hofschule, wo er sich mit dem noch berühmteren Gelehrten Alkuin befreundet. 787 macht der Herrscher ihn zum Patriarchen von Aquileja. Von dort aus bemüht sich Paulinus zusammen mit Erzbischof Arno von Salzburg um die Bekehrung der wilden Awaren, Magyaren und Slawen. Er stirbt im Jahr 802. Der hl. Tasso („Dachsbaum“, „Eibe“) lebt als dritter Abt des Benediktinerklosters am Volturno nördlich von Neapel in solcher Bußstrenge, dass ihn seine Mitbrüder absetzen. Papst Gregor II. bestraft die aufsässigen Mönche daraufhin mit noch viel härteren Regeln. Tasso stirbt im Jahr 729. Theodosius der Koinobiarch (Oberabt) kommt um das Jahr 424 im heute türkischen Kappadokien zur Welt und wandert nach Palästina, um Mönch zu werden. Er lebt erst im Kloster am Davidsturm zu Jerusalem und dann im Kathisma-Kloster an der Straße nach Bethlehem, einem legendären Rastplatz der hl. Familie: Nach der Überlieferung stieg die Gottesmutter damals dort wegen erster Wehen von ihrem Esel. Später lebt Theodosius als Einsiedler in Grotten, in denen schon die Hl. Drei Könige Unterschlupf fanden. In das verzweigte Höhlensytem baut der Mönch Heime für Fremde, Arme, Kranke und Geistesgestörte. Aus ihnen entwickelt sich später das nach dem Gründer benannte Theodosiuskloster. Um 494 ernennt Patriarch Salustios von Jerusalem den frommen Mann zum Generalabt über alle Koinobiten (Mönche) in und um Jerusalem. Nach seinem Tod am 11. Januar 529 wird er in der Magierhöhle bestattet. Der hl. Thomas von Cori (1655-1729) wird schon früh Waise und sorgt mit 14 als Schafhirte für seine Schwestern. Als sie verheiratet sind, wird er Franziskaner und missioniert 20 Jahre lang mit nicht nachlassendem Eifer die armen Bergbauern und Hirten in den Abruzzen. Seine Predigten sind einfach und überzeugend. Nach frommer Überlieferung wird er vor seinem seligen Hinscheiden zu Civitella in einer Verzückung über sein Sterbelager emporgehoben, und seine Zelle leuchtet in übernatürlichem Licht.

   

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt